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„Wir erteilten den Vätern drei Monate Hausverbot“
Landtechnische Unternehmertage in Würzburg unter dem Motto
„Generation 2030“ gehen der Frage nach, wie eine Betriebsübergabe gelingen kann


Von Michaela Schneider
Würzburg
Bis zum Jahr 2018 stehen nach aktuellen Schätzungen 135000 Betriebsübergaben in deutschen Familienunternehmen an. In einem Drittel dieser Betriebe ist bis dato nicht geklärt, in welcher Form oder ob überhaupt eine Übergabe stattfinden wird. „Man kann nicht früh genug anfangen, die Nachfolge zu regeln“, sagt Rechtsanwalt Dr. Stefan Zipse bei den Landtechnischen Unternehmertagen in Würzburg. Der bundesweite Branchentreff der Landtechnik stand unter dem Veranstaltungsmotto „Generation 2030“, ein Themenkomplex drehte sich ums Thema Betriebsübergabe. Der Fokus lag auf gelungenen Beispielen aus der Praxis.


Warum aber ist`s eigentlich so unbequem, sich mit der Übergabe betriebsintern zu befassen? „Vielleicht, weil der Eindruck entsteht: Wenn ich die Nachfolge regle, bin ich fast schon gestorben“, formuliert es Zipse salopp.  Greift allerdings im Todesfall die gesetzliche Erbfolge, werden Anteile vererbt. „Das ist immer schlecht fürs Unternehmen – rechtlich wie steuerlich“, betont der Jurist. Hinzu kommt: Die Erbengemeinschaft muss immer einstimmig entscheiden, dadurch könne es im Unternehmen schnell zum Stillstand kommen.


Ein positives Praxisbeispiel für eine geregelte Nachfolge: Die „Schlieper für Landmaschinen GmbH“ in Sonnenwalde. Sie ist seit Jahresbeginn 2014 in Frauenhand.  Die Cousinen Julia und Ricarda Schlieper hatten die Geschäftsführung von den Vätern Heinz-Gerd und Günter übernommen, die beiden hatten zuvor 39 Jahre lang das selbst gegründete Familienunternehmen geführt. Es dauerte ein gutes Jah, bis alle steuerlichen und rechtlichen Fragen geklärt waren. Mit der finalen Unterschrift zur Betriebsübergabe wollten die Cousinen einen deutlichen Einschnitt – sowohl hausintern als auch im Kundenkontakt. „Wir schickten unsere Väter in den kalten Entzug und erteilten ihnen drei Monate Hausverbot“, erzählt Ricarda Schlieper – übrigens auch auf Empfehlung der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer hin.  Von Beginn an war damit klar, wer künftig im Unternehmen das Sagen hat. „Man bleibt immer die Tochter, egal, ob man Rechtlich eigentlich das Sagen hat“, sagt die 39-jährige Betriebswirtin. Intern forderten die neuen Geschäftsführerinnen eigenverantwortlicheres Arbeiten vom knapp 100-köpfigen Team ein. „Die Kunden bestätigen, dass ein frischer Wind durch den Laden geht, das freut uns“, sagt Schlieper. Inzwischen werden die Väter zwar mit Spezialaufgaben betraut wie dem Bau einer neuen Filiale. Zu Mitarbeitern und Kunden aber haben sie geschäftlich keinen Kontakt.


Weniger strikt indes  verläuft die Betriebsübergabe bei der Firma Reise Landtechnik in Lippstadt. Nach seinem Studium stieg Fabian Reise ins 30 Mann starke Familienunternehmen mit ein, seit 2011 bestreitet er zusammen mit  Vater Antonius Reiser die Geschäftsführung. Die beiden erarbeiteten einen langfristigen Nachfolgeplan auf zehn Jahre. „Das Verwunderliche ist: Mein Vater sagt auch heute noch, dass er in zehn Jahren gehen wird“, sagt der 32-jährige Mechaniker und Betriebswirt – und nimmt`s mit Humor. „Mein Vater ist jetzt 58 Jahre und wohnt auf dem Betriebsgelände. Da werde ich ihn nicht wegbringen, aber das ist auch ok.“ 2010 stieg  auch sein Zwillingsbruder Sebastian ins Unternehmen ein und kümmert sich nun um die Auftragsabwicklung. Die Mutter ist für die Buchhaltung zuständig. „Wir arbeiten mit vier Familienmitgliedern. Das klappt nur, weil die Aufgaben klar verteilt sind“, sagt Fabian Reiser. Oder mit den unverblümten Worten seines Zwillingsbruders formuliert: „Fabian ist die Rampensau, die jedes Unternehmen braucht - ich räume ihm hinterher.“


Eine erzwungene Betriebsübergabe indes musste Stefan Teepker, Landwirt, Geschäftsführer der Maschinengemeinschaft Handrup GmbH & Co. KG und Vorsitzender der Jungen Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), stemmen. Sein Vater starb 1995 an Krebs, damals war der Sohn 14 Jahr jung. Er entschied sich deshalb gegen das Abitur, machte eine praktische landwirtschaftliche Ausbildung und stieg anschließend in den Betrieb ein. Er baute den Ein-Mann-Betrieb aus zu einem großen Familienbetrieb mit Angestellten, 240 Hektar Ackerland, 3500 Mastplätzen, 750 Sauen, 435000 Geflügelmastplätzen, Solarenergie und Biogas. Sein Erfolgsgeheimnis: Von Beginn an erzielte er Wachstum durch Kooperation – etwa im Rahmen der Maschinengemeinschaft Handrup. Sein ehrliches Credo: „Wir sind Rohstofflieferant und müssen Menge günstig produzieren.“ Zwar arbeitet Stefan Teepkers Bruder heute im Unternehmen mit, doch kamen weitere Mitarbeiter hinzu. Wer auf Wachstum baut, müsse sich laut Teepker als Betriebsleiter die Frage stellen, ob er in der Lage ist, familienfremde Mitarbeiter zu führen. Eine Frage, die sich gerade auch im Zuge einer zukunftstauglichen Betriebsübernahme stellt.

Ricarda und Julia Schlieper übernahmen Anfang 2014 die Geschäftsführung von ihren Vätern.

     

Foto: Michaela Schneider

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.