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Erste Einblicke in die Proben zum neuen Stück im „Theater Augenblick“. Es wird sich ums Thema Heimat drehen.

 

Foto: Michaela Schneider

 

Inklusion und hoher künstlerischer Anspruch

Bühne Im „Theater Augenblick“ in Würzburg arbeiten acht Menschen
mit Behinderung hauptberuflich als Schauspieler, das ist bayernweit einzigartig

 

von Michaela Schneider

Würzburg „Schauspielen macht Spaß“, sagt Lotte und strahlt übers ganze Gesicht. Die 50-Jährige ist hauptberuflich Schauspielerin am Theater Augenblick in Würzburg. Sie hat das Down-Syndrom. Doch Lotte ist wie alle ihre Bühnenkollegen rundum Profi – das spürt man bei der Probe, als sie auf Kommando herzergreifend den Tod ihres Bühnenmannes betrauert. Und das merkt man im Gespräch: Sie komme aus dem Alltag raus und könne in die Haut anderer Menschen schlüpfen, beschreibt sie den Reiz am Theaterspiel. Lieblingsrollen? „Nein, ich spiele alles gern!“, sagt sie überzeugt. Das Theaterspiel selbst falle ihr nicht schwer – schwieriger sei es, die Wartezeiten zu überbrücken, wenn sie bei Proben und Aufführungen auf ihre Auftritte warten muss.

 

Das Theater Augenblick“ ist eine Einrichtung der Mainfränkischen Werkstätten in Würzburg, gegründet im Jahr 1998 von Theater-, Sozial- und Sonderpädagoge Stefan Merk. Bei den meisten Stücken führt der 48-Jährige selbst Regie. Die ersten Inszenierungen waren auf wechselnden Bühnen in verschiedenen Städten zu sehen. Theaterleiter Merk gelang es rasch, die Löhne der Schauspieler über Einnahmen zu erwirtschaften, Ausgaben für Bühnenbild und Kostüme müssen wie bei anderen Theatern auch über  Kulturförderung oder Spenden finanziert werden.

 

2004 konnte das „Theater Augenblick“ seine eigene Spielstätte im Ortsteil Lengfeld eröffnen. 2009 erkannte Würzburg die ungewöhnliche Bühne als offizielle Spielstätte an, 2011 wurde sie mit der Kulturmedaille der Stadt ausgezeichnet. Acht Menschen mit Behinderung arbeiten hier hauptberuflich als professionelle Schauspieler, das ist bayernweit einzigartig.  Unterstützt werden sie auf der Bühne unter anderem von zwei nichtbehinderten Schauspielern. Etwa 30 Mal tritt die Truppe pro Jahr auf. Zudem werden Gastgruppen und Künstler mit und ohne Behinderung eingeladen – dann kümmern sich die Schauspieler des „Theater Augenblick“ um Einlass und Getränkeverkauf.

 

Stefan Merk liegt daran, dass sein Team möglichst viele eigene Ideen in die Stücke einbringt. Deshalb wird viel über Erfahrungen und Gefühle gesprochen und mit Rollenspielen gearbeitet. Nach und nach entwickelt sich aus der pädagogischen Arbeit heraus ein Theaterstück. Dabei scheut der Regisseur auch schwierige Themen nicht: Das Erfolgsstück „Himmel, Hölle und die Lust am Leben“, etwa drehte sich um Pränataldiagnostik und die Frage: Ist ein Leben mit Behinderung lebenswert?

 

Derzeit laufen die Proben zum neuen Stück. Einen Titel hat es noch nicht, die Premiere ist im Frühjahr 2014 geplant. Stefan Merk hatte mit dem Gedanken gespielt, das Thema „Heimat“ aufzugreifen. „Unsere Schauspielerin Anna sprach von Kirgisistan, aber wir konnten uns ihre Heimat einfach nicht vorstellen. Irgendwann haben wir gesagt: Um Anna zu verstehen, müssen wir dorthin fahren.“ Mit Mitteln des Fördervereins machte man sich zu viert auf die Reise. Keine leichte Aufgabe – Annas Vergangenheit handelt von schweren Verlusten, auch von Misshandlung und einer Kindheit im Heim. Doch gab ihr die Reise die Möglichkeit, ihre Geschichte ein Stück weit aufzuarbeiten.  „Ich bin stolz von meinen Gefühlen her, dass meine Geschichte im Theater gespielt wird“, erzählt die 46-Jährige jetzt und grinst. Einen Titel hat das neue Schauspiel noch nicht.  Die Geschichte selbst ist dabei fiktiv; sie ist Drama und doch urkomisch; und sie spielt in einem namenlosen Land. Trotzdem basiert sie auch auf den Eindrücken der Reise und auf Annas Erinnerungen.

 

Die Anforderungen, die der Regisseur an sich und sein Team stellt, sind hoch: „Wir wollen gute Stücke machen, wie viele behinderte und  nichtbehinderte Schauspieler auf der Bühne stehen, ist erst einmal egal.“ Auch jetzt, während der Probe zu Annas Stück, fällt auf, wie sehr die Schauspieler der Mainfränkischen Werkstätten Profis sind - Alex zum Beispiel, mit seinen 24 Jahren der jüngste im Team. Sobald er in die Haut des tollpatschigen Geheimagenten schlüpft, entwickelt er sich zum wahren Improvisationstalent. Er bringt zum Schmunzeln, zitiert aus dem Stehgreif Heinz Erhardt und wechselt auch Mal zwischen fränkischem Dialekt und Schweizerdeutsch hin und her. Abgeguckt habe er sich‘s von Emil im Fernsehen, erzählt der 24-Jährige später.

 

Das Theaterspielen aufzugeben, kann sich keiner der Theater-Augenblick-Truppe vorstellen. „Mir geht’s einfach sehr gut beim Stefan“, sagt Antje. Georg erzählt, er habe hier tolle Freunde gefunden. Für Sebastian bedeuten die Proben ganz einfach Erholung und Peter ergänzt schließlich: „Der Applaus und der Erfolg sind auch sehr, sehr wichtig. Das ist unser Dank.“

Der Artikel  ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Karten fürs Theater Augenblick

 

Karten für die nächste Spielsaison ab dem 8. November im „Theater Augenblick“ im Würzburger Ortsteil Lengfeld gibt es ab Oktober, Kartenreservierung unter Telefon 0931/2009017. Die Stücke und die genauen Termine können im Internet abgerufen werden unter www.theater-augenblick.de Die Premiere zu Annas Stück ist im Frühjahr 2014 geplant.