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Konventionen, Macht und Lügennetze
Würzburger Mainfranken Theater bringt mit Thomas Manns
 „Buddenbrooks“ ein  Stück Weltliteratur auf die Bühne – Ein Theaterabend, der sich lohnt


Von Michaela Schneider

Würzburg Die Vorlage ist groß. Thomas Manns frühester Roman, die Buddenbrooks, ist derzeit im Mainfranken Theater Würzburg zu sehen. Jenes Stück Weltliteratur, das auf weit mehr als  700 Seiten vom Niedergang einer großbürgerlichen Kaufmannsfamilie über vier Generation erzählt. Die Vorlage ist wuchtig, John Düffels Bühnenadaption aus dem Jahr 2005 entsprechend verdichtet. In der Würzburger Inszenierung von Malte Kreutzfeldt gelingen gleich zwei Kunststücke: Zum einen zeichnet das Ensemble herausragende Charakterstudien. Zum anderen lassen regelmäßig wunderbar poetische Bilder das Publikum im komplexen Handlungsgeflecht aufatmen. So regnet es etwa rote Blütenblätter oder Hanno schwebt mit weißen Luftballons wie durch eine andere Welt. Ein Theaterabend, der sich lohnt.


Großartig ist die Idee, Hanno die Familienereignisse im wahrsten Sinne des Wortes stumm beobachten zu lassen. Denn: Der jüngste Familienspross, die vierte Generation Buddenbrook, wird in Würzburg durch eine kindgroße Handpuppe verkörpert. Hannos Blick ist fragend, die Augen sind geweitet und der Mund ist wie für einen stummen Hilferuf geöffnet. Hanno spricht während der knapp dreistündigen Inszenierung kein Wort – und doch fühlt man mit dem kleinen Stoffknäuel am intensivsten mit. Klein, verletzlich und völlig fehl am Platz in einer zerfallenden Welt aus Konventionen, Macht und Lügennetzen.


Das Bühnenbild hält Birgit Angele zunächst schlicht. Auf der Rückwand ein Raum um die Jahrhundertwende in Sepiatönen, der schon bessere Zeiten gesehen hat. Auf der Bühne selbst genügen ein paar Stühle, die im Laufe des Abends umstürzen, umgruppiert werden, zusammenbrechen. Zwischendurch dann immer wieder poetische Bilder, die keine Worte brauchen, untermalt durch magische Lifteffekte und leise Musik. Tony sitzt wie eine Skulptur im unwirklichen Licht am offenen Sarg des Vaters und erweist dem Verstorbenen still und würdevoll die letzte Ehre. Aus Lichtstrahlen heraus regnet es Blütenblätter. Längst sind der komplette Bühnenboden, Tonys Haare und der Leichnam des Vaters in den roten Naturteppich gehüllt.


John Düffels Bühnenadaption konzentriert sich auf die drei Geschwister Tony, Thomas und Christian. Die Handlung ist stark gestrafft und präzisiert, das Figurenpersonal verschlankt. Thomas übernimmt das altehrwürdige Unternehmen des Vaters. Großartig verkörpert Sven Mattke  den Machtmenschen und Kaufmann, der Disziplin und Pflichtbewusstsein aufs strengste lebt und auch von der Familie einfordert. Er inszeniert sich selbst wie einen Bühnenstar und begegnet sogar dem eigenen Sohn mit drastischer Gefühlskälte.


Auch seine Schwester Tony will den gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werden. „Ich werde sicher keinen Dichter heiraten. (…) Reich muss er sein. (…) Das bin ich der Familie schuldig“, sagt sie. Doch scheinbar lukrative Ehen verwandeln sich in Desaster. Claudia Kraus zeichnet in Würzburg eine sehr sensible, charmante Charakterstudie. Vom fröhlichen, unbedarften Backfisch verwandelt sich das Mädchen im Laufe des Abends in eine desillusionierte, zweifach geschiedene Frau. Gescheitert am verzweifeltem Versuch, zum familiären Erfolg beizutragen. Gescheitert am persönlichen Glück.


Am bildlichsten verkörpert schließlich Tonys Bruder Christian den gesellschaftlichen Niedergang. Er pfeift auf gesellschaftliche Konventionen und Familienehre. Er verstrickt sich als Lebemann in Ideen, bringt nichts zu Ende. Er scheitert und stürzt - wie später auch Tony und ihr erster Ehemann Grünlich - (Kai Christian Moritz) im wahrsten Sinne des Wortes vom Bühnenrand ins Nichts. Zudem neigt Christian zur Hypochondrie.  Alexander Hetterle scheint die Rolle auf den Leib geschneidert: Er tanzt im Drogenrausch; er versinkt in Selbstmitleid; ihn schütteln ein ums andere Mal Anfälle; die Schultern gebeugt, schleppt er sich komplett fertig und zerstört über die Bühne. Während der Testamentsverlesung legt er sich mehr tot als lebendig neben den verstorbenen Vater (Timo Ben Schöfer) in den geöffneten Sarg.

Wer Thomas Manns Erstlingswerk nicht kennt, sollte vorab die Stückeinführung im oberen Theaterfoyer besuchen (bei Abendveranstaltungen um 19 Uhr). Sonst könnte es schwer fallen, alle Handlungsandeutungen zu verstehen und den montierten Szenen im Zeitraffer zu folgen. Wer indes den Roman in seinen Grundzügen kennt, dürfte von der Würzburger Bühnenversion begeistert sein. Das Ensemble des Mainfranken Theaters zollt in einer überaus gelungenen Premiere einem Stück Weltliteratur den gebührenden Respekt, erstarrt jedoch keinen Moment in Ehrfurcht.

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Der Artikel  wurde unter anderem im Main-Echo veröffentlicht.