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Klassik für Kinder: Alles andere als langweilig!
Sebastian Beckedorf, neuer Vize-Generalmusikdirektor am Mainfranken Theater, verrät, wie
man den Nachwuchs an Orchestermusik heranführen kann – Am 26. Oktober dirigiert er erstes Familienkonzert


Von Michaela Schneider
Würzburg
Wer meint, Orchestermusik und Klassik seien langweilig für den Nachwuchs, irrt gewaltig. Orchestermusik kann schon die Kleinsten faszinieren, wenn die pädagogische Vermittlung stimmt. Am Sonntag, 26. Oktober, wird Würzburgs neuer erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor, Sebastian Beckedorf, am Mainfranken Theater das erste Familienkonzert der neuen Spielzeit dirigieren. Im Interview verrät er, wie man Kinder und Klassik unter einen Hut bringt und stellt das kinder- und jugendgerechte Konzertangebot des Hauses vor.


Wie sind Sie selbst als Kind auf die Klassik gekommen?

Sebastian Beckedorf:  Für mich waren damals die Jugendkonzerte in Hamburg von Gerd Albrecht ausschlaggebend. Er hat die Konzerte nicht nur dirigiert, sondern auch selbst moderiert. Die Eintrittskarten waren begehrt und nicht einfach zu bekommen. Ich war damals immer mal wieder mit der Schule in den Jugendkonzerten und auch in Opern. Das ist heute leider nicht mehr selbstverständlich. Ich bin aber der Meinung: Gerade weil viele Familien heute oft keinen Bezug mehr zum Theater und zu klassischer Musik haben, haben Schulen hier einen ganz entscheidenden Bildungsauftrag.


Ist es unter diesen Voraussetzungen schwieriger geworden, Kinder für Klassik zu begeistern?

Beckedorf: Nein, ich denke nicht. Ich habe noch nie Kinder erlebt, die ein Theater oder ein Konzert besucht haben und anschließend sagen: Oh, war das langweilig! Denn anders, als wenn man Klassik im Radio oder auf einer CD hört, erlebt und sieht man im Konzert, welche Instrumente wie klingen und wie Musik entsteht. Viele Kinder kennen nicht einmal mehr den Unterschied zwischen einer Geige und einem Kontrabass. Wenn sich das nach einem Familienkonzert geändert hat, war der Nachmittag nicht nur schön, sondern das Orchester hat auch seinen Bildungsauftrag erfüllt. Will man Kinder für Orchestermusik begeistern, kommt es vor allem auf die entsprechende Vermittlung an.


Und wie sieht eine gute Vermittlung aus?

Beckedorf: Man muss Zusammenhänge erklären, deshalb ist in Kinderkonzerten die Moderation besonders wichtig. In Braunschweig haben wir mehrfach die 9. Sinfonie von Dvorak gespielt. Gleich mit dem ganzen Stück loszulegen, würde Kinder überfordern – auch, weil sie es schlichtweg nicht mehr gewohnt sind, länger als 45 Minuten zuzuhören. Man muss Kinder langsam an ein großes Werk ranführen. Deshalb haben wir das Orchester in Braunschweig zum Beispiel nur mal die Fagotte, dann nur mal die Streicher oder ein bestimmtes Thema spielen lassen. Anschließend hat auch die ganze Sinfonie am Stück funktioniert.  


Mit Andreas Tarkmanns Werk „Die verlorene Melodie“ für Kinder ab fünf Jahre hat das Mainfranken Theater nun ein Werk fürs erste Familienkonzert ausgewählt, das sehr ähnlich funktioniert…

Beckedorf: Ja, das stimmt. Dabei geht es um eine Melodie, die verloren gegangen ist. Jetzt beanspruchen verschiedene Instrumente die Melodie für sich und kämpfen darum. Musikalisch eröffnet dies die Möglichkeit, zu wunderbaren Variationen als Kernstilmittel. So spielen zum Beispiel die Pauken die Melodie – aber eben nur auf zwei Noten. Die anderen Instrumente sagen daraufhin: Das ist doch nichts, das können wir besser! Das Stück ist wunderbar geeignet, um Kinder an Orchestermusik heranzuführen und ihnen verschiedene Instrumente und ihren Klang vorzustellen.


Über die Familienkonzerte hinaus: Welche Angebote für Kinder und Jugendliche gibt es denn am Mainfranken Theater sonst noch?

Beckedorf: Ich bin ja erst seit einem Monat hier und lerne das Angebot gerade kennen. Neben den zwei Familienkonzerten bieten wir mehrfach Kinderkammerkonzerte ab drei Jahren sowie sechs Jugendkonzerte an, vier werde ich selbst dirigieren. Jedes Konzert steht unter einem bestimmten Motto. Im ersten Jugendkonzert am 6. November geht es zum Beispiel um den Teufelsgeiger Niccolò Paganini. Eine besondere Aktion mit Tradition am Mainfranken Theater ist das Projekt „Ohren auf! In Concert“. Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Enrico Calesso spielen musikbegeisterte junge Menschen gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester ein Jugendkonzert sowie das zweite Familienkonzert. Das Casting für Kinder und Jugendliche ab elf Jahren findet im April 2015 statt, die Konzerte folgen im Juli.


Ein ganz anderes Thema: Wie gefällt Ihnen Würzburg, welchen Eindruck haben Sie vom Mainfranken Theater?

Beckedorf: In Würzburg gibt es viele Studenten, die Innenstadt ist quirlig und wirkt auf mich sehr lebendig. Das gefällt mit. Mit Blick aufs Mainfranken Theater muss ich gestehen: Als ich das Gebäude zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich mir: Schön ist das nicht! Aber die Akustik ist gar nicht so schlecht. Anders sieht es leider im Orchesterprobenraum aus, dieser ist schlichtweg zu klein für das Philharmonische Orchester. Die Musiker selbst sind sehr nett, konzentriert und man merkt, dass Ihnen die Arbeit Spaß macht, das ist die beste Voraussetzung.


Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Arbeit in Würzburg gesetzt?

Beckedorf: Das, was wir machen, will ich gut machen und auf hohem Niveau. Und dieses Niveau findet man in Würzburg auch jetzt schon vor.


Wann und wo können die Würzburger Sie - über die Familien- und Jugendkonzerte hinaus – erleben?

Beckedorf: Mein Debüt in Würzburg war die Wiederaufnahme von Strawinskys „The Rake`s Progress“. Hierfür konnten wir mit Bryan Boyce als neues festes Ensemblemitglied einen jungen, hervorragenden Bassbariton gewinnen. Und auch darüber hinaus haben wir Hauptrollen mit Barbara Schöller und Sonja Koppelhuber neu besetzt. Als nächstes folgen dann unter meinem Dirigat Ende Oktober die Ballettwiederaufnahme „Dornröschen“ und die Johann-Strauss-Operette „Der Zigeunerbaron“, Premiere ist am 6. Dezember. Als zweite Premiere folgt 2015 Beethovens „Fidelio“.


Sebastian Beckedorf ist neuer stellvertretender Generalmusikdirektor am Mainfranken Theater in Würzburg.


Foto: Michaela Schneider

Der Artikel  ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: Zur Person Sebastian Beckedorf


Der Hamburger Sebastian Beckedorf ist seit September erster Kapellmeister und stellvertretender Generalmusikdirektor am Mainfranken Theater in Würzburg. Der inzwischen 37-Jährige hat Historische Musikwissenschaften an der Universität Hamburg und Dirigieren und Klavier an der Hochschule für Musik und Theater Rostock studiert. Berufliche Stationen führten ihn 2004 zunächst ans Stadttheater Hildesheim, ein Jahr später dann ans Staatstheater Braunschweig. Ab der Spielzeit 2007/2008 arbeitete er dort als Assistent des Generalmusikdirektors sowie als Kapellmeister. Hinzu kamen Gastdirigate beim Staatsorchester Braunschweig, der Norddeutschen Philharmonie Rostock, dem Orchester des Theaters für Niedersachsen, dem Philharmonischen Orchester Vorpommern und dem Bachorchester Lüneburg. Neben dem traditionellen Opernrepertoire widmet er sich mit Leidenschaft der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts.