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„Ich fühle mich in der Welt wie ein Außerirdischer“  
Das Autismus Kompetenzzentrum Unterfranken e.V. unterstützt Betroffene, ein möglichst
selbstständiges, eigenverantwortliches Leben zu führen. - Am 2. April ist Welt-Autismus-Tag


Von Michaela Schneider

Würzburg/Unterfranken Sie erzählen von Chaos im Kopf und erschaffen sich ihre ganz eigenen Strukturen. Sie tun sich schwer, Gefühle auszudrücken oder es fällt ihnen schwer Blickkontakt selbst mit engen Verwandten zu halten. Andererseits entwickeln Menschen mit Autismus in ihren Fachbereichen oft Fähigkeiten, die die Umwelt staunen lassen. Am 2. April ist Welt-Autismus-Tag. Diplom-Sozialpädagogin Daniela Ursel, Mitarbeiterin des Autismus Kompetenzzentrums Unterfranken e.V., erzählt im Interview von ihrem Arbeitsalltag mit Menschen mit Autismus und von Unterstützungsangeboten, die Betroffenen zu einem möglichst selbstbestimmten Leben verhelfen sollen.  


Wie nimmt ein Mensch mit Autismus seine Umwelt wahr?

Daniela Ursel: Es gibt keine Pauschalwahrnehmung. Aber es gibt einige typische Punkte: Menschen mit Autismus nehmen zum Beispiel Vieles wortwörtlich. Ironie, Sarkasmus oder Sprichworte können zwar erlernt werden, aber das intuitive Verstehen fehlt. Auch sind einige Betroffene extrem geruchs-, geräusch- und/oder lichtempfindlich. Menschen mit Autismus entwickeln für sich häufig ganz eigene Strukturen. Unsere gesellschaftlichen Normen und Regeln spielen für sie meist keine Rolle, Smalltalk zum Beispiel ist ihnen eigentlich nicht wichtig. Ein Betroffener hat einmal erzählt, er fühle sich auf der Welt wie ein Außerirdischer. Und ein Kind meinte, „es müsste nachdenken gehen“. In einer Welt, die immer schnelllebiger wird und extreme Flexibilität verlangt, tun sich Menschen mit Autismus besonders schwer.

   

Was genau ist Autismus eigentlich?

Ursel: Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung mit unterschiedlichen Ausprägungsgraden. Das in Deutschland angewandte Klassifikationssystem unterscheidet zwischen Frühkindlichem Autismus, Atypischem Autismus und dem Asperger Syndrom. In den USA wird inzwischen von einer „Autismus-Spektrum-Störung“ gesprochen. Die Forschung sagt: Autismus ist genetisch bedingt und löst Veränderungen im Gehirn aus, die wiederum die Wahrnehmung und folglich das Verhalten beeinflussen. Jungen sind drei bis vier Mal häufiger betroffen als Mädchen. Gemeinsam sind den Betroffenen die Beeinträchtigung der Kommunikation und der sozialen Interaktion, sowie auftretende stereotype und repetitive Verhaltensweisen. Dennoch ist  jeder Mensch mit Autismus sehr individuell in seiner Wahrnehmung und seinem Verhalten anzusehen.


Was bedeutet die Diagnose Autismus für Angehörige?

Ursel: Eltern merken in der Regel früh, dass irgendetwas anders verläuft – zum Beispiel, weil das Kind im Kindergarten nur alleine spielt, mit Rollenspielen absolut nichts anfangen kann, keinen Blickkontakt hält oder bei Veränderungen völlig aus der Bahn geworfen wird. Wird bei einem Kind Autismus diagnostiziert, versuchen wir zunächst einmal, den Eltern die „Autismusbrille“ aufzusetzen, das heißt, mit den Eltern zu erarbeiten, wie ihr Kind die Welt versteht beziehungsweise wahrnimmt. Kinder mit Autismus melden meiner Erfahrung nach viel zurück –es muss nur verstanden werden. Wir versuchen dann gemeinsam mit den Eltern herauszufinden, was das Kind braucht.


Welche Hilfsangebote gibt es?

Ursel: Die Hilfsangebote sind sehr individuell und sind abhängig von der jeweiligen Lebenssituation des Betroffenen. Wichtig ist uns, das ganze Umfeld und das bestehende Netzwerk im Blick zu haben, so zum Beispiel Kindergarten, Schule, Frühförderung, Agentur für Arbeit, Ärzte, Therapeuten und so weiter.


Stehen Kindern mit Autismus alle Schularten offen?

Ursel: Ja, von der Förderschule bis zum Gymnasium. Auch gibt es gerade in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern wie Mathematik, Chemie, Physik, Informatik oder Maschinenbau Studenten mit Autismus. Häufig entwickeln Menschen mit Autismus in ihrem Fachgebiet ein Spezialinteresse, in dem sie sich dann extrem gut auskennen.


Ein Blick auf den Arbeitsmarkt: Wie gut werden Menschen mit Autismus integriert?

Ursel: Wir beobachten eine zunehmende Öffnung, Autismus ist in den letzten Jahren verstärkt zum Thema geworden. Es gibt Hilfen bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt, aber sie gelingt nicht immer. Wichtig sind klare Arbeitsabläufe. Auch IT-Firmen öffnen sich, um die speziellen Fähigkeiten und Begabungen von Menschen mit Autismus zu nutzen.


Wie selbstbestimmt kann ein Mensch mit Autismus leben?

Ursel: Das ist abhängig von der individuellen Lebenssituation der einzelnen Person. Bisher erhalten alle Personen, die im Autismus Kompetenzzentrum beraten werden, in irgendeiner Art und Weise Unterstützung. Manchmal ist nur in Teilaspekten Hilfe nötig wie bei der Termineinhaltung oder Behördlichem, in anderen Fällen braucht es tägliche Hilfe bis hin zur Körperpflege. Wir schauen was benötigt wird, dann initiieren wir entsprechende Hilfen – auch wenn das Angebot in Unterfranken in einigen Bereichen noch ausbaufähig wäre.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Das Team des Autismus Kompetenzzentrum Unterfranken e.V. (von links): Diplom-Sozialpädagogin (FH) Susan Wiegand, Verwaltungsangestellte Annette Kilian und Diplom-Sozialpädagogin (FH) Daniela Ursel.


Foto: Michaela Schneider


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Infokasten: Über das Kompetenzzentrum Unterfranken


Beratungsangebot: Das Autismus Kompetenzzentrum eröffnete im Frühjahr 2009. Es berät Menschen mit Autismus, Angehörige, Fachkräfte und Institutionen. Neben den regulären Sprechzeiten in Würzburg (Montag bis Freitag, 8.30 bis 12 Uhr) finden jeden ersten Mittwoch im Monat Beratungen statt im Gesundheitsamt in Aschaffenburg sowie jeden ersten Donnerstag im Monat im Rathaus in Schweinfurt. Terminabsprachen unter Telefon 0931/25080-284.


Fachvorträge: Regelmäßig finden Informationsveranstaltungen, Fachvorträge und Fachforen zum Thema Autismus statt, in der nächsten Informationsveranstaltung am 9. Mai steht „Verbal Behavior“ im Fokus – eine Therapieform, die sich mit Lernprozessen befasst und den Schwerpunkt auf die Kommunikationsförderung und Motivation des Kindes legt. Ein Anmeldeformular und weitere Termine finden sich auf der Internetseite www.autismus-unterfranken.de


Welt-Autismus-Tag: Am Welt-Autismus-Tag, 2. April, ab 19.30 Uhr veranstaltet der Förderverein für Menschen mit Autismus in Würzburg in der Augustinerkirche einen Aktionsabend unter dem Titel „Lebenselixier Hoffnung“ mit Musik, Tanz und Worten. Der Eintritt ist frei.