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Museumsleiter Markus Mergenthaler präsentiert den Nachbau eines Kultwagens aus der Bronzezeit. Als Vorlage dienten die Radkappen in der Vitrine rechts vorne, die am Bullenheimer Berg gefunden wurden. Im Hintergrund zu sehen: Ein bronzezeitlicher Priester in voller Ausstattung.                                                                                                                                                     Foto: Michaela Schneider

Zwielichtige Sondengänger und goldenes Ornat

Archäologie Sonderausstellung im Knauf-Museum beleuchtet den „Mythos Bullenheimer Berg“

mit 800 Objekten, einer Rekonstruktion des Hochplateaus und einem kritischen Blick auf Grabräuberei

 

Von Michaela Schneider

 

Iphofen Allein die jüngeren Geschichten, die sich um den Bullenheimer Berg in Unterfranken ranken, böten Stoff für manchen Krimiautor. Da entwendeten Grabräumer wertvolle Objekte, die dann in Amerika wieder auftauchten. Archäologen wurden mit Säure und Reizgas attackiert, als sie

Grabräuber stellen wollten. Und mancher Ausgräber soll gar auf unnatürliche Art ums Leben gekommen sein… Auch aus der älteren Vergangenheit – genauer gesagt der Endphase der Bronzezeit – ist hier vieles bislang unerforscht: Damals, soviel weiß man sicher, stand auf dem Hügel eine von Mauern umgebene, stadtartige Befestigungsanlage und auf dem Berg wurde Bronze verarbeitet. Das Rohmaterial gelangte, so nimmt man an, über die Handelsstraße Main zum 30 Hektar großen Hochplateau. Wohl zu kultischen Zwecken wurden etliche Bronzegegenstände als Opfergaben für die Götter im Boden versenkt  inklusive so wertvollen Objekten wie den goldenen Besatzstücken eines Priestergewandes oder die bronzenen Radkappen eines Kultwagens. Dies sollte den Berg Jahrhunderte später so attraktiv machen für Grabräuber und zwielichtige Sondengänger. Eine Sonderausstellung im Knauf-Museum in Iphofen befasst sich jetzt mit dem „Mythos Bullenheimer Berg“. Sie sorgt inzwischen über die Region hinaus für Aufmerksamkeit: Selbst das Magazin „National Geographic“ hat  das Thema aufgegriffen.

 

Zu sehen sind erstmals an einem Ort sämtliche bekannten Hortfunde aus der Archäologischen Staatssammlung München, dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und dem Mainfränkischen Museum Würzburg. Insgesamt sind dies um die 800 Objekte – von Schaukelringen und Armreifen über Gefäße und die Reste eines Pferdegeschirrs bis hin zu Sicheln und Gusskuchen. Die meisten wurden illegal ausgegraben und gelangten bis in die 90er Jahre erst über den Kunsthandel in die Museen. Allerdings geht Markus Mergenthaler, Leiter des Knauf-Museums, davon aus, dass sich bis heute höchstens zehn Prozenten der gesamten Funde vom Bullenheimer Berg in offizieller Hand befinden – der Rest indes verschwand seit den ersten Funden in den 70er Jahren über dunkle Kanäle. Damals hatte Björn Uwe Babels vom Landesamt für Bodendenkmalpflege entdeckt, dass das Hochplateau vollständig von einer Wallanlage umgeben ist. Mancher Archäologe spricht heute mit Blick auf seine Bedeutung gar vom „Troja des Nordens“.

 

Das Iphofer Museumsteam zeichnet – neben der Präsentation der eigentlichen Objekte - ein anschauliches Bild des derzeitigen Wissensstandes. Spezialisten aus ganz Deutschland hätten sich beteiligt, um zusammen mit dem Knauf-Museum den Forschungsstand x darzustellen, erzählt Mergenthaler. Mit seinem Team hat er ein beeindruckendes, begehbares Modell des Bullenheimer Bergs und einen Kultwagen nachgebaut, zeigt in lebensgroßer Szenerie einen bronzezeitlichen Priester in kompletter Ausstattung inklusive Goldhut, verschafft mittels virtueller Mittel Einblicke in die Welt der späten Bronzezeit und präsentiert  weitere archäologische Funde aus der Umgebung des Berges aus verschiedenen Epochen wie etwa den Schädel von Ippsi – einer Frau, die vor rund 6900 Jahren bei Ippesheim kopfüber in eine Grube versenkt wurde.

 

In einem eigenen Raum setzt sich das Museum kritisch mit dem Thema Grabräuberei auseinander - Museumsleiter Mergenthaler verfolgt hier seine ganz persönliche Mission: Im Frühjahr 2010 sei er bei einem Spaziergang am Bullenheimer Berg einem Sondengänger begegnet. Dieser behauptete, er sei im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege unterwegs – eine glatte Lüge, wie Mergenthaler später herausfand. Bis dato hatte das Knauf-Museum in seinen regelmäßigen Sonderausstellungen keine regionalen Themen aufgegriffen – nun aber war es Mergenthalers Ansicht nach an der Zeit für eine Ausnahme: „Ich wollte die Bevölkerung wachrütteln und sensibilisieren für das zwielichtige Treiben, das sich hier über Jahrzehnte abgespielt  hatte.“ Denn: Auch wenn Funde von Grabräubern später wieder auftauchen und  - für viel Geld - zurückgekauft werden können, bleibt doch archäologischer Wert unwiederbringlich verloren, wenn der genaue Fundort eines Objekts nicht mehr feststellbar und Zusammenhänge nicht mehr rekonstruierbar sind. „Das ist bei Funden vom Bullenheimer Berg das gleiche Problem wie zum Beispiel bei der Himmelsscheibe von Nebra“, so Mergenthaler. Grabräuber hatten sie entdeckt und auf dem Schwarzmarkt verkauft.

 

Es sind die umfassenden Rahmeninformationen, die die Sonderausstellung im Knauf-Museum besonders wertvoll machen – und trotzdem gelingt es Mergenthaler, dass der Fokus am Ende auf den eigentlichen Objekten ruhen bleibt: In einem eigenen Raum werden Schmuck und Sicheln in modernen, hervorragend ausgeleuchteten Vitrinen ansprechend präsentiert. Neben manchem Objekt das dazugehörige, beschädigte Keramikgefäß: Die Opfergaben wurden, so nimmt man an, in Gefäßen vergraben, die ganz bewusst zerstört wurden – vielleicht auch, um sie für Grabräuber zu entwerten.

 

Infokasten: Über die Ausstellung „Mythos Bullenheimer Berg“

 

Die Ausstellung „Mythos Bullenheimer Berg“ im Knauf-Museum in Iphofen ist bis zum 4. November 2012 Dienstag bis Samstag von 10 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung ist im Verlag J.H. Röll der 206seitige Begleitband „Mythos Bullenheimer Berg“ erschienen, ISBN 978-3-89754-415-4 Details auch im Internet: www.knauf-museum.de

 

 

Der Artikel wurde unter anderem  im  Fränkischen Tag veröffentlicht.