Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Kurvenreiche Odyssee einer Pilgerin

Lukas Bärfuss‘ Drama „Der Bus“ in den Kammerspielen des Würzburger Mainfranken Theaters


Von Michaela Schneider

Würzburg Der Weg zu Gott ist kurvenreich. Und so fährt der Bus nicht geradewegs zur Schwarzen Madonna nach Tschenstochau, sondern schlängelt sich den Weg hoch in die Berge. Pilgerin Erika ist in den falschen Bus gestiegen, Fahrer Hermann hält sie für eine Schwarzfahrerin. Erikas Pilgerreise drängt sie in die Rolle der Märtyrerin: Sie muss die dubiose Busgesellschaft von ihrem Glauben überzeugen, es geht für das naive Mädchen bald schon um Leben und Tod. Lukas Bärfuss‘ Drama „Der Bus“ ist vielschichtig. Bei der Premiere in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters in der Inszenierung von Ramin Anaraki zeichnet das Ensemble konturenreiche Persönlichkeiten.


Genau hier liegt die Stärke im Drama des Schweizer Autors Lukas Bärfuss: Die Gestalten um Erika sind echte Charaktere bis hinein ins Groteske. Die Zuschauer erleben laute und leise, brutale und bitterkomische, derbe und poetische Momente. Dies gelingt, weil das Ensemble in den Kammerspielen durch die Bank starke Leistungen zeigt. Da ist zunächst einmal Theresa Palfi als Erika – mal wunderbar schüchtern, glaubensbeseelt und naiv, dann schreiend vor Schmerz oder zitternd vor Angst, fragil und doch unerbittlich. Als Zuschauer weiß man nicht, ob man Mitleid empfindet oder  aber die Selbstgerechtigkeit des gläubigen Mädchens schockiert. Sie schreit der Busgesellschaft entgegen: „Euch will ich gar nicht retten!“ Denn retten wolle Erika Menschen.  Erst betrunken erkennt sie, so nüchtern wie nie zuvor: „Ich habe eine Liebesgeschichte mit Gott, aber ich will sie nicht.“  


Stark rüber kommt Alexander Hetterle als Busfahrer Hermann – man nimmt ihm den mal frustrierten, mal brutalen und doch nach absurder Anerkennung gierenden Psychopathen mit absurdem Humor voll ab.  Den schauspielerischen Höhepunkt des Kammerspielabends aber liefert Georg Zeies als Tankwart Anton. Das Haar hängt strähnig ins Gesicht, die Haut glänzt fettig. Sein Problem: Anton verliebt sich rasend schnell – selbst in Frauen, die bei ihm tanken. Nicht beschwipst oder besäuselt, nein besoffen philosophiert der Säufer in zeitlupiger Sprache über den sterbenden Planeten. Sein Fazit: „In drei Millionen Jahren ist sowieso Schluss…“  In weiteren Rollen: Sven Mattke als Erikas fieser Schatten aus der Vergangenheit; Claudia Kraus als Jasmin - cool, arrogant, abgebrüht und doch nach Würde suchend; Und Maria Brendel als namenlose Dicke, deren Bewunderung für Erika in Hass umschlägt.


Einfach und gut ist Elvira Ulmers Bühnenbild: Milchige Plastikplanen versperren symbolisch den Akteuren und dem Publikum den Blick. Die Protagonisten meinen immer wieder auf ihre Art Antworten zu sehen. Und doch bleiben die großen Fragen schemenhaft unbeantwortet.  Was ist Erlösung? Wo endet der Glaube und beginnt Fanatismus? Lassen sich menschliche Sehnsüchte mit Drogen, Sekten oder Suizid stillen? Wo grenzen sich Lüge und Wahrheit voneinander ab? Fragen, die auf der Bühne im fast schon poetischen Gassenjargon diskutiert werden. Nach zwei Stunden verlässt ein nachdenkliches Publikum die Kammerspiele.


Leichte Theaterunterhaltung sieht anders aus.  Wer sich indes auf Bärfuss` Symbolik, seine Charaktere, die unkonventionelle Sprachpoesie und existentiellen Fragen während der bizarren Odyssee einer Pilgerin einlässt, kann in den Kammerspielen  starke Schauspieler erleben und vielleicht auch manchen Denkanstoß mitnehmen.


Dauer: 120 Minuten; nächste Vorstellungen:  19.00 Uhr:  23.01.; 20 Uhr:  28.11./ 08.12./ 11.12./ 14.12./ 18.12./ 21.12./ 08.01./ 22.01./ 28.01./ 06.02./ 11.02./ 23.02.



Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this

Der Artikel ist im Main-Echo erschienen.