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Mobilität gilt als Grundbedürfnis des Menschen. Und sie ist entscheidender Motor für die Wirtschaft. Doch das hohe Verkehrsaufkommen hat seine Schattenseiten - Staus, Unfälle, einen hohen Kraftstoffverbrauch, Treibhausgas-Emissionen. Stellt sich die Frage: Mobil auch ohne Auto, geht das? In Franken suchen Privatleute, Initiativen, aber auch Kommunen nach umweltfreundlichen Mobilitätsangeboten.


„Ich weiß, dass ich durch mein Radfahren glücklich bin“

Von Michaela Schneider

„Ich habe kein Auto, weil ich`s nicht brauche“, sagt Christoph Leikam. Das klingt erstaunlich, weiß man, dass der 33-jährige Realschullehrer nicht nur drei kleine Kinder hat, sondern auch Pferd und Hunde besitzt. Hinzu kommt: Er lebt in keiner Großstadt mit attraktiver Runduminfrastruktur, sondern in der Kleinstadt Hilpoltstein im mittelfränkischen Landkreis Roth. Hätte man den jungen Vater vor wenigen Jahren gefragt, ob er aufs Auto verzichten könne, hätte er wohl entsetzt verneint.  

Tatsächlich findet derzeit vielerorts ein Umdenken in Sachen Mobilität statt. Kommunen entwickeln nachhaltige Konzepte für die Bürger, in Würzburg zum Beispiel gibt es seit Kurzem Mobilstationen. Wer ohne Auto unterwegs ist, kann hier ganz flexibel zwischen Carsharing, Leihrädern, Taxi oder Straßenbahn wählen, wechseln oder auch Mobilitätsangebote kombinieren. Unternehmen, so etwa der Bioverlag in Aschaffenburg, beteiligen sich an staatlich geförderten Modellprojekten wie „mobil.pro.fit“, basteln an Ideen für eine klimaschonende Mobilität im Betrieb und motivieren Mitarbeiter, den Privatwagen stehen zu lassen und auf Fahrgemeinschaften, Bahn und Busse oder Fahrräder umzusteigen. In vielen Städten wie auch Nürnberg verwandelten zum internationalen „PARK(ing) Day“ heuer Bürger und Künstler einen Tag lang graue Stellflächen in farbenfrohe Parks, um zu zeigen, wie es aussehen könnte, wenn es weniger Autos und mehr Platz zum Leben in den Städten gäbe. Treibende Kraft sind bei so öffentlichkeitswirksamen Aktionen häufig bundesweit organisierte Gruppierungen wie „autofrei leben“ oder auch lokale Initiativen wie der Nürnberger Verein Bluepingu, der sich bessere Lebensbedingungen im Zeichen der Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Doch gibt es tatsächlich Alternativen zum Privatwagen, gerade auch auf dem fränkischen Land? Flächendeckend sicher nicht, zumindest aber erste Vorreiter.


Doch zunächst zurück zu den Leikams. Wie kam es, dass das Ehepaar vor einem knappen Jahr das Auto verkaufte? „Wir waren nach Hilpoltstein gezogen, meine Frau konnte zur Arbeit laufen, ich fahre mit dem Zug zur Schule nach Nürnberg-Eibach“, erzählt der 33-jährige Familienvater, fährt fort: „Irgendwann merkten wir, dass wir das Auto kaum benutzen, außer für größere Einkäufe.“ Also machte sich das Ehepaar auf die Suche nach Alternativen – und wurde fündig in Form zweier auch wintertauglicher Lastenräder mit Elektrounterstützung. Ins eine – überdacht, mit zwei Sitzbänken und Gurten - passen vier Kinder, im zweiten lassen sich Lasten mit einem Gewicht von bis zu 150 Kilo transportieren. Sind doch einmal längere Strecken zu überbrücken, fährt die Familie Bahn. Und braucht es vier oder fünf Mal im Jahr ein Auto, um etwa das Pferd im Anhänger zu transportieren, kann Christoph Leikam den Wagen der Mutter leihen. Alternativen dazu gibt es bis dato in Hilpoltstein keine – weder eine Autovermietung noch Carsharing-Projekte.


Anders sieht dies im Raum Bamberg aus, hier ging bereits vor 23 Jahren der Verein „Ökobil“ an den Start, aktuell zählt er laut Geschäftsführer Georg Pelzer 450 Mitglieder, die das Mobilitätsangebot nutzen – vom Student bis zum Rentner, von Ärzten bis zu kleineren Firmen. 22 Fahrzeuge stehen rund um die Uhr dezentral über Stadt und Umland verteilt inklusive einem ersten Elektrofahrzeug. Auf die Nutzer werden nur die nötigsten Kosten umgelegt. Entstehen doch Gewinne, werden diese in Reparaturen und vielleicht einmal ein neues Fahrzeug investiert. Auch Georg Pelzer besitzt übrigens kein eigenes Auto – ganz einfach, weil`s ihm mit Blick auf Versicherung, KFZ-Steuer und Co. zu teuer wäre. Anders als „Ökobil“ arbeiten große, überregionale Carsharing-Portale auf Gewinn hin. Pelzer hält sie trotzdem für sinnvoll, um gerade in Ballungsräumen eine gute Infrastruktur zu garantieren. Verliehen Autobesitzer den eigenen Privatwagen über eine Plattform, empfiehlt der Experte, sehr genau auf Transparenz zu achten, vor allem in Hinblick auf die versicherungsrechtliche Seite. Und einen Vertrag braucht`s übrigens auch, wenn man sich mit dem Nachbarn ein Auto teilt. „Man versteht sich gut, bis der erste Schaden da ist“, bringt es Hahn auf den Punkt. Im Vertrag wird zum Beispiel geregelt, wer sich um Werkstattkosten kümmert, wann getankt wird und was im Schadensfall geschieht. Musterverträge stellen Carsharing-Vereine oder etwa auch der ADAC zur Verfügung.


Kein Auto, sondern gleich einen ganzen Bus teilen sich indes die Bürger der Gemeinde Rödelsee im Landkreis Kitzingen. Angeschafft hatte ihn die Kommune im Jahr 2009. „Wir wollten Flexibilität schaffen für verschiedene Lebensbedingungen“, nennt Bürgermeister Burkhard Klein als Intention. Eine gute Anbindung an den ÖPNV bestehe, trotzdem werde das kommunale Angebot intensiv genutzt – ob von Vereinen, Einrichtungen, von Privatleuten als Urlaubsbus, für einen Junggesellenabschied, vom Kindergarten oder der Feuerwehr. Wer den Bus nicht selbst fahren möchte, bekommt von der Kommune einen Fahrer vermittelt.  Mehr als 100000 Kilometer hat der Freizeitbus inzwischen auf dem Blechbuckel. Und die Nachfrage ist groß – für Pfingsten ist das Gefährt bereits für die nächsten zehn Jahre reserviert. Ob der jetzige Bus bis dahin durchhält, sei dahin gestellt. Klein ist sich aber sicher: „Es wird ein Folgebus kommen.“


Mobilität gewährleisten – die Idee hatte man auch im oberfränkischen Heilgersdorf bei Seßlach. Hier allerdings ging es um noch mehr, denn 2007 hatte in dem 600-Einwohnerörtchen das letzte Geschäft geschlossen. Die Dorfgemeinschaft eröffnete einen Dorfladen und bekam einen VW-Bus gespendet. „Zunächst dachten wir an einen Lieferservice, das kam aber nicht an. Die Leute sind zu haptisch veranlagt“, erzählt Volker Hahn, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Dorfladens und Geschäftsführer des Instituts für Nahversorgungs Services GmbH in Seßlach. Alternativ etablierte man einen Hol- und Bringservice, insgesamt acht Ortschaften werden einmal pro Woche oder außer der Reihe auf Zuruf angefahren und bringen die Bewohner zum Dorfladen. Schöner Nebeneffekt: Die ältere Bevölkerung nutzt die Fahrten als Freizeitangebot, im Laden wird nach dem Einkauf ein Café getrunken und geplaudert. Gerade für einige verwitwete Rentnerinnen ohne Führerschein bedeute das Mobilitätsangebot viel Lebensqualität, betont Hahn. Als nächstes denken die Heiligersdorf nun darüber nach, ein oder zwei Elektromobile anzuschaffen und in Kooperation mit der Diakoniestation ein Carsharing-Angebot zu etablieren. Die Idee: Sowohl die Pflegekräfte als auch die Bevölkerung könnten die Fahrzeuge nutzen.


Vom Auto zum Schluss nach einmal zurück aufs Fahrrad – und zwar in den Nürnberger Fahrradladen „ride on a rainbow“ des 54-jährigen Frank Ober. 1989 ging sein Auto in Flammen auf – heute sieht er den Moment als Glücksfall, denn damals fiel für ihn der Entschluss, in die Radbranche einzusteigen. Heute ist er derart überzeugter Radfahrer, dass er selbst als Beifahrer in kein Auto mehr steigt. Stattdessen besitzt er sieben Fahrräder vom Anna-Frida-Rad mit Kindersitz für das Ziehtöchterchen, über Mountainbike, Rennrad, Stadtrad, Hochrad und Tandem bis hin zum Tourenrad. Letzteres fährt Frank Ober seit 1989 – und bereiste damit unter anderem Italien, Frankreich, Dänemark, Polen und sogar Mexiko.  Auch im Unternehmen „ride on a rainbow“ erledigt das Team um den Nürnberger Idealisten sämtliche Einkäufe mit einem Transportrad. Radfahren mache Laune, man bewege dabei nicht nur die grauen Zellen, sondern auch den Körper, gemeinsame Radtouren seien eine herrlich kommunikative Angelegenheit und nicht zuletzt lasse sich durchs Radeln  jede Menge Geld sparen, hält Ober ein Plädoyer auf den Drahtesel. Und kommt zu dem Resümee: „Ich weiß, dass ich durch mein Radfahren glücklich bin.“

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Der Artikel  ist unter anderem  in „Franken. Magazin für Land und Leute“ erschienen.