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Tabubrechendes Drama über Kindesmissbrauch
Mainfranken Theater zeigt Katja Brunners preisgekröntes Schauspiel „Von den Beinen

zu kurz“ – Werk setzt sich mit den Mechanismen von Inzest auseinander und verzichtet auf Täter-Opfer-Bild


Von Michaela Schneider
Würzburg
Sehr stockend bahnen sich Worte ihren Weg. „Wo sind meine Stimmbänder?“, fragen sich die Protagonistinnen mit starren Mienen. Denn über sexuellen Missbrauch spricht man nicht – schon gar nicht, wenn der Vater die eigene Tochter begehrt. Die Kammerspiele des Mainfranken Theaters in Würzburg brechen das Schweigen. Intendantin Katka Schroth wagt sich an das wortgewaltige, tabubrechende Schauspiel „Von den Beinen zu kurz“ heran. In dem Drama will die junge Schweizer Autorin Katja Brunner von den üblichen Täter-Opfer-Kategorien nichts wissen. Vielmehr legt sie die komplexen psychischen Mechanismen des Inzests offen. Schirmherrin der Würzburger Inszenierung ist die Sozialreferentin der Stadt, Dr. Hülya Düber. Die drei Schauspielerinnen Claudia Kraus, Petra Hartung und Freya Kreutzkam zeigen bei der Premiere in den Kammerspielen ein starkes, schonungsloses Stück zum Thema Kindesmissbrauch.


Mit dem Werk „Von den Beinen zu kurz“ feiert Katja Brunner im März 2012 ihr Theaterdebüt. Damals ist die Autorin 18 Jahre jung. Ein Jahr später gewinnt sie den renommierten Mülheimer Theaterpreis. Und zwar zurecht: Ihre Sprache nutzt alle Facetten, von sensibel bis rabiat. Sie kennt keine Tabus, erzählt schonungslos anschaulich – und trotzdem weit entfernt von reißerischem Voyeurismus. Sie streut Wortwitz ein, doch die heftige Thematik lässt jedes Lachen ersticken. Die Zuschauer hören ein Wortkonzert, das Antworten sucht und noch viel mehr Fragen aufwirft.


Die Schauspielerinnen tragen jeweils einen hautfarbigen Rollkragenpullover, einen einfachen weißen Slip, eine Feinstrumpfhose und Pumps. Sie sind nicht Kind und nicht Frau. Oder, wie es Brunner formuliert, „zu kurz geratene Erwachsene“. Die Drei teilen sich die Rollen von Kind, Vater und Mutter. Das gibt dem Schauspiel allgemeine Gültigkeit und ermöglicht zudem den Blick von außen: Immer wieder schlüpfen sie in die Rolle der Beobachter, diskutieren über Motivationen. Claudia Kraus, Petra Hartung und Freya Kreutzkam spielen dabei beeindruckend. Mit monotoner Stimme sprechen sie über einen Körper, der nicht der eigene ist. Sie jagen sich kichernd über die Bühne und kitzeln sich – ein zunächst unschuldiges Kinderspiel, das abdriftet ins Sexuelle. Sie wüten, zweifeln und geben sich selbst die Schuld: „Ich habe schließlich die Decke beiseite geschlagen.“ Auch skizzieren die Drei spielstark die Gefühlswelt der Mutter: das verzweifelte Verdrängen, den Eiertanz in der Öffentlichkeit, Eifersucht auf die kleine Tochter. Sie zeigen einen Vater, der – einst selbst missbraucht – Rechtfertigungen sucht, liebt, droht und keinen Ausweg als den Tod sieht.


Das Bühnenbild hält der studierte Architekt und Stadtplaner Christoph Ernst schlicht und setzt die Protagonisten schonungslosen Neonröhren im kahlen, weißen Raum aus. Intendantin Katka Schroth ergänzt Katja Brunners Sprachsymphonie um gezielte musikalische Akzente von Klassik bis Robbie Williams. Das gibt dem Publikum keineswegs Zeit zum Durchschnaufen. Das grausame Bühnengeschehen gewinnt noch an emotionaler Tiefe.


Das Mainfranken Theater beweist Mut mit der Inszenierung des Dramas „Von den Beinen zu kurz“. Manch einer mag eine klassische Täter-Opfer-Kategorisierung beim Thema Inzest bevorzugen. Doch die Mechanismen sind nun einmal komplexer. Das Kind wird misshandelt, sieht aber trotzdem nicht das personifizierte Böse, sondern den geliebten Vater. „Es soll sich die Sichtweise ändern, dass sich jemand an mir vergangenen hat“, fordert die Tochter auf der Bühne. Ein Stück weit rückt das Drama von landläufiger Moral und üblichen Meinungen ab. Genau das kennzeichnet gutes Theater.  

  

Dauer: 105 Minuten (keine Pause); nächste Vorstellungen: 20 Uhr:  05.02./ 13.02./ 20.02./ 25.02./ 04.03./ 11.03./ 25.03./ 17.04./ 10.05.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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