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In der Stadt der Katzengöttin

Archäologie Die Ägyptologin Dr. Eva Lange ist Ausgrabungsleiterin in „Tell Basta“,

einem wichtigen Kultort, Handelsplatz und Administrationszentrum im alten Ägypten

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg/Tell Basta Als geheimnisvolle Katzengöttin der Ägypter ist sie heute im Bewusstsein: Bastet, Tochter des Sonnengottes Re.  Dass sie zudem mit wilden Orgien in Verbindung gebracht wird, liegt nicht zuletzt an dem Historiker Herodot, denn: Im 5. Jahrhundert vor Christus hielt er über Pilger fest, die ins Kultzentrum der Göttin zogen: „Wenn sie in Bubastis angekommen sind, feiern sie das Fest und bringen große Opfer, wobei mehr Wein getrunken wird, als im ganzen Jahr.“ Was aber ist wirklich dran an den Mythen um die Göttin Bastet und das Kultzentrum im Süden des östlichen Nildeltas rund 80 Kilometer nordöstlich von Kairo?  Das und mehr will die Ägyptologin Dr. Eva Lange in Tell Basta (wörtlich: „Hügel der Bastet“) herausfinden. Eine Lebensaufgabe.

 

In einem Langzeitprojekt - finanziert von der Egypt Exploration Society -  betreut sie als Grabungsleiterin die dortigen Ausgrabungen. Zweimal zwei Monate verbringt die 38-Jährige pro Jahr im Nildelta. Ihr Kernteam besteht dabei aus etwa zehn Mitarbeitern, tätig sind vor Ort pro Saison bis zu 30 Arbeiter – darunter Archäologen, Geophysiker, Vermesser, Keramikfachleute und Zeichner. Seit Mai 2012 hat sie zudem eine Stelle am Lehrstuhl für Ägyptologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg inne. Am kommenden Montag wird die Ägyptologin ihr Grabungsprojekt erstmals der Würzburger Bevölkerung vorstellen.

 

Seit zwölf Jahren beteiligt sich Lange inzwischen an den Ausgrabungen in Tell Basta – anfangs noch als Studentin. 2008 – damals war die Ägyptologin gerade einmal 34 Jahre jung – übernahm sie das Projekt als Grabungsleiterin. „Es ist gut, dass man anfangs nicht weiß, was da alles dranhängt. So eine Mission ist wie ein eigenes Kind, das man nicht mehr abgeben kann“, sagt sie und schmunzelt. Neben der rein wissenschaftlichen Arbeit muss Lange unter anderem regelmäßig Gelder organisieren, Behördliches um die Grabungsgenehmigungen in Ägypten regeln und die Unterkünfte für ihr Grabungsteam vor Ort managen.

 

Zunächst einmal räumt Lange mit dem größten Mythos um die Göttin Bastet auf: Tatsächlich wurde diese sehr lange Zeit in Gestalt einer Löwin verehrt. Zur Katzengöttin indes machten die Ägypter sie erst später. Tell Basta bezeichnet Lange unter den rund 300 aktuellen Ausgrabungsstätten in Ägypten als eine der bedeutenderen. Ein Grund: Die Tempelstadt war spätestens seit dem Alten Reich Distriktmetropole – und noch in der Ptomeläerzeit zählte sie zu Ägyptens wichtigsten Heiligtümern. Das bedeutet: Ägyptologen haben hier die Chance auf Funde aus drei Jahrtausenden. „Tell Basta war Kultstätte, Handelsort und Administrationszentrum mit Zugang zu zwei Nilarmen und einem Landweg nach Palästina und auf den Sinai“, verdeutlicht Lange die Bedeutung der Grabungen.

 

Hinzu kommt: Im Nildelta gibt es nur wenige Orte, an denen noch viel zu finden ist. Ursachen: die klimatischen Bedingungen mit viel Regen und starker Grundwassertätigkeit, der Besiedlungsdruck und intensiv betriebene Landwirtschaft. Tell Basta indes befindet sich schon lange im Besitz der Antikengesellschaft, dadurch waren große Teile der Anlage auf einer Fläche von rund 60 Hektar relativ geschützt. Jedoch nicht alle - bekannt ist, dass die einstigen Friedhöfe mit mumifizierten Katzen heute überbaut sind. Archäologisch untersucht hat das Grabungsteam bisher etwa ein Sechstel der Tempelstadt.

 

„Als Grabungsleiterin fühlt man sich wie Frodo, der Ringträger. Die Verantwortung

und Sorge für eine solche Grabungsstätte wird man sein Leben lang nicht mehr los.“

 

(Dr. Eva Lange, Ägyptologin)

 

 

Dabei bewegt sich das Grabungsteam langsam von der eigentlichen Tempelanlage weg in die antike Stadt hinein. Denn: Mit dem Tempel befassten sich bereits frühere Archäologen-Generationen. Aktuell untersuchen die Experten deshalb das Areal direkt vor dem „Tempel der Bastet“, Lange spricht vom „Bezirk des Heiligen Areals“ und der „Verbindung zwischen Tempel und Stadt“. Hier befanden sich einst vermutlich administrative Gebäude, Werkstätten und Priesterunterkünfte. In nächsten Schritten soll dann außerhalb des Tempelareals gegraben werden. „Antike Städte sind weniger erforscht als die Tempelanlagen selbst. Das sollten wir jetzt tun, solange es überhaupt noch möglich ist“, sagt Lange, erklärt: „Die Rede ist hier nicht von massivem Stein, sondern von Lehmbauten.“

 

Dabei arbeiten sich die Archäologen Planquadrat für Planquadrat vor, stoßen immer wieder auf Fundamente, Mauerwerke, Tonhäuser, Schichten aus Asche, Vorratsgruben, gepflasterten Fußboden und kleine Funde wie Keramikgefäße, Amulette, Perlen, Münzen oder Speisereste. Aufschluss geben die derzeitigen Grabungen laut Lange über den „Alltag in elitärer Gemeinschaft und einem religiösen Umfeld“.  Um die 100 Befunde dokumentiert das Team dabei pro Grabungssaison – ausgewertet und eingeordnet werden sie dann von Deutschland aus. „Bis man befriedigende Antworten auf zentrale Fragen findet, dauert es allerdings häufig Jahre – oft sind schlichtweg weitere Grabungen nötig“, sagt die Ägyptologin.

 

Die bedeutendsten Funde bisher in Tell Basta waren dabei eine elf Meter hohe Monumentalstatue von der Königin Ramses‘ II. sowie das so genannte Kanopus-Dekret im Jahr 2004. Dabei handelt es sich um den Beschluss einer Priestersynode im Jahr 238 vor Christus. Das Dekret wurde nur an den bedeutendsten Kultorten platziert – damit liefert es den Beleg, dass Tell Basta auch in der Ptolemäerzeit noch zu den wichtigsten Heiligtümern Ägyptens zählte. Für Dr. Eva Lange indes war ein anderer Fund am aufregendsten: Während eines Tiefenschnitts stießen die Archäologen auf sehr kleine Fayenceelemente. Auf einem von ihnen fand sich eine Kartusche der Libyerkönige. „Dass sie noch erhalten war und wir genau dort gegraben hatten, ist eigentlich unglaublich“, so die Ägyptologin.

 

Und wie viel Wahrheit ist nun an den wilden Orgien dran, die sich um den Bastet-Mythos ranken? Lange geht inzwischen davon aus, dass Herodot letztlich eine Art Kultspiel beschreibt, das den Kampf zwischen Bastet und dem Gott Seth thematisiert. Sie vermutet, dass sich das mythologische Spiel später zu einer Art Festival ausweitet, das zahlreiche Pilger anzog. Nach weiteren Belegen, die diese Theorie stützen,  sucht sie noch.

 

Der Artikel ist unter anderem in der Tauberzeitung erschienen

Dr. Eva Lange und ein Kollege bei Vermessungsarbeiten in Tell Basta.

 

Auf dem Uräusschlangenstein in Tell Basta zu sehen: die Göttin Bastet in Gestalt einer Löwin.

Fotos: Eva Lange