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Keine spanische Postkarten-Idylle
Mainfranken Theater zeigt individuelle Version der Bizet-Oper „Carmen“ –Tenor Ricardo
Tamura fliegt eigens aus New York ein, um die Premiere trotz mehrerer Krankheitsfälle zu retten


Von Michaela Schneider
Würzburg
Flamencotänzerinnen, verklärtes Zigeunerleben, Toreros in schmucken Kostümen: Fast zwangsläufig drängen sich klischeehafte Bilder auf, denkt man an George Bizets Carmen. Das Mainfranken Theater Würzburg geht einen anderen Weg. Statt auf spanische Folklore und verklärte Fantasien konzentriert sich Intendantin Sabine Sterken auf die Menschen, die Handlung und die Übermacht der Gefühle. Manchen Premierengast verleitet dies am Ende der Aufführung zu Protest, viele Theaterbesucher indes genießen gerade das Individuelle der vielleicht populärsten Oper weltweit. Gesanglich schwankt der Abend zwischen Genuss auf oberstem Niveau und leichten Schwächen – dies jedoch vor allem wegen krankheitsbedingter Ausfälle.


Allemal überzeugend: das Philharmonische Orchester unter dem spritzigen Dirigat von Enrico Calesso – leidenschaftlich und leicht, wild-dramatisch und gefühlvoll, den Abend über mit jeder Menge Esprit. Und auch der durch Gastsänger verstärkte Opernchor unter der Leitung von Michael Clark präsentiert sich von seiner besten Seite. Als kleine singende Gäste darüber hinaus auf der Bühne: der Unterstufenchor des Würzburger Matthias-Grünewald-Gymnasiums.


Die Geschichte der verführerischen Carmen: Brigadier Don José verliebt sich in die freiheitsliebende Spanierin. Für Carmen ist die Liebe ein Spiel und sie ist nicht bereit, sich irgendeiner Autorität zu beugen. Don José wird aus  Liebe zu ihr zum Deserteur, doch Carmen hat sich inzwischen dem Stierkämpfer Escamillo zugewandt. Die brave Micaela macht sich auf, um ihren Verlobten zu retten. Vergebens. Aus Liebe und Eifersucht ersticht der einstige Brigadier die schöne Carmen.

 

Doch Dramen schreibt auch das Theaterleben selbst, tatsächlich ist‘s ein wahrer Kraftakt für das Mainfranken Theater, die Premiere zu stemmen: Am Anfang der Woche meldet sich Don-José-Darsteller Bruno Ribeiro krank. Bis zur Generalprobe scheint er wieder gesund, inzwischen liegt Ensemble-Mitglied Bryan Boyce im Bett. Gast-Bariton Adam Kim springt ein als Torero Escamillo. Nach der Generalprobe die Schreckensnachricht: Jetzt ist Bruno Ribeiro so krank, dass er bei der Premiere keinesfalls singen kann. Tenor Ricardo Tamura hilft aus der Bredouille und fliegt eigens aus New York nach Deutschland. Für Proben bleibt keine Zeit, Tamura singt konzertant, Ribeiro spielt stumm auf der Bühne. Des Dramas nicht genug: Im Laufe des Abends haben die Erkrankten Gastsopranistin Laura Brioli angesteckt. Doch die Italienerin kämpft als „Carmen“ tapfer bis zum Ende des Abends.


Der stimmgewaltige Ricardo Tamura als konzertanter Don José verhilft dem Mainfranken Theater an diesem Abend zu Weltstadt-Glanz. Setzt er ein, sorgt`s für Gänsehaut. Nicht umsonst gab der junge Tenor 2013 sein Debut an der New Yorker MET. Das Publikum jubelt ihm den Abend über mit Bravorufen und Zwischenapplaus zu. Nicht ganz so geglückt indes die Torero-Besetzung: Die Star-Posen in senfgelber Lederjacke wollen nicht ganz zu  Adam Kims Stimme passen. Beim Torero-Lied übertönen Chor und Orchester den Bariton stellenweise. Später gewinnt er zum Glück an Stimmkraft. Mezzosopran Laura Brioli als Carmen ist trotz angeschlagener Stimme gut, vor allem in den tiefen Lagen. Trotzdem dominiert gesanglich eine Würzburgerin: Silke Evers gibt der in manch anderer Inszenierung eher farblos erscheinenden Micaela echten Charakter, zart und doch entschlossen im Gesang wie auf der Bühne. Zudem sehr überzeugend in ihren Nebenrollen: Herbert Brand als Leutnant Herbert Brand und Anja Gutgesell als Zigeunerin Frasquita.


Martin Rupprechts Bühnenbild geht mit Sabine Sterkens Inszenierung Hand in Hand, lässt viel Platz für Interpretation. Da ist zum Beispiel die rote Grenze auf dem Boden, denn alle Protagonisten überschreiten Grenzen: Micaela zieht allein in die Fremde, der brave Soldat Don José wird zum Deserteur, Carmen entscheidet sich für den Tod. Die erste Szene wirkt, zugegeben, optisch eher lieblos - improvisiert aus Alltagsgegenständen wie Plastikstühlen, Getränkekisten und einem gelben Sonnenschirm. Doch geschieht dies ganz bewusst. Stimmungsvolle Beleuchtung schafft später Atmosphäre, scheinbar Wertloses wie die Hausfront aus leeren Flaschen gewinnt jetzt an Wert. Am Ende löst sich die Umwelt nahezu komplett auf. Zusammen mit dem reduzierten Bühnenbild schrumpfen die Werte des Alltags. Am Ende bleibt nur noch die Macht der Gefühle, bleibt eine Liebe, die in den Wahnsinn treibt.  


Kurzum: Das Mainfranken Theater zeigt keine „Carmen“ zum Zurücklehnen und Spanien-Postkarten-Idylle-Genießen. Die Inszenierung regt zum Mitdenken an und bietet Raum für Symbolik. Wer sich darauf einlässt, hat viel Spaß an der Würzburger Variante der Bizet-Oper.


Dauer: 180 Minuten (mit Pause); nächste Vorstellungen: 19.30 Uhr:  31.01./ 10.02./ 22.02./ 25.02./ 04.03./ 12.03./ 15.03./ 20.03./ 04.04./ 17.04./ 03.05.; 15 Uhr:  01.03./ 24.05.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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