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Kleine Gesten, die Großes bewirken
Eine Kinderkrankenschwester erklärt zum Weltknuddeltag, welche Rolle
positive Berührungen bei der Pflege ganz kleiner aber auch ganz alter Patienten spielen können


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Gefühle zu zeigen sei aus der Mode gekommen, war der Eindruck der beiden Amerikaner Adam Olis und Kevin Zaborney. Und so riefen sie erstmals am 21. Januar 1986 den „National Hugging Day“ aus. Das ist jetzt 30 Jahre her, mittlerweile wird der „Weltknuddeltag“ weltweit begangen, um ins Bewusstsein zu rufen, wie wichtig Zuneigung und Zärtlichkeit  für den Menschen sind. Wie viel Berührungen bewirken können, weiß auch Fachkinderkrankenschwester Babett Dittrich. Die 32-Jährige arbeitet als stellvertretende Stationsleiterin im Perinatalzentrum des Universitätsklinikums in Würzburg, einer der großen Einrichtungen für Neugeborenenmedizin in Bayern.


Warum tun dem Menschen Berührungen gut?

Babett Dittrich: Zunächst einmal ist Berührung nicht gleich Berührung. Ausschlaggebend ist, wer einen berührt und wie er dies tut. Schon ein Handschlag kann viel aussagen über eine Beziehung zwischen zwei Menschen. Positive Berührungen vermitteln Wärme und Geborgenheit, sie können beruhigen, wir fühlen uns einfach wohl. Erklären lässt sich dies auch neurologisch, weil durch den Hautkontakt im Gehirn Botenstoffe freigesetzt werden. Selbst ein pflegebedürftiger Greis versteht eine sanfte Berührung an der Schulter oder einen Händedruck. Und gerade Neugeborene verarbeiten die meisten Informationen über die Haut.


Neugeborene sind ein gutes Stichwort. „Bonding“ ist in aller Munde - was genau ist das?

Dittrich: Beim Bonding wird das Baby direkt nach der Geburt auf die Brust der Mutter gelegt. Im Idealfall sorgt dies für eine lebenslange innere Bindung. Ein praktischer Nutzen kommt hinzu: Durch den Körperkontakt wird Oxytocin frei gesetzt, ein Botenstoff der im Volksmund gerne auch als Kuschel- oder Bindungshormon bezeichnet wird. Bei der Mutter regt Oxytocin außerdem den Milchfluss an.


Noch ein anderer Begriff spielt auf den Säuglingsstationen eine Rolle, das Känguruhen…

Dittrich: Genau. Känguruhen wurde aus der Not heraus geboren. In Südamerika legte man Kinder nur mit der Windel auf die entkleidete Brust der Mutter, schlichtweg weil es an Kleidung und Bettchen fehlte. Sie spendete dem Kind die nötige Körperwärme. Dabei zeigte sich, dass sich die Atmung und Herzfrequenz des Kindes deutlich stabilisierte und die Kinder zur Ruhe fanden. Deshalb gehört Känguruhen inzwischen gerade auch bei Frühgeborenen und kranken Neugeborenen zum Klinikalltag – je länger am Tag desto besser und möglichst mal auf der Brust der Mutter, mal auf der Brust des Vaters. Die Babys stabilisieren sich und können eine Bindung zu den Eltern aufbauen.


Wie wichtig ist die Körperberührung beim Känguruhen für die Eltern?

Dittrich: Sehr wichtig, gerade bei Frühgeborenen und kranken Säuglingen. Eltern haben dadurch das Gefühl, dass sie etwas für das Kind tun und zum Genesungsprozess beitragen können. Teilweise brauchen sie erst einmal eine Anleitung, weil sie Angst haben, dem so zerbrechlich wirkenden, kranken Säugling zu schaden. Wir motivieren und machen auf die positiven gesundheitlichen Aspekte aufmerksam wie zum Beispiel weniger Atemaussetzer. Vor allem viele Väter haben Hemmungen Neugeborene zu berühren, weil die Bindung noch nicht so intensiv zum Kind ist. Durchs Känguruhen können wir sie bewusst einbinden. Ich beobachte: Nach dem ersten Mal, fühlen sich auch die meisten Väter unglaublich wohl, der enge Kontakt zum Säugling ist für sie eine großartige Erfahrung.    

Als Fachkinderkrankenschwester hatten sie auch schon mit älteren Kindern und Jugendlichen als Patienten zu tun. Spielen Berührungen hier ebenfalls eine Rolle?

Dittrich: Ja, natürlich. Pädiatrische Patienten berühre ich bei einem Pflegekontakt zunächst gerne am Arm oder an der Schulter. Das sehe ich als eine Art herantasten und eine Möglichkeit, Interesse und Empathie zu zeigen, aber nicht zu distanzlos zu wirken. In der Klinik geht es zudem um die Frage nach Schutzkleidung. Eine Berührung mit Handschuhen vermittelt weniger Nähe. Hier muss man bei der Arbeit abwägen, ob im jeweiligen Moment der Schutz oder die Nähe wichtiger sind.


Während Ihrer Ausbildung waren Sie auch im Altenheim tätig. Wie waren Ihre Erfahrungen?

Dittrich: Pflegebedürftige Menschen sind ständig Berührungen ausgesetzt. Die Frage ist hier: Wie wird ein Patient gewaschen und gepflegt, wie wird er berührt? Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen, ganzflächig zu waschen mit angenehm warmem Wasser und nicht ruppig mit den Menschen umzugehen. Man sollte sagen, was man tut – auch dann, wenn der Patient vielleicht nicht mehr antworten kann. Für wichtig halte ich es auch, zum Beispiel die Hand auf den Arm zu legen, bevor man mit dem Waschen anfängt. Das nimmt kaum Zeit in Anspruch, kann aber sehr viel bewirken. Initialberührungen sind übrigens auch bei Früh- und Neugeborenen wichtig.


Warum macht man Initialberührungen bei Neugeborenen?

Dittrich: Säuglinge sind sehr schreckhaft, deshalb legen wir zunächst unsere eigene Hand zum Beispiel an die Füße, den Kopf oder auch flach auf den Bauch. Dadurch zeigen wir dem Kind: Jetzt passiert etwas mit Dir. Gerade im Krankenhaus können Berührungen, beispielsweise Punktionen, für die Babys auch einmal unangenehm sein. Durch die Initialberührung bereiten wir darauf vor.  


Was wünschen Sie sich zum Weltknuddeltag?

Dittrich: Es scheint so zu sein, als nehme man sich umso weniger Zeit, je älter ein Patient ist. Natürlich ist das Bedürfnis, ein Baby zu halten und zu schützen größer. Doch hätten es viele Erwachsene oft ähnlich nötig, dass man einfach einmal ihre Hand hält.  Ich würde mir wünschen, dass wir uns das bewusst machen und häufiger durch kleine Gesten und kleine Berührungen im Alltag Empathie zeigen.

Fachkinderkrankenschwester Babett Dittrich zeigt, wie eine Initialberührung beim Säugling aussieht.

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Fotos: Michaela Schneider


Der Artikel ist unter anderem im Main Echo erschienen.