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Marion Friedlein (links) und Angelika Pabel zeigen Werke, an denen der Zahn der Zeit nagt.


Fotos: Michaela Schneider

Von Bücherzerfall und Bücherrettung

 Universitätsbibliothek kämpft gegen die Spuren der Zeit – Allerdings fehlt für
 umfassende Restaurierungen das Geld - Die meisten Werke können nur notgesichert werden


Von Michaela Schneider

Würzburg An den alten Vorlesungsnachschriften nagt der Zahn der Zeit - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die Seiten der mehr als 500 Jahre alten Leipziger Sammlung mit Aristoteles-Kommentaren sind nicht nur abgegriffen und der Einband hat sich zersetzt. Auch hat sich ein Holzwurm am Einband zu schaffen gemacht. Angelika Pabel, Bibliothekarin in der Abteilung Handschriften und Alte Drucke an der Würzburger Universitätsbibliothek, hofft, dass das Werk bald restauriert werden kann. Finanzieren werden soll das Vorhaben über den alljährlichen Weihnachtskarten-Verkauf der Bibliothek. Denn: Gelder für Buchrestaurierungen werden weder vom Freistaat Bayern zur Verfügung gestellt, noch sind regelmäßige Mittel im Haushalt der Universität eingeplant. Restauriert werden kann in der Regel nur ab und an dank Sonderaktionen, Spenden oder auch Buchpatenschaften.


Dabei lagern in den Magazinen der Abteilung unzählige Kostbarkeiten, die mit dem Alter kämpfen: Wasser-, Licht- und Klimaschäden, Insekten- und Tintenfraß, Papierzerfall und eine intensive Nutzung setzten ihnen zum Teil Jahrhunderte lang zu. In einer Sonderführung am 13. Dezember wird Pabel zusammen mit ihrer Kollegin Marion Friedlein unter dem Motto „Leider kann derselbe nicht benutzt werden“ von Bücherzerfall und Bücherrettung erzählen.


Für Dr. Karl Südekum, Leiter der Universitätsbibliothek, ist das Thema Geld ein Politikum. Denn: Auf der einen Seite sei sein Haus für den Erhalt von jahrhundertealtem Kulturgut zuständig. In den Magazinen liegen nicht nur rund 2300 Handschriften und 3000 Inkunabeln, sondern auch zahlreiche Drucke aus den Jahren vor 1850, zudem Papyri, Autografen, Nachlässe, Originalgrafiken, historische Karten und Pläne. Darunter so prominente Beispiele wie das Runde Buch des Julius Echter, die Fries-Chronik, Dürer-Drucke oder Balthasar Neumanns Baupläne der Würzburger Residenz. Auf der anderen Seite werde kein regelmäßiges Geld für Erhalt, Pflege und Restaurierung der Kostbarkeiten zur Verfügung gestellt. „Gerechtfertigt wird dies auch damit, dass stattdessen digitalisiert wird“, so Südekum. Aber: Digitalisieren sei nicht gleichzusetzen mit einer sachgemäßen Restaurierung. „Das Kulturgut zerfällt weiter“, so der Bibliotheksleiter.


Warum aber sind viele der alten Werke in so schlechtem Zustand? Eine entscheidende Rolle spielte dabei vor allem auch der Zweite Weltkrieg. Vor der Bombardierung Würzburgs wurden die Bibliotheksbestände soweit wie möglich in alten Scheunen, Höhlen oder feuchten Kellern in Sicherheit gebracht. Inzwischen lagern die alten Werke zwar längst wieder fachgerecht in klimatisch optimalen Bedingungen: lichtgeschützt bei 18 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von etwa 50 Prozent. Aber inklusive der Schäden aus Jahrhunderten. 2013 hatte die Abteilung Handschriften und Alte Drucke einmalig  40000  Euro von Freistaat zur Verfügung gestellt bekommen. Diese sollen zunächst für die Restaurierung wertvoller Originalgraphiken verwendet werden.


Ein Blick auf Schäden an ausgewählten Werken. Marion Friedlein legt zum Beispiel eine Lutherbibel aus dem 17. Jahrhundert vor. Der Einband ist stark beschädigt, die Bindung locker, das Titelblatt fehlt. Vor allem die ersten Seiten sind unten stark abgegriffen. Handschriftliche Kommentare deuten darauf hin, dass es sich um eine Familienbibel handelte – und die dürfte einst nahezu täglich in Gebrauch gewesen sein. Jetzt lagert sie notgesichert in einer Schutzkassette aus säurefreiem Karton. An eine Restaurierung ist nicht zu denken, die Kosten würden sich im vierstelligen Bereich bewegen. Möglich wäre sie: Das Papier ließe sich durch hauchdünnes Japanpapier festigen, auch der Einband wäre reparabel.


Zum Grafikbestand der Abteilung Handschriften und Alte Drucke gehören zum Beispiel auch Motivblätter des Schweizer Malers Johann Rudolph Byss, im frühen 18. Jahrhundert unter Balthasar Neumann Innenausstatter der Würzburger Residenz. Auf insgesamt 81 Bögen kleben unzählige handgezeichnete, thematisch sortierte Miniaturmotive. Inzwischen ist das Papier jedoch derart brüchig, dass kaum ein Wissenschaftler die für die Residenzgeschichte bedeutsamen Originalbögen mehr zu Gesicht bekommt. Zudem arbeitet der einstmals verwendete Leim, irreparable Schäden an den Ölbildern drohen.


Und schließlich noch ein Blick auf den vielleicht größten Feind der Bibliothekare. „Der absolute Horror ist Schimmel, er bedeutet für Bücher den Tod“, sagt Angelika Pabel. Exemplarisch zeigt sie ein Urkundenbuch des Prämonstratenserinnenklosters Schäftersheim aus dem Jahr 1446. Zwar ruht der Schimmel inzwischen, weil das Werk in optimalen klimatischen Verhältnissen lagert. Das Problem aber ist: Auch wenn ein Buch mit speziellen Bürsten und Radiergummis gereinigt wurde, bleiben Sporen zurück, die sich im geeigneten Klima sofort wieder ausbreiten. Schimmel überlebt Jahrhunderte.


Wasser-, Klima- und Lichtschäden, Tintenfraß und Papierzerfall sind weitere Faktoren, unter denen die Kulturschätze in den Magazinen der Universitätsbibliothek leiden. Einzelne Restaurierungen sind da nur ein winziger Tropfen auf dem heißen Stein, sagt Bibliotheksleiter Südekum.  Winzige, aber kulturhistorisch wichtige Tropfen, die - jeder für sich - viel Geld kosten.

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Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: Sonderführung und Weihnachtskartenaktion


Sonderführung: Unter dem Motto „Leider kann derselbe nicht benutzt werden“ geht es in einer Sonderführung am 13. Dezember in der Würzburger Universitätsbibliothek um Bücherzerfall und Bücherrettung. Treffpunkt ist um 16.30 Uhr bei der Informationstheke in der Eingangshalle. Gezeigt werden Buchruinen, die durch ganz unterschiedliche Faktoren in den Jahrhunderten Schaden genommen haben. Zudem wird es um Möglichkeiten und Beispiele der Buchrestaurierung gehen.


Weihnachtskartenverkauf: Wer auf der Suche nach Weihnachtskarten für Freunde und Verwandte ist, wird in der Würzburger Universitätsbibliothek fündig. Sie bietet eine Auswahl an Weihnachtskarten mit Motiven aus ihrem Handschriftenbestand an. Der Erlös soll die Restaurierung von Handschriften finanzieren. Erhältlich sind die Karten ab sofort in der Leihstelle und der Kopierstelle in der Zentralbibliothek am Hubland, im Geschäftszimmer der Teilbibliothek Recht in der Domerschulstraße 16 und im Online-Shop der Bibliothek: http://www.bibliothek.uni-wuerzburg.de/service0/online_shop/