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Schlittenkarussel und barocke Maskerade
Kunsthistorikerin erzählt im Mainfränkischen Museum, wie
im fürstbischöflichen Würzburg des 18. Jahrhunderts Fasching gefeiert wurde


Von Michaela Schneider

Würzburg Mit Giovanni Batistta Tiepolo und seinen beiden Söhnen weilen im Jahr 1751 gleich drei Venezianer am fürstbischöflichen Hof in Würzburg. Drei Herren also, die aus einer der Hochburgen prächtiger Karnevalsfeiern stammen. Und just im Jahr 1751 feiert handverlesenes, hochrangiges Personal des Fürstbischofs ein rauschendes Fest von „einer minister mässigen magnificenz“, so die Überlieferung. 18 Speisen und fünf Konfektkörbe werden gereicht, es wird zur Musik getanzt und gespielt. Zufall? Nein, die Kunsthistorikerin Dr. Verena Friedrich geht davon aus, dass die sogenannte Redoute zu Ehren der venezianischen Gäste gegeben wurde. Doch war dies nicht das einzige Karnevalstreiben, dem man zu jener Zeit in der Stadt am Main frönte: „Redoute, Ball und Schlittenkarussel – Faschingsvergnügungen im barocken Würzburg“ war eine Führung mit Umtrunk im Mainfränkischen Museum auf der Festung Marienberg betitelt.  


Zurück ins Jahr 1751 zur Karnevalsfeier für das fürstbischöfliche Personal. Auch wenn dies nirgends verzeichnet ist, so geht Friedrich doch davon aus, dass Ärzte und Kammerdiener, Küchenmeisterin und Kanzlist, „zwei Mahler Diepolo“ sowie die anderen Gäste zum Ball für die „hochfürstlichen Cammerdiener“ maskiert erschienen. „In Würzburg kannte man innerhalb seiner Gesellschaftsschicht jeden“, so die Kunsthistorikerin. Die Masken ermöglichten Anonymität und stellten gesellschaftlich alle Gäste gleich. In der Ständegesellschaft jener Zeit die absolute Ausnahme…


Und noch über eine weitere Würzburger Faschingsbelustigung berichtet Hoffourier Johann Christoph Spielberger in seinen Aufzeichnungen aus dem Jahr 1751. Demnach starteten an verschiedenen Abenden bei Fackelbeleuchtung Offiziere, die Noblesse  und schließlich die Juristen zur prunkvollen Ausfahrt. Aus einem der inneren Höfe der Residenz fuhr die Gesellschaft über den Graben Richtung Neubaugasse und wieder zurück zur Residenz. Dabei ging es bei weitem nicht nur ums Schlittenfahren, vor allem wollten die Teilnehmer gesehen werden. Entsprechend prachtvoll,  oft regelrecht exzentrisch, sahen die Gefährte aus und auch die Pferde wurden mit Federbüschen, Bändern und anderem Schmuck herausgeputzt.

Das geht unter anderem aus den Aufzeichnungen eines Johann Andreas Geisler hervor. Er schreibt wörtlich über die Schlitten: „Sie präsentieren zuweil artige Figuren, und siehet man gemeiniglich allerhand wilde Thiere auf denselben zur Zierath als Bären, Tygerm Löwen, Hirschen oder Vögel, als Reyher, Pelicane, Schwane, Adler, Straussen u.s.w., die entweder ausgestopft oder ausgeschnitzt.“  


Einen bildlichen Eindruck verschaffen können sich Besucher in der aktuellen Sonderausstellung „Winterfreuden“ im Mainfränkischen Museum, denn ausgestellt werden hier unter anderem zwei barocke Schlitten. Das eine Gefährt sieht aus wie ein Jaguar. Das Tier ist verletzt, in der rechten Schulter steckt ein Pfeil und es bäumt sich wütend auf. Der zweite Kastenschlitten ist in Form eines springenden Widders gestaltet. Ein beliebtes Motiv im Barockzeitalter, denn in Anlehnung an das Lamm Gottes stand der Widder nicht nur für Christus, sondern allgemein für Königtum und Herrschermacht.

Weitere Schlittenfahrten zur Karnevalszeit sind in den Jahren 1752 und 1767 verzeichnet, doch die Feierlichkeiten im Jahr 1751 waren wohl ganz besonders aufwändig. Ob zu Ehren der Venezianer in der Mainmetropole, weil ausreichend Schnee lag oder weil man die lange herbeigesehnte Friedenszeit feierte, wird laut Kunsthistorikerin Friedrich wohl niemand mehr beantworten können.


Prachtvolle Schlittenfahrten bei Fackelschein also als Vorläufer der heutigen Faschingsumzüge? Kunsthistorikerin Friedrich bejaht und ergänzt: Selbst das Kamelle-Werfen stamme aus jener Zeit, hatte allerdings ursprünglich einen anderen Zweck, denn: Die Schlittenfahrer bewarfen sich gegenseitig mit Konfekt und Obst. Die Zuschauer durften lediglich aufheben und behalten, was auf den Boden fiel.   


Und Friedrich weiß von noch einer weiteren, spannenden Episode aus der Würzburger Barockzeit während der Faschingszeit zu berichten: Regelmäßig kam es demnach vor, dass Komödianten, Artisten und Schausteller in die fürstbischöfliche Stadt kamen, jedoch mit einem Auftrittsverbot belegt wurden. So auch der holländische Pantomime Anton de Angeli im Jahr 1752 – und zwar wegen ungebührlicher Gesten. Wie diese aussahen, erfuhren die Würzburger seinerzeit nicht. 262 Jahre später allerdings legte Dr. Verena Friedrich nun beim vergnüglichen Faschingsvortrag im Mainfränkischen Museum den Besuchern ein Schmankerl vor: In den Akten des fürstbischöflichen Gebrechenamtes hat sie einen Kupferstich entdeckt, den Antonio de Angelis wohl seinem Auftrittsantrag als eine Art Werbeprospekt beilegte. Darauf zu sehen: sämtliche Figuren, inklusive der „ungebührlichen“, die seine drei Kinder seinerzeit beherrschten.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Petra Weingart begründete in Deutschland das Bildungsprogramm „Lernen durch die Künste“.


Foto: Michaela Schneider


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