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Puccini-Oper als sinnliches Gesamtkunstwerk
Mainfranken Theater zeigt bild- und ausdrucksstarke,
 feinsinnige und sehr durchdachte Version der „Madame Butterfly“

Von Michaela Schneider

Würzburg Es sind Bilder, die im Gedächtnis bleiben: Langsam schreitende Japanerinnen in traditionellen Kimonos, mit roten Papierschirmen. Ein Boot, tiefblauer Horizont, zarte Wellen und die Mutter mit winkendem Sohn.  Die zerbrechliche Butterfly im weißen Gewand – vom Schatten des Onkels als Sinnbild ihrer Kultur ständig verfolgt. Giacomo Puccinis „Madame Butterfly“ zu inszenieren ist kein Leichtes – schnell droht die Oper in süßlichen Kitsch abzugleiten. In der Würzburger Inszenierung kann davon keine Rede sein: Unter der Regie der Dresdnerin Arila Siegert präsentiert das Mainfranken Theater eine bild- und ausdrucksstarke, feinsinnige und sehr durchdachte Version der Puccini-Oper. Ensemble-Mitglied Karen Leiber begeistert das Publikum als Butterfly, für die Rolle des Offiziers Pinkerton  konnte der portugiesische Tenor Bruno Ribeiro gewonnen werden.


Die Opern-Handlung basiert auf der gleichnamigen Erzählung des amerikanischen Autors David Belasco. Der amerikanische Marine-Offizier Pinkerton verliebt sich in die 15-jährige Cico-Cio-San, die wegen ihrer Sensibilität und Feinfühligkeit auch Butterfly genannt wird.  Die beiden heiraten – für Butterfly der Beginn einer ernsthaften Beziehung, für Pinkerton ein Abenteuer, ehe er nach Amerika zurückreist. Butterfly zahlt einen hohen Preis: Sie wird von Familie und Gesellschaft verstoßen. Dass sie Pinkertons Kind erwartet, erfährt der Offizier nicht mehr. Cio-Cio-San glaubt feste daran, dass er nach Japan zurückkehren wird. Nach Jahren ist dies der Fall – doch hat der Offizier seine amerikanische Frau mitgebracht. Cio-Cio-San begeht mit dem Dolch ihres Vaters Harakiri.


Dass das Würzburger Publikum eine sehr differenzierte, feinsinnige Version der „Madama Butterfly“ erleben darf, hat seinen Grund: Puccini überarbeitete seine Oper, nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich mehrfach. Der einstmals arrogante Imperialist Pinkerton wandelt sich zum leichtfertigen Lebemann und  Abenteurer. Butterflys sozialer Hintergrund verliert in späteren Fassungen an Bedeutung. Regisseurin Arila Siegert greift frühere Szenen wieder auf und zeichnet dadurch  - statt kitschiger Japanfolklore und oberflächlicher Exotik – sehr sensibel den Zusammenprall zweier Kulturen nach. Dabei entsteht ein sinnliches Gesamtkunstwerk.  Unverkennbar zeigen die bildstarken Elemente, dass Siegert nicht nur als Opernregisseurin, sondern auch als Choreografin arbeitet und Ästhetik auf allen Ebenen erschafft.


An die Seite geholt hat sie sich dafür Bühnenbildner Hans Dieter Schaal, der neben Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie auch Architektur studierte. Das zeigt sich in der „Butterfly“ an den klaren Strukturen und durchdachten, reduzierten Formen auf der Bühne. Schaal lässt unter der Lichtregie von Roger Vanoni mit Licht, Farbe, Schatten und Kontrasten spielen. Einzelne Szenenbilder wirken wie sinnliche Gesamtkunstwerke. Während sich der erste Akt in einem japanischen Teehaus  abspielt mit traditionellen Schiebewänden aus Papier, prägt den zweiten Alt ein gestrandeter Holzkahn zwischen weißen Stangen. Für die klassisch-ansprechenden Kostüme zeichnet Würzburgs Kostümdirektor Götz Lanzelot Fischer verantwortlich.


Und auch, wenn die Inszenierung an sich schon beeindruckt – im Vordergrund steht natürlich dennoch die Musik. Enrico Calesso dirigiert das Philharmonische Orchester Würzburg lustvoll und leidenschaftlich, setzt auf Emotion und großes Drama. Trotzdem lässt er, als Butterfly am Ufer auf Pickton wartet, gerade auch die leisen, feinen Töne wirken.  


Gesungen wird italienisch mit deutschen Übertiteln. Und hier steht natürlich Karen Leiber als Butterfly im Mittelpunkt. Sie überzeugt schauspielerisch, wie auch gesanglich - beherrscht die sensiblen, sehr zarten Töne ebenso wie die kraftvolle Dramatik.  Für ihre Arie „Un bel di vedremo“ erhält sie Zwischenapplaus und Bravo-Rufe. Ein Glücksgriff gelingt dem Mainfranken Theater auch mit Tenor Bruno Ribeiro. Er überzeugt herrlich stimmkräftig, im Liebesduett mit Butterfly sorgen die beiden gemeinsam für wohlige Gänsehaut. Sehr ansprechend zudem: Sonja Koppelhuber in der Rolle der Dienerin Suzuki mit ihrem einfühlsamem, warmem Mezzosopran; und Daniel Fiolka als amerikanischer Konsul Sharpless. Dabei wird es der Gesamtinszenierung kaum gerecht, nur einzelne Sänger herauszuheben – das Ensemble überzeugt durch die Bank, inklusive Opernchor.


Kurzum: Ein Besuch der „Madame Butterfly“ in Würzburg lohnt. Inhaltich stimmig und tiefgehend, musikalisch emotional mitreißend und unglaublich schön anzuschauen präsentiert das Mainfranken Theater eine Puccini-Oper für alle Sinne.

 Dauer: gut drei Stunden (mit Pause); nächste Vorstellungen: jeweils 19.30 Uhr 25.10./ 05.11./ 21.11./ 25.11./ 17.12./ 26.12./ 04.01./ 08.01./ 18.01./ 14.02.; 15 Uhr: 09.11.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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