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Als sich der ‚gemeine Mann‘ erstmals erhob
Tagung auf der Festung Marienberg dreht sich am 10. und 11. Oktober um
den „Bauernkrieg in Franken“ – Historiker blickt im Interview auf die Ereignisse im Jahr 1525 und ihre Bedeutung


Von Michaela Schneider
Würzburg
Er gilt hierzulande als die erste breite Massenerhebung der Geschichte: der Bauernkrieg im Jahr 1525. Bei einer internationalen Tagung in Würzburg werden namhafte Forscher in öffentlichen Kurzvorträgen die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ideengeschichtlichen Rahmenbedingungen des niedergeschlagenen Massenaufstandes an der Schwelle zur Neuzeit beleuchten, sich aber auch mit den Folgen der reichsweiten Erhebung auseinandersetzen. Dass die Tagung auf der Festung Marienberg stattfindet, ist kein Zufall: Deren Belagerung durch drei vereinigte Bauernheere und die Niederschlagung der Erhebung durch die Truppen des Schwäbischen Bundes bedeutete seinerzeit einen tragischen Wendepunkt des Aufstands. Der 60-jährige Würzburger Historiker Professor Dr. Franz Fuchs ist einer der Organisatoren der Tagung. Er spricht im Interview über das Jahr 1525 und zentrale Forschungsfragen rund um den Bauernkrieg in Franken.


Was macht den Bauernkrieg zu einem so bedeutenden Ereignis in der frühen Neuzeit?

Franz Fuchs:  Der Bauernkrieg ist wie kaum ein anderes Ereignis im Gedächtnis der Menschen haften geblieben. Zum ersten Mal überhaupt sind große Massen der Bevölkerung von einem Tag auf den anderen aufgestanden und haben die alte Ordnung vollständig in Frage gestellt: die Grundherrschaft, das Lehnswesen, hohe Abgaben, Leibeigenschaft und so weiter – schlichtweg das gesamte bestehende Herrschaftssystem. Zwar gab es bereits zuvor immer wieder einzelne Aufstände, aber nie eine so gewaltige Erhebung. Alle Burgen und Klöster in Franken wurden abgefackelt, der Marienberg in Würzburg war die einzige Burg, die nicht gestürmt werden konnte. Am Ende erlitten die Aufständischen eine fürchterliche Niederlage mit grausamen Hinrichtungen in sämtlichen Dörfern. Für die Stadt Würzburg hatte dies noch weitreichendere Konsequenzen: Nach dem Bauernkrieg hat der Stadtrat erheblich an Einfluss verloren, die Stadt geriet weitgehend unter fürstbischöfliche Herrschaft. Das war für die nächsten Jahrhunderte prägend.


Warum war diese totale Erhebung des Volkes genau zu diesem Zeitpunkt möglich geworden?

Fuchs: Eine der Ursachen dafür war zweifellos die lutherische Reformation. Sich den Bauern anzuschließen heißt in der zeitgenössischen Terminologie der Aufständischen ‚das Evangelium handhaben‘. Die Berufung auf das Evangelium, das reine unverfälschte Wort Gottes, geht klar aus den so genannten zwölf Artikeln hervor – einer Programmschrift, die im schwäbischen Memmingen zu Beginn der Aufstände in Deutschland veröffentlicht und oft nachgedruckt wurde. Wichtig war auch, dass der Buchdruck erfunden war. Denn es gilt zu beachten: Die Führungsgestalten im Bauernkrieg waren durchaus gebildete Leute, die lesen und schreiben konnten. Das gedruckte Wort konnte sich nun rasant verbreiteten.   


Ist der Begriff Bauernkrieg dann nicht eigentlich irreführend? Mit den Bauern verbündeten sich Städte und an der Spitze der Aufständischen standen Adelige wie Götz von Berlichingen oder der fränkische Reichsritter Florian Geyer von Giebelstadt…

Fuchs: Ja, der Terminus ‚Bauernkrieg‘ (lateinisch „Bellum rusticorum“ oder „Bellum servile“) ist tatsächlich eine zeitgenössische Formulierung, den die Siegerseite prägte. Der Begriff verschleiert aber, dass sich eben nicht nur einfache Bauern, sondern auch vereinzelt Adelige und einige Städte gegen die Obrigkeit erhoben hatten. Korrekter wäre es, wie einige Forscher vorgeschlagen haben, von der Erhebung des ‚gemeinen Mannes‘ zu sprechen.


Welche Rolle spielte Franken im Bauernkrieg?

Fuchs: Eine ganz entscheidende. Vorausschicken muss man: Der Bauernkrieg war ein Sturm, der im Hochstift Würzburg nicht lange dauerte. Er begann in der Karwoche und war im Sommer bereits wieder vorbei. Von Oberschwaben breitete er sich nach Württemberg aus und dann weiter nach Franken. Der fürstbischöfliche Sekretär Lorenz Fries beschreibt Franken als die Landschaft, die von der Empörung der Bauern am meisten betroffen war. Franken bezeichnete damals den fränkischen Reichskreis, das heißt in etwa die Gebiete der Diözesen Bamberg, Eichstätt und Würzburg, die neben den Hochstiften auch noch eine Reihe von weltlichen Herrschaften umfassten.


Was genau ist denn eigentlich der Anlass für die Tagung?

Fuchs: Wir veranstalten ganz bewusst eine Tagung, die keinem Jubiläum folgt. Die Anregung zu diesem wissenschaftlichen Symposion ging von dem Mitorganisator Dr. Ulrich Wagner aus, dem langjährigen Stadtarchivar von Würzburg, der im kommenden Jahr in den Ruhestand geht; der Bauernkrieg in Würzburg gehört zu seinen bevorzugten Forschungsgebieten. Hinzu kommt ein weiterer Umstand: Es gibt einen Quellenfund zu den Würzburger Ereignissen des Jahres 1525, der erst in diesem Jahr bekannt wurde. Dieser neue Text hat gewissermaßen mich gefunden, denn als Vertreter des Faches Mittelalterliche Geschichte zählt der Bauernkrieg nicht zu meinem eigentlichen Fachgebiet. Aber zurück zur neuen Quelle: Der gelehrte Ritter Sebastian von Rotenhan beschrieb in einem langen Brief an einen Studienfreund, der noch im Original erhalten ist, ausführlich seine Erlebnisse in Würzburg im Jahr 1525 mit einigen neuen Details. Sebastian von Rotenhan ist durchaus eine zentrale Gestalt: Als Hofmeister des Fürstbischofs war er der eigentliche Organisator der Verteidigung des Marienberges. Mit ihm kommt nun einer er wichtigeren Akteure selbst zu Wort.


Wie steht es im Allgemeinen um die Quellenlage zum Bauernkrieg in Würzburg?

Fuchs: Die Quellenlage ist für Würzburg ausgesprochen gut. Der fürstbischöfliche Sekretär Lorenz Fries schrieb im Auftrag des Fürstbischofs, das heißt aus der Sicht des Siegers, eine Dokumentation über den Bauernkrieg inklusive ausführlicher Aktensammlung. Doch auch die Verlierer äußerten sich schriftlich: Der Würzburger Stadtschreiber Martin Cronthal von Dettelbach, der selbst in die Ereignisse verwickelt war und verhaftet wurde, schrieb sein Werk  „Die Stadt Würzburg im Bauernkriege“ zur Verteidigung der städtischen Position. Hinzu kommen noch viele Akten und Urkunden aus bischöflicher und städtischer Überlieferung.


Die Tagung wird vom historischen Seminar der Universität Würzburg, dem hiesigen Stadtarchiv und dem Mainfränkischen Museum organisiert. Welche neuen Erkenntnisse erhoffen Sie sich?

Fuchs: Es fehlt nicht an guter Forschung zum Bauernkrieg, trotzdem erhoffen wir uns natürlich einen Erkenntnisfortschritt noch vor dem großen Jubiläumsjahr 2025. Immerhin gibt es, wie erwähnt, neue Quellen. Zudem sind bestimmt Fragen immer wieder zu stellen, etwa der Zusammenhang zwischen Reformation und Bauernkrieg. Zur Tagung kommen Wissenschaftler auch aus anderen europäischen Ländern. Und: Ganz bewusst haben wir einen interdisziplinären Ansatz gewählt. Neben Historikern werden Kunsthistoriker, Theologen, Juristen und Philologen sprechen. Sämtliche Vorträge sind öffentlich, weil wir besonders auch den interessierten Laien die Ergebnisse der neuesten Forschungen vermitteln wollen. Dies ist nicht zuletzt auch ein Anliegen des Kollegs für Mittelalter und Frühe Neuzeit, das zusammen mit dem Stadtarchiv und dem Mainfränkischen Museum die Tagung ausrichtet. Wir sind glücklich, dass die Tagung gewissermaßen an einem der Hauptorte des Geschehens stattfinden kann, und unserer Mitorganisatorin, Frau Dr. Claudia Lichte, der Leiterin des Mainfränkischen Museums, die dies ermöglicht hat, dafür zu Dank verpflichtet.

Der Artikel  ist unter anderem  in den Fränkischen Nachrichten erschienen.

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Professor Dr. Franz Fuchs hat durch Zufall eine neue Quelle zu den Würzburger Ereignissen im Jahr 1525 entdeckt.


Alle Fotos: Michaela Schneider


Infokasten: Die Tagung „Bauernkrieg in Franken“


Die Tagung „Bauernkrieg in Franken“ findet am 10. und 11. Oktober auf der Feste Marienberg im Saal Egloffstein statt. Sämtliche Vorträge sind öffentlich. Es geht um Grundfragen und Voraussetzungen rund um den Bauernkrieg, um die Ereignisse im Jahr 1525, aber auch um Kunst und Literatur sowie Spezialfragen wie zum Beispiel taktische Aspekte des Sturms auf die Festung Marienberg in Würzburg. Direkt im Anschluss an den ersten Veranstaltungstag findet zudem um 19.30 Uhr ein öffentlicher Abendvortrag zum Thema „Literatur und Öffentlichkeit im Bauernkrieg“ im Ratssaal der Stadt Würzburg statt. Das ausführliche Programm steht im Internet unter www.bauernkrieg1525.de. Um eine (auch kurzfristige) Anmeldung wird gebeten.

Infokasten: Würzburg und der Bauernkrieg


Im April 1525 hatten sich verschiedene Gruppen der aufständischen Bauern zusammengeschlossen: der Neckartaler, der Odenwälder unter Götz von Berlichingen und Georg Metzler sowie Florian Geyers Taubertaler Haufen. Viele tausend Mann zogen Richtung Würzburg. Im Süden der Stadt stellte sich ein Ort nach dem anderen auf die Seite der Aufständischen. Fürstbischof Konrad II. von Thüngen rief eine Versammlung seiner Ritter und Gefolgsleute ein und versuchte, mit dem Rat der Stadt Würzburg zu verhandeln. Dieser wollte sich zunächst darauf einlassen, doch in verschiedenen Vierteln regte sich heftiger Widerstand. Währenddessen bewegten sich von drei Seiten Bauernhaufen auf Würzburg zu. Der Stadtrat sah sich gezwungen, sich den Aufständischen anzuschließen, der Bischof flüchtete. Die Bauern versuchten zweimal das Schloss „Unser lieben frauenberg“ zu stürmen. Die Stadt Rothenburg, die ebenfalls mit den Bauern im Bündnis stand, schickte Kanonen für die Aufständischen; von einem zwei Scheunentore großen Loch im Mauerwerk der Festung wird berichtet. Auch versuchten die Aufständischen den Berg über gegrabene Kanäle zu erobern. Vor Würzburg lagerten diversen Quellen zufolge zwischen 15000 und 38000 Aufständische. Doch auch die Verteidiger des Marienberges waren gut vorbereitet. Es stand Spitz auf Knopf, die Burg hätte fallen können. Dann allerdings näherten sich die Truppen des Schwäbischen Bundes. Die Bauernhaufen erlitten bei Würzburg zwei verheerende Niederlagen. Es kam zu einem schrecklichen Strafgericht mit vielen Hinrichtungen von angeblichen Rädelsführern; weitere Verdächtige wurden verhaftet; unter diesen war zum Beispiel auch der Bildhauer Tilmann Riemenschneider, der nachweislich gefoltert wurde.