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Wenn’s im Magen zwickt und kneift

Kinder und Bauchschmerzen: Oft sind die Ursachen harmloser Natur oder an ganz anderer
Stelle zu suchen – Doch sollten Eltern die Klagen der Kleinen nie auf die leichte Schulter nehmen

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Egal ob ein neuer Zahn wächst, oder das Knie nach einem Sturz schmerzt – einer tut fast immer weh: der Bauch. Und auch wenn die Schmerzen in vielen Fällen wieder verschwinden oder völlig andere Ursachen haben, sollten Eltern die Probleme der Kleinen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Zwar findet sich laut der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin bei satten 90 Prozent der Kinder mit Bauchschmerzen keine ernste körperliche Ursache. Doch der Würzburger Professor Dr. Thomas Meyer betont: „Die Kunst ist es, die verbleibenden zehn Prozent herauszufinden.“ Dabei weiß der Mediziner als Leiter der Abteilung für Kinderchirurgie der Chirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Würzburg, wovon er spricht, schließlich operieren er und seine Kollegen regelmäßig Babys und Kleinkinder auch wegen Leistenbrüchen, Einstülpungen des Darms oder zum Beispiel Blinddarmentzündungen.

 

Wie aber können Eltern erkennen, ob hinter den Bauchschmerzen der Kleinen harmlose Wehwehchen stecken oder aber ernsthafte Erkrankungen? Dr. Anke Dick, Kinderärztin am Universitätsklinikum und Expertin für Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts bei Kindern (Kindergastroenterologie), empfiehlt generell: Je kleiner die Kinder sind, desto zügiger sollten sich Eltern für den Arztbesuch entscheiden, lässt sich der Nachwuchs über Stunden nicht beruhigen, schreit ununterbrochen und verweigert Nahrung. Ein häufiger Hinweis auf eine organische Ursache ist auch, wenn ältere Kinder nachts unter Bauchschmerzen leiden und dadurch aufwachen.

 

Nicht selten bei Säuglingen sind so genannte Dreimonatskoliken –die Kleinen leiden dabei immer wieder unter ständigen, krampfartigen Schmerzen, der Bauch fühlt sich hart an und wirkt aufgebläht. Koliken sind zwar anstrengend für Kind wie Eltern, aber meist harmlos. Der Darm muss sich an seine neuen Aufgaben erst noch gewöhnen, im Bauch des Babys sammelt sich zu viel Luft an. Für ein wenig Linderung können bestimmte Tees, der „Fliegergriff“ oder auch  sanfte Massagen sorgen.

 

Kommen weitere Symptome wie Durchfall und Erbrechen zu Bauchschmerzen hinzu, handelt es sich laut Dr. Dick im Winter in 80 bis 90 Prozent der Fälle um eine Virusinfektion wie zum Beispiel Noroviren. Im Sommer können auch bakterielle Infektionen wie Salmonellen eine Rolle spielen. Bei Durchfall und Erbrechen sei es vor allem wichtig, den Kindern ausreichend Flüssigkeit in kleinen Schlucken zu geben. Gerade bei Säuglingen bestehe die Gefahr, dass die kleinen Körper rasch austrocknen, sie sollten wenn möglich häufiger gestillt werden. Auch gibt es spezielle Rehydrationslösungen in der Apotheke. „Kinder brauchen nichts essen, wenn sie krank sind, aber sie müssen ausreichend trinken“, betont die Medizinerin. Und zwar Tee oder Wasser. Dass Cola und Apfelsaft bei Magenproblemen helfen, sei ein hartnäckiger Mythos –beide Getränke enthielten viel zu viel Zucker. Ist der Zustand eines Kleinkinds stabil und kursieren virale oder bakterielle Infekte, ist ein Arztbesuch nicht unbedingt nötig – anders sieht dies aus bei hohem Fieber oder, wenn die Kleinen apathisch wirken.

 

Heikel ist die Situation auch, wenn Kinder urplötzlich heftige Bauchschmerzen bekommen – dann könnte es sich, je nach Alter der kleinen Patienten, um eine Darm-Einstülpung, einen Leistenbruch, einen Harnwegsinfekt, eine Hodentorsion oder auch eine Blinddarmentzündung  handeln. Bei den ganz kleinen Patienten kann es auch zu einem Volvolus kommen. Dabei dreht sich ein Abschnitt des Verdauungstraktes um seine Achse, die Blutversorgung ist nicht mehr gewährleistet, ein Darmverschluss droht. Auf einen Leistenbruch können laut Kinderchirurg Thomas Meyer ein Hubbel und Schwellungen im Leistenbereich hinweisen, betroffen sind häufig Frühchen. Leistenbrüche muss man immer operieren, eine konservative Therapiemöglichkeit gibt es nicht. „Einen Leistenbruch nicht zu behandeln ist sehr gefährlich – bei einem Buben kann sonst der Hoden, bei einem Mädchen der Eierstock verloren gehen“, betont der Mediziner. Der Eingriff sei dabei weniger aufwändig als bei Erwachsenen, meist könne ambulant behandelt werden. Schnelles Handeln ist auch bei der Invagination nötig – dabei stülpt sich ein Darmabschnitt in einen anderen. Eine mögliche, dramatische Folge: der Darmverschluss. „Eventuell löst sich die Invagination von selbst, ansonsten kann mit einem Einlauf unter sonographischer Kontrolle nachgeholfen werden“, sagt Dr. Dick. Trotzdem werden die Kinder immer stationär dabehalten, denn in den ersten 24 Stunden kann sich der Darm erneut ineinander stülpen. Im Ernstfall muss Kinderchirurg Professor Meyer operieren.

 

Doch machen diese schweren Erkrankungen nur einen kleinen Bruchteil der körperlichen Ursachen aus. Thema Nummer eins bei Bauschmerzen ist indes die Verstopfung, weiß Kinderärztin Anke Dick. Doch ist das Problem weniger banal, als es zunächst klingen mag. „Viel zu häufig wird Verstopfung auch von Ärzten einfach abgetan und zu lang mit einer Behandlung gewartet“, kritisiert die Medizinerin. „Hatten die Kleinen einmal harten Stuhlgang und dabei Schmerzen, halten sie’s beim nächsten Mal erst recht zurück“, beschreibt sie einen häufigen Teufelskreis. Verstopfung sei vielfach keine organische Bauchstörung, sondern „kopfgemacht“. „Im schlimmsten Fall kann das zu Gedeih-Störungen führen, denn wer immer unter Bauchschmerzen leidet, hat schlichtweg keinen Appetit“, warnt die Kinderärztin. Sie betont: Dauere Verstopfung länger als zwei bis drei Wochen an, gehöre sie auf jeden Fall behandelt. Auf wiederholte Einläufe sollte, außer zu Beginn der Behandlung, verzichtet werden. Auch für Kinder gibt es sehr gut verträgliche Abführmittel. Wichtig ist laut Dr. Dick, dass diese ausreichend lange und hoch genug dosiert gegeben werden. Eine Gewöhnung, wie oft befürchtet, tritt dabei nicht ein. Unbehandelt kann aus akuter Verstopfung schnell ein chronisches Problem werden.

 

Ein anderer Grund für chronische Bauchschmerzen: Unverträglichkeiten. Häufig spielen laut Dick dabei Fruchtzucker oder Gluten eine Rolle. Ziehen sich die Bauchschmerzen über längere Zeiträume hin, untersuchen Mediziner zudem auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn – eine Entzündung, die von der Mundhöhle bis zum After auftreten kann - oder Colitis ulcerosa, das heißt, eine Entzündung der Dickdarmschleimhaut. Nahrungsmittelallergien kommen laut Kinderärztin Dr. Dick seltener vor, als weitläufig angenommen. Sie warnt davor, die Ernährung von Kindern auf bestimmte Lebensmittel einzuschränken: „Liegt der Verdacht auf eine Allergie vor, gehört dies gut getestet. Werden indes bestimmte Dinge einfach weggelassen, kann das greade bei kleineren Kindern erstrecht zu Essstörungen führen.“ Unverträglichkeiten hausgemacht.  

 

Ist ein Kind von Kopf bis Fuß durchgecheckt und sind organische Ursachen für die wiederkehrenden Bauchschmerzen ausgeschlossen, können auch seelische Probleme wie Stress vorliegen – manchmal sogar schon im Kindergartenalter, vielfach bereits in der Grundschule. Auf seelische Schwierigkeiten deutet hin, wenn Kinder morgens nicht aufstehen wollen, vor allem am Morgen über Bauchschmerzen klagen oder häufiger als andere Klassenkameraden vorzeitig aus der Schule abgeholt werden müssen. Eltern wollten diese Probleme oft nicht akzeptieren. Kinderärztin Dr. Dick betont: „Dann müssen Ärzte ganz klar aussprechen, dass die kindlichen Bauchschmerzen keine organische Ursache haben.“

Der Artikel ist in „Gesundheit! - Das Magazin“ erschienen.

Kinderärztin Dr. Anke Dick (Universitätskinderklinik) und Kinderchirurg Professor Dr. Thomas Meyer (Chirurgische Universitätsklinik, Universitätsklinik Würzburg) suchen gemeinsam anhand einer Röntgenaufnahme nach den langwierigen Bauchschmerzursachen einer kleinen Patientin.

Foto: Michaela Schneider