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Mozart, kuschelige Decken und glückliche Kinder
Mit den Babykonzerten etabliert das Mainfranken Theater eine neue Konzertreihe und spricht eine völlig neue Zielgruppe an


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Magdalena tanzt gerne. Klassische Musik hat die Zweijährige bisher nicht gehört. Aber als das Streichorchester Wolfgang Amadé Mozarts kleine Nachtmusik anstimmt, fängt das Mädchen wie selbstverständlich an, sich im Kreis zu drehen. Und als das 45-minütige Konzert vorbei ist, wartet auf Magdalena noch ein ganz besonderes Erlebnis: Mit der Mama an der Hand schaut sie sich die Musiker des Philharmonischen Orchesters und ihre Instrumente ganz genau an – und erster Konzertmeister Franz-Peter Fischer spielt nur für die Kleine das Lied „Guten Abend, gute Nacht“. Spätestens jetzt weiß das Mädchen: Musik kommt nicht immer nur von der CD, sondern manchmal auch aus echten Musikinstrumenten. Mit Babykonzerten speziell für Schwangere sowie für Kinder zwischen 0 und drei Jahren und ihre Familien spricht das Mainfranken Theater eine völlig neue Zielgruppe an. Drei Konzerte stehen in der Spielzeit auf dem Programm, das Auftaktkonzert ist mit knapp 100 Besuchern restlos ausverkauft.


Ganz viele kleine Menschen erleben an diesem Nachmittag ihr erstes Livekonzert im Leben – übrigens auch der jüngste Spross von Generalmusikdirektor Enrico Calesso. Musiziert wird nicht im Theatersaal, sondern im oberen Foyer des Mainfranken Theaters. Auf Stühlen sitzt bei diesem Konzert fast niemand, denn direkt vor dem 15-köpfige Orchester in klassischer Streichbesetzung wartet auf die Familien eine große Kuschellandschaft aus Teppichen, Kissen und Decken. Ein paar Babys nuckeln genüsslich an Flaschen, kleine Mädchen und Jungen kuscheln bei Mama oder Papa im Arm, andere Kinder knüpfen bereits erste Kontakte zu ihren kleinen Sitznachbarn oder marschieren selbstbewusst durchs Foyer. Generalmusikdirektor Calesso fordert die Eltern nach den ersten Takten noch einmal auf: „Lassen Sie Ihre Babys und Kinder die Musik einfach so genießen, wie es am besten passt.“  


Die Musik hat Calesso clever ausgewählt: Eingängig und bekannt genug, so dass auch Eltern einen raschen Zugang finden, die wenig klassikerfahren sind. Und ruhig und harmonisch genug, so dass das Konzert über kein einziges Kind schreit. Begleitet werden die Streicherklänge von Gebrabbel sowie Fußtrappeln, und ab und zu von einem freudigem Lachen oder Glücksjauchzer. Zu Tschaikowskis Walzer aus der Serenade für Streicher op. 48 beginnen zwei Jungen sofort zu Tanzen, zu Antonin Dvořáks erstem Satz aus der Serenade für Streicher op. 22 und Johann Sebastian Bachs bekanntem Werk „Air“ erzählt der Generalmusikdirektor vorweg launige Anekdoten. Edvard Grieg und Edward Elgar komplettieren das Konzert, ehe am Ende erneut ein Satz aus Mozarts kleiner Nachtmusik ertönt.


Zahlreiche Orchester haben inzwischen Babykonzerte etabliert – wohl vor allem, weil ein Konzertbesuch für junge Eltern sonst in vielen Fällen kaum mögliche  wäre. Auch geht mancher Wissenschaftler davon aus, dass der Musikgeschmack bereits früh geprägt wird. Wer demnach als Baby klassische Musik hört, wird dazu auch als Erwachsener einen besseren Zugang haben. Den so genannten „Mozart-Effekt“ hat die Forschung indes mittlerweile entzaubert. Der Begriff wurde geprägt durch eine Studie aus dem Jahr 1993, Psychologen hatten über verbesserte Leistungen nach dem Hören von Mozarts Musik berichtet. Die Annahme, Mozartmusik mache schon Embryos und Babys schlau, sorgte für reichlich Begeisterung in der Musikwelt. Neuere Untersuchungen konnten den Mozart-Effekt allerdings nicht bestätigen.


Doch ganz unabhängig davon, ob nun Klassik schlauer macht oder nicht: Wichtig ist vor allem, dass die kleinen und großen Besucher sehr viel Spaß haben – und dies für viele von ihnen sicher nicht das letzte klassische Livekonzert gewesen sein wird. So bestimmt auch für den eineinhalbjährigen Jonathan. „Wir waren mit ihm auch schon auf einem kleinen Konzert mit zwei Musikern. Da war er ganz gebannt dabei, deshalb bin ich mit ihm jetzt auch zum Babykonzert gegangen“, erzählt der Papa. Diesmal sei das Söhnchen zwar ziemlich aktiv gewesen und fröhlich spazieren gegangen. Gefallen hat`s den beiden trotzdem. „Ich möchte, dass Jonathan Rhythmus und Taktgefühl entwickelt. Klassik kommt gut an, da kann man nicht viel falsch machen“, so der Papa.


Zwei weitere Babykonzerte am Mainfranken Theater finden am 16. April und 18. Juni 2016 jeweils um 16 Uhr statt.



   



Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.