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Zwei Frauen, ein Atem
Regisseur Christian Zübert stellt in der einstigen Heimat Würzburg seinen neuesten Kinostreifen vor


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Zwei Frauenporträts, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Griechenlandkrise. Ein sozialkritischer Blick auf Arm und Reich. Die Herausforderungen des Mutterseins heute. Ein verschwundenes Kind. Leichte Kost liefert der sozialkritische Genrefilm „Ein Atem“ dem Kinopublikum gewiss nicht. Anfangs etwas zäh, gelingt es Drehbuchautor, Regisseur und zweifachem Grimmepreisträger Christian Zübert aber spätestens ab der Hälfte des Films, die Zuschauer zu überraschen, in Atem zu halten, mit den beiden Frauen mitfiebern und mitfühlen zu lassen. Am Sonntag stellte der gebürtige Würzburger den Kinofilm in seiner alten Heimat im Cineworld im Mainfrankenpark Dettelbach dem Publikum selbst vor.


Zur Handlung: Die junge Griechin Elena (Chara Mata Giannatou) verlässt ihre von Krisen geplagte Heimat Griechenland und zieht gegen den Willen ihres Freundes allein nach Frankfurt, um in einer Bar zu arbeiten. Beim Routine-Gesundheitscheck erfährt sie, dass sie schwanger ist. Job und Träume platzen, schnell muss Arbeit her. Diese findet sie bei Karrierefrau Tessa (Jördis Triebel) und ihrem Mann Jan (Benjamin Sadler) als Kindermädchen von Tochter Lotte. Was anfangs wie eine perfekte Familie scheint, erweist sich bald als Fassade. Dann, plötzlich, ist Elena einen Augenblick unachtsam und Lotte verschwindet. Die schwangere Griechin ist völlig überfordert, flüchtet Hals über Kopf und gerät selbst unter Verdacht, das Kind entführt zu haben. Für das deutsche Ehepaar beginnt ein Alptraum. Beziehungsprobleme brechen auf, Jan wirft Tessa vor, dass Lotte noch da wäre, würde sie nicht arbeiten. Tessa handelt, fährt nach Athen und macht sich auf die Suche nach Kind und Kindermädchen. So unterschiedlich Elena und Tessa sind, eint sie doch eines: der Kampf ums eigene Kind. Hier verbindet die beiden Frauen „ein Atem“. Doch nur für eine der Mütter nimmt die Geschichte  ein – äußerlich - gutes Ende.


Wie Zübert erzählt, verarbeitet er mit dem Film auch persönliche Erfahrungen. Er erlebe regelmäßig, wie Mütter in der heutigen Gesellschaft mit ihrem Muttersein kämpfen. „Ich bin selbst Vater“, erzählt er zudem. Im Urlaub sei es seiner Frau Ipek und ihm tatsächlich passiert, dass die Babysitterin eine halbe Stunde lang verschwunden und auf Handy nicht erreichbar war. Dieses Erlebnis habe den ersten Impuls zum Film gegeben. Das Drehbuch zu „Ein Atem“ hat das Ehepaar Zübert dann gemeinsam geschrieben. Doch greifen die Beiden in dem Kinostreifen nicht nur das Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf, sondern gehen auch auf die aktuelle europäische Lage ein, im Speziellen auf die Griechenlandkrise. „Der Film wird aber vor allem in Deutschland so explizit als deutsch-griechische Geschichte gesehen“, erzählt Zübert. Premiere feierte das Drama nämlich nicht hierzulande, sondern unter dem Titel „One Breath“ 2015 auf dem Toronto International Film Festival. Hier habe man ihm gesagt, die Geschichte hätte sich ebenso gut zwischen einer Kanadierin und einer Mexikanerin abspielen können – oder in Griechenland zwischen einer Griechin und einer Albanerin.


„Ein Atem“ ist alles andere als seichte Unterhaltung, strengt in Passagen an, spitzt jedoch viele Gesellschaftsprobleme zu und macht nachdenklich. Clevere Regiegriffe wie ein Perspektivwechsel mitten im Film sprechen für Christian Zübert als einen Regisseur, der sein Handwerk versteht. Die Karriere des heute 42-Jährigen begann übrigens in Würzburg mit dem Kinostreifen „Lammbock – Alles in Handarbeit“ im Jahr 2002 mit Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz in den Hauptrollen. In der Mainfranken-Metropole gedreht, heimste die Kifferkomödie des Regie-Autodidakten seinerzeit auch außerhalb der Region bei Publikum wie Kritikern Lob ein. Drehbücher, ein Kinderfilm, Fernsehproduktionen und verschiedene Auszeichnungen, unter anderem für „Dreiviertelmond“ und „Hin und weg“, folgten. Heute lebt Zübert in Berlin, kommt in die alte Heimat nur noch auf Familienbesuch. Ändern wird sich dies allerdings in diesem Sommer: Dann nämlich beginnen die Dreharbeiten zur Lammbock-Fortsetzung mit dem Titel „Lommbock“. Viel verrät der Regisseur bislang nicht, nur, dass die Jungs inzwischen 40 Jahre alt sind und wieder allerlei Abenteuer erleben werden. In die Kinos kommt der Streifen dann im Frühjahr 2017.

Der Artikel  ist  unter anderem im Main Echo erschienen.

Regisseur Christian Zübert schreibt in Würzburg Autogramme für seine Fans.



Foto: Michaela Schneider