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Wenn Augen sprechen und Blicke lenken
Sonderausstellung im Martin-von-Wagner-Museum beschäftigt sich
mit dem Sehen in der bildenden Kunst von Alt-Ägypten bis zur Moderne


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Ein breites Lachen oder heruntergezogene Mundwinkel: Mit entsprechender Mimik signalisiert man in westlichen Kulturkreisen Emotionen. In vielen asiatischen Ländern indes zeigen Menschen Gefühle weniger offensichtlich – und trotzdem sprechen ihre Gesichter. Denn Augen erzählen, selbst wenn man seine Gefühle kontrolliert. So kommt es nicht von ungefähr, dass Augen gerade auch in der Kunst seit Jahrtausenden eine zentrale Rolle spielen – als Fenster zur Seele, als Schönheitsideal oder auch um den Blick des Betrachters durch eine Bildkomposition zu lenken. Einander zu- oder abgewandte Augen beschreiben zwischenmenschlichen Beziehungen, zum Himmel gewandt dienen sie als Brücke zum Göttlichen.  Und noch vielschichtiger kann man sich dem Thema „Augen & Blicke. Das Sehen in der bildenden Kunst von Alt-Ägypten bis zur Moderne“ nähern. Das erfahren Besucher des Martin-von-Wagner-Museums in Würzburg nun in einer gleichnamigen Sonderausstellung bis einschließlich 2. April 2016 in insgesamt elf Sektionen.


Beim Rundgang fällt jenseits der Thematik auf: Da steht erstmals gegenüber von Raskolnikoff-Lithographien eines Wilfried Otto aus dem beginnenden 20. Jahrhundert eine Terrakotta-Vase aus der Alexanderzeit.  Und nahe einem ägyptischen Amulett aus vorchristlicher Zeit blickt den Ausstellungsbesuchern eine Riemenschneider-Madonna entgegen. Bis dato hatten die antike und die neuere Abteilung des Museums stets gesondert zu Ausstellungen geladen. Erstmals präsentiert sich das Museum epochen- und abteilungsübergreifend als echte Einheit mit ägyptischen Mumienporträts, griechischen Vasen, gotischer Schnitzkunst sowie Gemälden, Zeichnungen, Kupferstichen und Skulpturen vom 15. bis ins 20. Jahrhundert.


Bis auf wenige Leihgaben stammen fast alle Objekte aus den eigenen Beständen – und so wird das Projekt „Augen & Blicke“ gleichsam zur sehr gelungenen Leistungsschau des Museums. Ein Stück weit ist dies Absicht, denn die beiden Direktoren Jochen Griesbach und Damian Dombrowski zeigen damit deutlich, dass es auch jenseits von Sonderausstellungen nur eine Frage der zeitgemäßen Präsentation wäre, bei derart reichen Museumsbeständen die breite Öffentlichkeit zu erreichen. Ideen zur Neukonzeption des Museums existieren reichlich, eine Finanzierung indes nicht.   


Einerseits ist das Auge Urmotiv in der Kunst, wohl weil es eines der zentralsten Mittel der Kommunikation bildet – mit sich selbst, mit der Umwelt oder mit dem Göttlichen. Andererseits stellte es manchen Künstler vor große Herausforderungen – ob nun Griechen der Antike, die in der Vasenmalerei mit Ritztechniken arbeiteten oder Porträtmaler der Neuzeit, denen es vor allem über die Augen gelang, Lebendigkeit zu vermitteln – zum Beispiel bei Franz von Lenbachs Porträt des Theologen Ignaz Döllinger. Durch starken Kontrast und Lichtreflexe entsteht ein extrem eindringlicher Blick, dem sich der Betrachter kaum entziehen kann. Augen verraten viel über die innere Verfassung des Menschen. Den vielen Arten des Sehens gerecht zu werden, gelang jedoch erst in der frühen Neuzeit, als sich die Künstler der Darstellung des Auges systematisch näherten.


Jetzt konnte das Auge gleichsam als Fenster zur Seele dienen, das zeigt zum Beispiel Martin von Wagners Bildnis der Hélène Fourment. Die versucht zwar voller Scham mit den Händen die nackten Brüste zu verbergen, trotzdem spricht aus ihrem Blick eine gewisse Vertrautheit - eine Ambivalenz, die den Bildbetrachter irritiert und fesselt. Von Schönheitsidealen erzählt  in einer weiteren Sektion etwa das Porträt einer Frau auf einer Terrakottavase aus spätarchaischer Zeit, deren übergroße, tiefe Augen als Inbegriff weiblicher Schönheit galten.  Gleichzeitig können Blicke übernatürliche Erfahrungen widerspiegeln, wie Nicolas Régniers Barockgemälde „Die büßende Maria Magdalena“ zeigt. Fragend richtet sie die Augen zum Himmel, scheint auf eine göttliche Antwort zu warten.


Manche Künstler spielen mit Sinnestäuschungen, weil Augen doch immer nur so viel sehen, wie der Geist zulässt. Andere sprechen durch einen direkten Blickkontakt, durch den „unausweichlichen Blick“ und übertragen Empfindungen auf den Betrachter.  Auch lässt sich dessen Blick durch die Bildkomposition lenken – etwa wenn bei der „Anbetung des Kindes“ von Ambrogio di Stefano da Fossano gen. Bergognone sich alle Augen auf das Kind in der rechten Ecke richten. Durch Blicke gewinnt manches Gemälde erzählenden Charakter, wenn sich zum Beispiel in den Augen einer Figur ihre Vorgeschichte spiegelt. Und Erzählstoff steckt auch im „Nichtsehen“, zum Beispiel in der „Blindheilung des Tobias“ von Johann Carl Loth.


Am Ende der Ausstellung lenkt das Martin-von-Wagner-Museum den Besucherblick dann aus den eigenen Räumen hinaus in die nicht weit entfernte Residenz, denn fast alle Aspekte des Sehens, mit denen sich der Besucher in der Sonderausstellung befasst hat, führt Giovanni Battista Tiepolo in seinem weltberühmten Deckengemälde zusammen. Das Museum animiert zu weiterem Entdecken und Anwenden - und wird auch seinem Lehrauftrag als universitäre Einrichtung  gerecht.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.

Nicolas Régniers Barockgemälde „Die büßende Maria Magdalena“.

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Fotos: Michaela Schneider


Infokasten:  Rahmenprogramm zur Ausstellung


Die Ausstellung „Augen & Blicke. Das Sehen in der bildenden Kunst von Alt-Ägypten bis zur Moderne“ im Martin-von-Wagner-Museum ist bis einschließlich 2. April 2016 zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Samstag von 10 bis 13.30 Uhr und Sonntag vierzehntäglich von 10 bis 13.30 Uhr. Zur Ausstellung ist ein 198seitiger Katalog erschienen. Zudem veranstaltet das Museum zur Sonderausstellung eine Vortragsreihe. Die Vorträge beginnen donnerstags um 18 Uhr in der Gemäldegalerie. Die Termine:


- 14. Januar: Blickbeziehungen auf attischen Vasen, Prof. Dr. Annette Haug, Christian-Albrechts-Universität Kiel

- 28. Januar: Die Augen weit geschlossen. (Nicht-)Sehen in den Darstellungen der Tobiasheilung, Henrike Eibelshäuser M.A., Freie Universität Berlin

- 4. Februar: „… ich aber sah, dass die Statue der Athena blaue Augen hatte…“ Zu eingesetzten Augen bei antiken Skulpturen, Verena Hoft, M.A., Eberhard-Karls-Universität Tübingen

- 18. Februar: Erkenne Dich selbst. Das Würzburger Künstler-Doppelbildnis, Prof. Dr. Ulrich Pfisterer, Ludwig-Maximilians-Universität München

- 3. März: Feurige Kunst und entflammte Betrachter, Zu Benedetto Varchis Verständnis bildlicher Faszination, Dr. des. Maurice Saß, Universität Hamburg