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Lebensrettende Konserven
Mit dem Weltblutspendertag am 14. Juni
wird auf die Bedeutung des Blutspendens aufmerksam gemacht


Von Michaela Schneider

Wiesentheid / München Es ist nur ein kleiner Piks, doch der kann Leben retten: Wer beispielsweise  in einen Verkehrsunfall verwickelt oder von einer schweren Erkrankung heimgesucht wird, kann urplötzlich Bluttransfusionen benötigen. Am Weltblutspendertag, dem 14. Juni, wird einmal mehr darauf aufmerksam gemacht, wie wichtig Blutspenden sind: Allein in Bayern werden pro Tag 2000 Blutkonserven für die Patienten in den Kliniken benötigt. Der Weltblutspendertag fällt auf den Geburtstag von Karl Landsteiner, dieser entdeckte im Jahr 1901 das AB0-System der Blutgruppen. Georg Götz, Geschäftsführer des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes, erklärt die Bedeutung des Blutspendens wie auch den Weg des Blutes nach einer Blutspende, denn Götz ist zudem  Standortleiter des Produktions- und Logistikzentrums des Blutspendedienstes im unterfränkischen Wiesentheid.


Wie steht es aktuell um die Spendenbereitschaft der Bevölkerung?

Georg Götz: Die Spendenbereitschaft in Bayern ist generell hoch. Im Freistaat spenden durchschnittlich immerhin sieben Prozent der Menschen, imbundesweiten Durchschnitt sind es 3,5 Prozent. Allerdings gibt es auch in Bayern saisonale oder auch wetterbedingte Rückgänge wie aktuell während der Pfingstferien. Wobei sich die Rückgänge in diesem Jahr mit fünf bis zehn Prozent im Rahmen gehalten haben. Momentan erschwert allerdings die aktuelle Unwetterlage in Bayern uns wie auch den spendewilligen Menschen die Bedingungen, Blut spenden zu gehen. Ein weiterer Knackpunkt ist die demografische Entwicklung: Mit einer älter werdenden Bevölkerung wird es immer schwieriger, dauerhaft genug Blutspenden in der Bevölkerung zu sammeln. Denn Blutspenden darf man nur bis zum 73. Lebensjahr. Wir haben daher auch vermehrt die junge Bevölkerung im Fokus.


Wie sieht denn ein typischer Blutspender aus?

Götz: Den typischen Blutspender gibt es nicht mehr, gespendet wird quer durch alle Schichten, unabhängig von Status und Bildung. Auffällig aber ist: Traditionell ist die Spendenbereitschaft auf dem Land höher als in den Städten. Im unterfränkischen Landkreis Hassberge etwa lag die Spendenbereitschaft der Bevölkerung bei mehr als 14 Prozent, im Raum Main-Spessart bei knapp 13 Prozent. Das ist großartig. Anders sieht es in den Städten aus: In Aschaffenburg gingen knapp acht Prozent der spendenfähigen Bevölkerung zum Blutspenden, in Würzburg noch knapp fünf Prozent – und in München keine 0,4 Prozent. Im Schnitt ist ein Blutspender gut 40 Jahre, wobei wir auch noch jüngere Menschen recht gut erreichen. Wir müssen dafür lediglich neue Wege beschreiten und zum Beispiel über Social Media kommunizieren oder Aktionen in Firmen oder Universitäten anstoßen.


Wie läuft eine Blutspende als Erstspender ab?

Götz: Gespendet werden darf zwischen 18 und 73 Jahren. Im Vordergrund steht die Sicherheit des Spenders wie auch des Empfängers. Deshalb unterstützen ehrenamtliche Kräfte zwar bei der Brotzeit, aber nicht bei der Arzneimittelherstellung inklusive Blutentnahme, darum kümmert sich hochqualifiziertes Personal. Der Erstspender lässt sich registrieren, dafür sollte er seinen Personalausweis mitbringen. Dann folgt die Anamnese per Fragebogen und anschließender ärztlicher Untersuchung. Das ist bei Erstspendern etwas aufwändiger als bei späteren Spendenterminen. Die Blutspende selbst dauert zehn bis zwölf Minuten, dafür braucht es einen kleinen Piks, der nicht weh tut. Im Anschluss gibt es eine Brotzeit, ein kleines Präsent – und vor allem nimmt jeder ein gutes Gefühl mit nach Hause. Denn mit der Blutspende werden die Leben anderer Menschen gerettet.

      

Und was passiert dann mit den Blutkonserven?

Götz: Das Blut wird in unser Produktions- und Logistikzentrum nach Wiesentheid transportiert, in seine einzelnen Zellbestandteile zerlegt und diese werden entsprechend aufbereitet. In zwei Zentrallabors wird das Blut auf verschiedene Merkmale hin getestet, das dauert etwa zwei Tage. Wird grünes Licht gegeben, werden die Blutprodukte in unsere Institute für Transfusionsmedizin in ganz Bayern ausgeliefert – und von dort dann in die Krankenhäuser, zu Ärzten, etc. transportiert.


Sie sagen, das Blut wird in seine Zellbestandteile zerlegt. In welche?

Götz: Aus einer Vollblutspende gewinnen wir ein etwa sechs Wochen lang haltbares Erythrozytenkonzentrat, außerdem ein nur vier Tage lang haltbares Thrombozytenkonzentrat sowie das Blutplasma. Dieses kann tiefgefroren werden und hält sich bis zu zwei Jahre. Wir haben dafür ein komplett robotergesteuertes Lager in Wiesentheid mit konstant minus 42 Grad Celsius.


Wo werden Blutspenden vor allem benötigt?

Götz: Früher brauchte es Blutspenden vor allem in der Chirurgie, das hat sich verändert mit neuen, häufig minimalinvasiven Eingriffen. Zunehmend braucht es sie mittlerweile in der Krebstherapie und bei Erkrankung der inneren Organe. Und dann natürlich in etlichen anderen Bereichen, zum Beispiel bei der Behandlung von schweren Verbrennungen, wofür die Patienten Blutplasma benötigen. In der Notfallmedizin ist übrigens die Blutgruppe Null besonders wichtig. Sie kann Patienten aller andern Blutgruppen helfen. Dadurch kann, wenn es schnell gehen muss, wertvolle Zeit gespart werden.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Das Blutspendejahr 2015 in Zahlen


Im Jahr 2015 haben in Bayern mehr als 238000 Menschen bei fast 4400 Terminen Blut gespendet – und zwar gesamt mehr als 454 000 Blutspenden. Das macht knapp 6,8 Prozent der spendefähigen bayerischen Bevölkerung aus. Unter den Spendern waren gut 43000 Erstspender. 45 Prozent der Blutspender waren weiblich, 55 Prozent männlich. Das rührt auch daher, dass Frauen viermal und Männer sechsmal pro Jahr Blut spenden dürfen und Frauen während Schwangerschaft und Babypause ausfallen.