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Spitzentanz und heiße Breakdance-Kartoffeln
Namhafte Compagnien aus dem In- und Ausland zeigen bei der Würzburger
Ballettgala herausragendes Niveau vom klassischen Ballett bis zu modernem Tanztheater


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Zwei Männer stehen da wie eins, nur ein Barcode zieht sich über die nackten Oberkörper. Ein imaginärer Scanner versetzt die Beiden in roboterhafte Bewegungen. Der Armenier Arman Aslizadyan und der Brasilianer Reginaldo Oliveira bescheren dem Würzburger Publikum am Mainfranken Theater im Folgenden intelligente, witzige und tänzerisch herausragende  Minuten. „Two 4 One“ haben die zwei Tänzer ihre eigene Choreographie betitelt, zu Deutsch: Zwei zum Preis für einen. 13 zum Preis für einen bekamen die Zuschauer der diesjährigen Ballettgala geboten.


Die Darbietungen namhafter Ballettcompagnien aus dem In- und Ausland reichten von der hohen Schule des klassischen Balletts über modernes Tanztheater bis hin zur rasanten Breakdance-Formation. Dass die Ballettgala im Rahmen der Würzburger Balletttage Wochen vorher ausverkauft war, erstaunt nicht beim Blick ins Programm. Der Ballettdirektorin des Mainfranken Theaters, Anna Vita, war es erneut gelungen, herausragende Künstler nach Würzburg zu laden.


Mit der Choreografie „The Boy“ eröffnete Louis Stiens vom Stuttgarter Ballett die Gala. Ein marschierender Fußsoldat; ein verzweifelter Versuch, sich aus der fremd bestimmten Marionettenhaftigkeit in wunderbare Cembalo-Klänge zu befreien; die Erkenntnis, dass auch im Ballettsaal militärische  Härte wartet: Stiens tanzt anschaulich, das Publikum erlebt, wie viel Aussage mit Körperbewegung möglich ist. Zwei weitere Nummern des Stuttgarter Balletts folgen im Laufe des Abends, das Ensemble zählt zu den weltweit führenden Ballett-Compagnien.  Mit „Äffi“ setzt Choreograph Marco Goecke Johnny Cash ein humoriges Denkmal. Tänzer Robert Robinson lässt Hände kommunizieren, zeigt dem Publikum den Rücken. Kraftvolle Muskelspiele treffen auf augenzwinkernd überzogenen Ausdruck. Mit „Speedi“ erleben die Würzburger aus Stuttgart gar eine Uraufführung. Choreograph Stiens holt sich dazu Robert Robinson auf die Bühne zum Kräftemessen zweier Männer – mal rasant, mal in Zeitlupe.


Das Publikum darf den Abend über bei modernen Pas de deux dahinschmelzen. Exemplarisch ein Blick auf Michael Fokines Schlussszene aus „Der Feuervogel“, erneut in der Choreografie von Marco Goecke. Abigail Sheppard als Feuervogel und Gabriel Davidsson als Prinz begegnen sich. Finger zittern, Arme flattern, neugierig-schüchterne Blicke treffen sich. Dabei kommen die Tänzer des Estnischen Nationalballetts mit wenigen, umso ausdrucksstärkeren Berührungen aus. Mit „Minos“ tanzen sich Suzanna Kaic und Edo Wijnen vom Niederländischen Nationalballett durch das Labyrinth des Minotaurus, wie Cyborgs bewegen sich Emily Nicolaou und Fabio Liberti vom Danish Dance Theatre zu elektronischem Klicken in der Choreografie „Black Diamonds“ über die Bühne. Ein Spiel aus sinnlicher Eleganz, Mozartklängen und Lichteffekten präsentiert Magdalene Pawelec vom Theater Nordhausen im Solo „lost soul found“.


Es versteht sich: Bei einer Tanzgala darf auch die hohe Kunst der Ballettschule nicht fehlen mit viel Spitzentanz, Hebefiguren, Pirouetten: Irina Perren und Marat Shemiunov vom Mikhailovsky Theater St. Petersburg tanzen ein Pas de deux aus „Esmeralda“. Noch ansprechender, weil wesentlich lustvoller, entführen später Andrea Kramesova und Dmytro Tenytskyy mit Tschaikowskys „Nussknacker“ in die Weihnachtszeit.


Der Kontrast zum klassischen Ballett könnte kaum größer sein – und davon lebt die Ballettgala: Mit „We are the Hot Potatoes“ zeigen die beiden Breakdancer Dominik Blenk und Markus Heldt aus Lohr was mit Körpergleichwicht, rasanter Akrobatik, exakten Zeitlupen und viel Humor möglich ist. Im Mai holten die beiden mit ihrer Show den Titel „European Champions“ in der höchsten Duo-Kategorie der United Dance Organisation - und auch das Würzburger Publikum bejubelt die Unterfranken.

Zuletzt ein Blick auf die Gastgeber. Die Ballettcompagnie des Mainfranken Theaters braucht sich mit zwei emotionalen Choreografien nicht verstecken hinter den großen Balletthäusern. „Apology“ von Armen Hakobyan erzählt eine sinnliche Liebesgeschichte, die von Rechtfertigung und Verzeihen handelt. Was am Ende bleibt, ist die Erinnerung – getanzt von einem zweiten, schattenhaft-leuchtenden Paar. Zudem erlebt das Publikum mit „Who Cares“, ebenfalls von Armen Hakobyan, auch aus Würzburg eine Uraufführung. Kaori Morito und Davit Bassénz verzaubern, schlichtweg schön anzuschauen, mit getanzten Emotionen zwischen Liebe und Hass.


Fazit des Abends: Hohes Tanzniveau in derartiger Vielfalt erlebt das mainfränkische Publikum selten. Nicht jedem braucht alles zu gefallen, aber für jeden ist etwas dabei. Das wissen die Zuschauer zu schätzen. Stehende Ovationen zollen sie am Ende des Abends nicht nur den Tänzern. Sie bejubeln ebenso Ballettdirektorin Anna Vita, die die bunte Gala im bereits fünften Jahr auf die Beine gestellt hatte.



Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.