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Auf Zeitreise im „Café Rewue“
Mit einer Eigenproduktion aus der Feder von Schauspieldramaturgin Wiebke Melle
bringt das Mainfranken Theater eine musikalische, sehr unterhaltsame Hommage an Würzburg auf die Bühne


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Es ist wie mit Freunden bei einem guten Schoppen: Man plaudert über Geschichten aus der Nachbarschaft oder große Weltpolitik, reichert die ein oder andere Episode um der Dramatik Willen mit a weng Fantasie an, wie der Franke sagt. Und schon vergehen zweieinhalb Stunden wie im Flug. Nicht anders verhält es sich jetzt im „Café Rewue“ auf der großen Bühne des Mainfranken Theaters Würzburg. Mit der Eigenproduktion aus der Feder von Schauspieldramaturgin Wiebke Melle bringt das Haus eine Hommage an die Bischofsstadt auf die Bühne, die ein echter Würzburger zwangsläufig lieben muss. Hundert Jahre Stadtepisoden ziehen im Zeitraffer vorbei, bekannte Söhne und Töchter gehen ein und aus im Café, Schlager und Songs aus einem Jahrhundert verwandeln das Schauspiel in eine bunte Revue. Das Publikum bei der Uraufführung ist begeistert, fordert zwei Zugaben, viele Zuschauer honorieren die Produktion mit stehenden Ovationen. Das ist umso bemerkenswerter, als sich über das musikalische Niveau des Abends streiten lässt.


Der meiste Applaus gebührt Autorin Wiebke Melle. Die gebürtige Hannoveranerin arbeitet seit der Spielzeit 2013/2014 als Schauspieldramaturgin am Mainfranken Theater. Die Idee, Würzburger Familiengeschichten auf den Grund zu gehen und in den Kontext der Zeitgeschichte zu stellen, kam Schauspieldirektor Stephan Suschke. In 100 Jahre Stadthistorie  tauchte dann aber Melle ein. Sie recherchierte in Dokumenten und Tagebüchern, führte Interviews mit Zeitzeugen. Das Publikum begegnet im „Café Rewue“ unter anderem Unternehmern wie Friedrich Jacobi, Frauenrechtlerin Klara Oppenheimer, dem Besitzer von Deutschlands ältester Pizzeria  Nicolino di Camillo, dem türkischen Gastarbeiter Alexander Ün, der langjährigen Symbolfigur der Grünen, Petra Kelly, oder auch Würzburgs heute wohl weltweit bekanntestem Kind, Basketballspieler Dirk Nowitzki.


Wiebke Melle packt die zahlreichen Episoden in einen schlichten Rahmen: Klofrau Margot (Marianne Kittel) plaudert an ihrem letzten Arbeitstag mit Kellnerin Luise (Barbara Schöller) über 100 Jahre Begegnungen im „Café Rewue“ - inklusive Fantasie, die Margots „Hasenhirn“ entspringt.  Der Blick auf die Stadt als „Neigschmeckte“, erlaubt der Autorin dabei, erfrischend kritisch und frech zu sein. Jungunternehmer Josef Carl Peter Neckermann, der von Zwangsverkäufen im Nationalsozialismus profitierte und sich später vehement gegen Entschädigungsforderungen wehrte,  erinnert – von Tobias Roth herrlich parodiert – an einen, dauergrinsenden amerikanischen Entertainer. Und in Putzfrau Margots Fantasie singt Kardinal Döpfner den „Jailhouse Rock“ – der habe schließlich alles gegeben, damit die Leute zusammen finden.   


Die Elvis-Nummer vom Maria-Brendel zählt dabei übrigens zu den musikalischen Leckerbissen der Inszenierung. Insgesamt indes erlebt das Publikum mit Blick auf den Gesang einen zum Teil durchwachsenen Abend. Es kann seinen Charme haben, wenn bei einer Revue zwei, drei Nummern ganz bewusst einen Tick weit schräg und parodierend klingen. Als einzige Vertreterin des Musiktheaterensembles ist in der Inszenierung Barbara Schöller als Kellnerin Luise zu sehen. In die übrigen tragenden Rollen schlüpfen mit Marianne Kittel, Timo Ben Schöfer, Tobias Roth, Marianne Brendel, Alexander Hetterle und Theresa Palfi indes Mitglieder des Schauspielensembles.  Bei einer Maria Brendel etwa macht das gar nichts, sie beherrscht selbst Grönemeyer. Jene, die schlichtweg nicht singen können, weichen teilweise auf Sprechgesang aus, das ist der elegantere Weg. Oder aber sie überzeichnen bewusst, vorweg Theresa Palfi. Das ist anfangs lustig, bei der dritten oder vierten Nummer aber nervt es. Stellt sich die Frage, ob die ungewöhnliche Besetzung bei sage und schreibe 40 Gesangsnummern ein kluger Schachzug von Intendant Stephan Suschke war.


Gut und spaßig schauspielert das Ensemble dagegen durch die Bank. Das Kuriosum: Viel Sympathie fliegt der wunderbaren Barbara Schöller nicht nur aufgrund ihrer engagierten Gesangsnummern entgegen, sondern vor allem auch, weil sie schauspielerisch mit sprödem, fränkischem Charme für die witzigsten Momente des Abends sorgt.  Musikalische Schmankerln liefert zudem der musikalischer Leiter und Jazzpianist Joachim Werner  mit seiner fünfköpfigen Band, die sich zielsicher durch 100 Jahre Musikgeschichte  bewegt. Und er gewinnt das Publikum endgültig für sich, als er mit Hut und langen Haaren aufsteht und den Udo Lindenberg macht. Möglich wird`s, weil seine Band auf einem Podest im Café dabeisitzt. Fürs Bühnenbild zeichnet der Berliner Momme Röhrbein verantwortlich. Schwere Holzoptik, ein funkelnder Leuchter, und hohe Wände verströmen nostalgischen Charme.  Große Fenster ermöglichen es, Zeitgeschichte vorbeiziehen zu lassen: Der Bürgerchor tritt dabei nicht nur als Cafépublikum auf, sondern tritt mal als Kriegsveteranen, mal als Nationalsozialisten, mal als politische Demonstranten in den 60er Jahren auf. Ebenso rasant spurtet Kostümbildnerin Angelika Rieck durch 100 Modejahre.


Fazit: Das „Café Rewue“ macht – vom gesanglichen Wermutstropfen abgesehen - Spaß, denn das Publikum darf sich erinnern an Geschichten, über die man immer wieder gerne redet. Es darf sich über eine Fülle an liebenswerten Ideen und guten Gags freuen. Tiefgang ist bei einem so rasanten Geschichtsdurchmarsch kaum möglich, aber darum geht es auch nicht bei einer Revue. Die dient in erster Linie der Unterhaltung - und selbige gelingt dem Mainfranken Theater hervorragend.  

Dauer: 150 Minuten (mit Pause); nächste Vorstellungen, jeweils 19.30 Uhr:  30.05./ 07.06./ 11.06./ 16.06./ 03.07./ 05.07./ 12.07./ 22.07.; 15.00 Uhr:  14.06.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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