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„Wieder mehr Eigenverantwortung für Höfe“
UNESCO ruft am 1. Juni den Weltbauerntag aus – Experte des Bayerischen
Bauernverbands blickt auf Herausforderungen und Chancen für Unterfrankens Landwirte


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Der Preisdruck, die Regelungswut der EU,  kritische Verbraucher: Landwirte sehen sich mit etlichen Herausforderungen konfrontiert. Jahr für Jahr hängen Familien die Landwirtschaft an den Nagel, die Zahl der Betriebe sinkt. Spannend beim Blick auf unterfränkische Zahlen aber ist: Dicht machen vor allem kleine Höfe, die Zahl der Betriebe mit mehr als 50 Hektar Land ist dagegen in den letzten 15 Jahren gewachsen. Zum 1. Juni ruft die UNESCO den Weltbauerntag aus, um daran zu erinnern, dass Bauern weltweit für die Erzeugung von Lebensmitteln sorgen. Dr. Wilhelm Böhmer, Direktor der Bezirksverbände Ober- und  Unterfranken im Bayerischen Bauernverband, blickt aus diesem Anlass auf Herausforderungen und Chancen für die hiesigen Landwirte

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Landwirtschaft in Unterfranken: Was ist dafür charakteristisch?

Dr. Wilhelm Böhmer: Insgesamt werden in Unterfranken knapp 343000 Hektar Land landwirtschaftlich genutzt. Die Region ist geprägt vom Ackerbau, der Grünlandanteil macht nur knapp 20 Prozent aus. Grünland wurde früher im Wesentlichen über Rinderhaltung verwertet, diese ist aber stark zurückgegangen.  Zwar spielt in Franken die Landwirtschaft als Nebenerwerb überall eine Rolle, im Mainfränkischen zum Beispiel Richtung Aschaffenburg und im Gebiet Main-Spessart.  Doch gerade in Unterfranken gibt es daneben auch viele flächenstarke Betriebe.


Das war nicht immer so. Wie hat sich die Betriebsstruktur verändert?

Böhmer: Tatsächlich haben wir mit Blick auf die Betriebsgrößen in den letzten 15 Jahren die gravierendsten Veränderungen erlebt. Die Zahl der Betriebe mit maximal zehn Hektar hat sich halbiert, die Zahl der größeren Höfe dagegen ist konstant geblieben, bzw. sogar leicht gestiegen. Die Flächennachfrage ist entsprechend groß. Salopp gesagt: Gibt es Ackerfläche, reißen sich die Interessenten darum. Trotzdem ist nicht allein die Größe des Betriebs entscheidend, sondern ebenso die Managementqualität.


Funktioniert Landwirtschaft trotzdem noch im Familienbetrieb?

Böhmer: Ja, bei uns gibt es ausschließlich bäuerliche Familienbetriebe, die bei entsprechender Größe vielleicht ein oder zwei Fremdarbeitskräfte oder auch Saisonarbeiter beschäftigen. GmbHs wie in Nord- oder Ostdeutschland haben wir dagegen in Franken keine. Ob ein Hof funktioniert oder nicht, hängt davon ab, wie gut der Landwirt Kosten und Ertrag im Griff hat.


Was braucht ein Betrieb, um auch in zehn oder 20 Jahren noch erfolgreich zu arbeiten?

Böhmer: An Bedeutung gewinnen Kooperationen. Warum nicht zum Beispiel Aufgaben aufteilen und einmal einen Kollegen mit dem Dreschen oder Pflanzenschutz beauftragen? EDV und Internet halten längst Einzug auf modernen Höfen – vom Futterautomaten bis zum GPS gesteuerten Mähdrescher. In Zukunft werden wir vielleicht  mit Geräten arbeiten, die erkennen, wie gut eine Pflanze mit Nährstoffen versorgt ist und die entsprechende Dünung veranlassen. Extrem wichtig ist, dass Betriebe auf aktuellem Stand bleiben und kein Investitionsloch entsteht. Und es braucht heute Flexibilität. Ein cleverer Landwirt hat ständig im Blick: Wo kann ich Neues ausprobieren? Und wo lässt sich‘s einsparen?Allerdings ist die Frage, ob modernste Technik, insbesondere bei kleinen Betrieben oder schwierigen Flächenstrukturen finanzierbar oder einsetzbar ist


Welche Trends beobachten Sie zurzeit in der Landwirtschaft?

Böhmer: Der Weizenmarkt ist zum Beispiel global geworden. Das bedeutet, ein Landwirt baut nicht mehr nur für Franken an, sondern vielleicht auch für die USA oder für Russland.  Andere Betriebe spezialisieren sich – auf den Weinbau, auf Sonderkulturen wie Spargel oder Gurken oder auch auf ökologische Landwirtschaft.

Gerade das Thema Tierhaltung ist heiß diskutiert. Welche gesellschaftliche Stellung hat der Landwirt ihrem Gefühl nach heute?

Böhmer: Früher hat Landwirtschaft im Dorf stattgefunden. Heute müssen Betriebe aussiedeln, selbst auf dem Land fehlt der Kontakt zwischen Landwirt und Verbrauchern. Die Kritik in Sachen Tierhaltung hängt meinem Gefühl nach auch damit zusammen. Der Bauernverband versucht aufzuklären mit Tagen der offenen Türe, Schulbesuchen auf Bauernhöfen und Aufklärungsaktionen.


Viele Verbraucher schätzen Regionalität. Gelegentlich ist`s aber gar nicht so leicht, die regionalen Produkte auch tatsächlich zu finden...

Böhmer: In Oberfranken hat die Handwerkskammer das Label „Genussregion Oberfranken“ initiiert, in Unterfranken gibt es bislang nichts Vergleichbares. Aus Sicht des Bauernverbandes ist es eine sehr positive Entwicklung, wenn die Käufer in Zeiten der Globalisierung regionale Produkte im Einzelhandel leicht identifizieren können. Auch der Verkauf direkt beim Bauern ist eine Möglichkeit. Allerdings sind die Vorschriften für Direktvermarkter inzwischen so streng geworden, dass sich deren Zahl stark verringert hat.


„Schuld“ sind, wie sie sagen, die Vorschriften der EU. Bringt die EU unseren Landwirten nur Nachteile?

Böhmer: Nein, positiv ist zum Beispiel, dass ein europäischer Binnenmarkt geschaffen wurde. Ein Beispiel: Bayern ist Milchland – und Milch können unsere Landwirte heute ohne Grenzkontrollen und zusätzliche Kosten in viel mehr Länder verkaufen. Auch wurde eine fairere Konkurrenz geschaffen, zum Beispiel durch einheitliche Hygieneregeln. An diese muss sich der Bauer in Italien zunächst einmal ebenso halten wie der Unterfranke. Problematisch ist, dass Auflagen in Brüssel in Deutschland zu 100 Prozent umgesetzt werden und damit eine Struktur geschaffen wurde, die ihresgleichen sucht in Europa mit unglaublichen Dokumentationspflichten. Vor allem kleine Betriebe stoßen in Sachen Bürokratie zum Teil schlichtweg an ihre Grenzen und werfen das Handtuch. Ich würde mir wünschen, dass die Höfe wieder mehr Eigenverantwortung erhielten.

Dr. Wilhelm Böhmer ist Direktor der Bezirksverbände Ober- und  Unterfranken im Bayerischen Bauernverband.


Reproduktion: © Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.