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Musikalische Märchenstunde für Erwachsene
Auszüge aus „Gustaf Adolf och Ebba Brahe“ von Georg Joseph Vogler in den
Kammerspielen - In der Reihe „Oper am Klavier“ präsentiert das Mainfranken Theater Spezialitäten und Raritäten


Von Michaela Schneider

Würzburg Er zählte zu den umstrittenen Komponisten seiner Zeit: Während die einen Georg Joseph Vogler rühmten, beschrieb kein geringerer als ein Wolfgang Amadeus Mozart den Sohn eines Würzburger Geigenbauers als einen „Mensch, der sich viel einbildet, aber nichts kann.“ Wie dem auch sei: Die schlechteste Presse ist keine Presse: Während Vogler – musikalisch anzusiedeln irgendwo zwischen Christoph Willibald Gluck und Mozart - heute nur noch Insidern bekannt sein dürfte, wurde zu seinen Lebzeiten über ihn geredet. Umso schöner, dass sich nun das Mainfranken Theater Würzburg zu seinem 200. Todestag an den musikalischen Sohn der Stadt mit einer außergewöhnlichen Veranstaltung erinnerte. In der Reihe „Oper am Klavier“ stellte das Ensemble auf der kleinen Kammerspiel-Bühne  Auszüge aus der Vogler-Oper „Gustaf Adolf och Ebba Brahe“ in konzertanter Aufführung vor.  


Das Besondere: Christoph Blitt, Leitender Musikdramaturg am Mainfranken Theater, geht davon aus, dass das Werk zuvor in Deutschland noch nie erklungen sein dürfte. Vogler komponierte  die Oper am Schwedischen Königshof für Gustav III., am 24. Januar 1788 wurde sie in Stockholm uraufgeführt. Während das Werk seither in Schweden gelegentlich zu hören war, tun sich deutsche Opernhäuser auch aus ganz praktischem Grund damit schwer: Schwedisch zu singen wäre kein leichtes Unterfangen, eine deutsche Übersetzung gab es bis dato nicht. Diese ließ das Mainfrankentheater nun in Auszügen eigens anfertigen für die Reihe „Oper am Klavier“.


Hier werden dem Publikum pro Spielzeit vier Spezialtäten und Raritäten der Musikliteratur in Ausschnitten vorgestellt zu Klavierbegleitung und in konzertanter Form. Sehr ansprechend: die Werkpräsentation.  20 Minuten lang führt Christoph Blitt zunächst ins Werk ein – stellt Georg Joseph Vogler vor und die Oper selbst, die von der unglücklichen Liebe des schwedischen Königs Gustav Adolf zu seiner Hofdame Ebba Brahe handelt. Auch wenn im Anschluss nur Auszüge aus dem Opernwerk zu hören sind, kann der Zuschauer eintauchen in die Ereignisse am Königshof. Blitt sitzt als Erzähler mit einem großen Textbuch in einem Sessel – gestaltet den Abend als musikalische Märchenstunde für Erwachsene. Und trotz konzertanter Aufführungspraxis agieren die Sänger, bewegen sich dabei im schlicht gehaltenen Bühnenbild mit zwei königlichen Sesseln auf der einen, einer Art Fischerhütte auf der anderen Seite.


Dezent und ansprechend begleitet werden die Sänger am Flügel von Frank Sodemann, Solorepetitor, Kapellmeister und Assistent des Generalmusikdirektors. Die Opern am Klavier sind mutig, denn die zurückhaltende Begleitung im kleinen Raum rückt die Stimmen in den Vordergrund. Kleine Schwächen sind sofort hörbar, ebenso jedoch auch die Stärken.  Spaß macht es vor allem, dem überaus motivierten Bariton Daniel Fiolka als Fährmann Johann zu lauschen, aber auch zuzuschauen.  Bekanntermaßen liebt Fiolka den Liedgesang, das zeigt sich hier ganz offensichtlich. Der gebürtige Hagener fühlt sich nah am Zuschauer wohl, grinst verschmitzt, agiert mit dem Publikum. Und auch Anja Gutgesell als Ebba Brahe singt sehr klar, deutlich und emotional. Schade ist, dass man selbst im kleinen Kammerspielrahmen Yong Bae Shin als König Gustaf Adolf von Schweden kaum versteht. In weiteren Rollen: Karen Leiber als Königin Christina, Barbara Schöller als die Vertraute Ebba Brahes und Deuk-Young Lee als königlicher General Jacob Delagardie.


Festzuhalten ist: Die Opern am Klavier des Mainfranken Theaters sind eine wunderbare Möglichkeit, Klassikliebhabern echte Besonderheiten, abseits des gängigen Repertoires in intensiver, naher Atmosphäre zu präsentieren. Auch in der kommenden Spielzeit wird die Reihe fortgesetzt.  Die Termine stehen bereits fest, die Stücktitel werden mit Beginn der Spielzeit 2014/2015 im Herbst bekanntgegeben.

Der Artikel  wurde unter anderem im Main-Echo veröffentlicht.

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Infokasten: Über Georg Joseph Vogler


Georg Joseph Vogler wurde am 15. Juni 1749 als Sohn eines Geigenbauers und letztes von neun Kindern geboren. Er studierte Jura und Theologie in Bamberg und trat mit 22 Jahren die Stelle des Kaplans am Hof des Kurfürsten zu Mannheim an. 1775 wurde er zum Priester geweiht, danach kehrte er als Kapellmeister nach Mannheim zurück. Weitere Stationen führten ihn in den folgenden Jahren nach München und schließlich 1786 an den königlichen Hof nach Schweden. Als Hofkomponist schrieb er hier unter anderem die Oper „Gustaf Adolf och Ebba Brahe“. Nach einigen unsteten Jahren, trat Vogler zuletzt die Stelle des Hofkapellmeisters in Darmstadt an, hier starb er am 15. Juni 1814 an den Folgen eines Schlaganfalls. Laut Musikdramaturg Christoph Blitt gehörte Vogler – losgelöst von seinem kompositorischen Wirken - zu den klügsten Köpfen seiner Zeit. Er verfasste unzählige Abhandlungen als Musiktheoretiker, war ein begnadeter Orgelvirtuose, revolutionierte den Orgelbau, war als Globetrotter und Musikethnologe in ganz Europa unterwegs und gründete als Musikpädagoge mehrere Musikschulen.