Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Archiv. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Nürnberger Nachrichten

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Behinderte Menschen

Porter & Pin

Publik Forum

Oper & Tanz

Die deutsche Bühne

Main-Echo

Opernnetz

Griaß di’ Allgäu

Schönes Schwaben

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Wenn alle Uhren anhalten
Der Bestatter und Trauerredner Norbert Papke verarbeitet in einem
Bildband seine Gedanken zu Trauer und Tod, aber vor allem auch zum Leben


Von Michaela Schneider
Würzburg
Trauer und Tod spielen in Norbert Papkes Leben eine Dauerrolle, denn: Der 56-Jährige arbeitet seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Würzburg als Bestatter. Und wer die Vergänglichkeit ständig vor Augen geführt bekommt, denkt wohl zwangsläufig auch übers Leben und seine vielen Facetten nach. Norbert Papke, zudem ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf, hat seine Gedanken nun in Worte gefasst und in dem Bildband „Silhouetten“ veröffentlicht.  


Kleine Jungen träumen davon, Lokomotivführer oder Feuerwehrmann zu werden. Bestatter steht wohl bei den wenigsten Menschen auf der Liste der Traumberufe. Wie kamen Sie dazu?

Norbert Papke: Die meisten Bestattungsunternehmen sind Familienbetriebe und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Bei mir war das nicht der Fall, ich habe tatsächlich vor 26 Jahren mein eigenes Unternehmen gegründet. Angefangen hat alles damit, dass mich Bekannte fragten, ob ich bei der Beerdigung ihres Sohnes einige Worte sprechen könne. Meine Rede kam gut an - und von da an, habe ich zunächst immer mal wieder Trauerreden gehalten. Heute sind es übrigens rund 120 pro Jahr. Das Faszinierende ist daran: Man begegnet Menschen selten so offen, wie wenn sie trauern. Irgendwann machte ich ein Praktikum bei einem Bestatter und merkte, dass mir der Umgang mit Verstorbenen nichts ausmacht – bezogen auf die Gerüche wie auf den Umgang mit der Vergänglichkeit. Damit stand für mich fest, mein eigenes Unternehmen zu gründen.


Geht es Ihnen tatsächlich nicht nahe, ständig mit der Vergänglichkeit konfrontiert zu werden?

Papke: Ich habe eine sehr positive Lebenseinstellung, vielleicht ist das meine rheinische Natur. Ich spiele Schlagzeug in einer Band, habe Spaß am Leben. Und ich habe die Fähigkeit entwickelt, mich nicht in der Arbeit zu verlieren. Es braucht Mitgefühl, aber man darf nicht alles an sich heranlassen. Entscheidend ist, dass sich die trauernden Familien bei einem Bestatter verstanden und gut aufgehoben fühlen.


Dass ein Bestatter Kurzgeschichten und Gedichte schreibt, ist aber doch etwas Ungewöhnliches…

Papke: Ich habe schon als 14-Jähriger meine ersten Gedichte geschrieben, später kamen Kurzgeschichten dazu und ich begann ein Studium der Germanistik und Philosophie. Mich begeistert, dass wenige Worte unglaublich viel Inhalt haben können. Das merke ich, wenn ich in einer Trauerrede Rilke oder von Eichendorff zitiere und gestandene Männer zu weinen beginnen.


Und welche Motivation steht hinter Ihrem Bildband „Silhouetten“?

Papke: Verstirbt ein geliebter Mensch, funktioniert man zunächst einmal, weil wahnsinnig viel zu erledigen ist bis zur Bestattung. In meinem Text „Halte an alle Uhren“ kommt dies vielleicht ganz gut rüber. Menschen sitzen vor mir, die plötzlich Dinge regeln müssen, die sie eigentlich gar nicht regeln wollen. Es erscheint Ihnen völlig unwirklich, wie ein falscher Film, wenn sie nach einer roten oder blauen Schleife gefragt werden oder entscheiden sollen, ob der Leichnam des Verstorbenen weiter gekühlt wird oder nicht. Ich muss diesen Fragekatalog durchgehen, versuche dabei aber sehr behutsam vorzugehen. Doch zurück zur Frage: Die Auseinandersetzung mit dem Verlust und der eigenen Trauer geht erst los, wenn alles geregelt und der Verstorbene beerdigt ist. Meine Idee und Motivation war es, meinen Kunden für diese Zeit Anhaltspunkte mitzugeben.  Die Texte sind über Jahrzehnte entstanden, die Fotografien, darunter viele Makroaufnahmen, in der französischen Bretagne, in Holland, aber auch in Deutschland. Es geht mir dabei um den Blick auf die kleinen Momente – und damit letztlich auf das, was am Ende übrig bleibt. Auf dem Weg zum Grab kann ich traurig sein und trotzdem den Flieder blühen sehen.


Was denken Sie: Hat sich unsere Einstellung zum Tod im Vergleich zu früher verändert?

Papke: Ja, auf jeden Fall. Früher nahm man sich viel mehr Zeit, verabschiedete sich persönlicher und verbindlicher. Man lebte bei Kindern und Enkelkindern im Mehrgenerationenhaus, starb in den eigenen vier Wänden. Der Leichnam lag dann mehrere Tage im Haus. Heute dagegen sterben die meisten Menschen im Altenheim oder der Klinik und werden sofort abgeholt. Deshalb haben viele Menschen Probleme mit dem Thema Tod. Ich glaube, je früher man die Lebenserfahrung macht, einen Verstorbenen gesehen zu haben, desto einfacher tut man sich im Umgang mit der Vergänglichkeit. Der Tod war früher Teil des Lebens. Heute will man ihn sich vom Leib halten.


Denken Sie, Ihr Beruf prägt ein Stück weit Ihr Leben?

Papke: Auf jeden Fall. Mir ist sonnenklar, dass ich nur eine begrenzte Frist zur Verfügung habe. Carpe Diem, nutze den Tag, ist mir sehr geläufig. Auch versuche ich, Unstimmigkeiten in meinem Umfeld gleich aus der Welt zu räumen. Vielleicht bin ich auch schneller in der Lage, mich selbst zu reflektieren. Zudem ist es mir unverständlich, weshalb manchen Menschen große Geldsummen und Besitz so wichtig sind. Ich kann von dem ganzen Krempel irgendwann nichts mitnehmen. Es ist schön, wenn man gut zurechtkommt, aber völlig übersteigerte Gier kann ich nicht nachvollziehen.   


Und wie stellen Sie sich Ihr eigenes Ende vor?

Papke: Ich stelle mir einen Strand in der Bretagne vor, an dem an einem schönen Abend beim Sonnenuntergang meine Asche verstreut wird.

Der Artikel  ist unter anderem  im Magazin Gesundheit! erschienen.

Trauerredner und Bestatter Norbert Papke zeigt seinen Bildband „Silhouetten“.


Foto: Michaela Schneider


Infokasten: Der Bildband „Silhouetten“


Im Bildband „Silhouetten“ verarbeitet Norbert Papke Gedanken aus zweieinhalb Jahrzehnten als Trauerredner und Bestattungsunternehmer. Auch sämtliche Fotografien stammen von dem Wahl-Würzburger. ISBN 978-3-00-048708-8. Details zu Bestellmöglichkeiten unter www.bestattungen-papke.de.