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„Asthma hat seinen Schrecken verloren“
Trotz sehr guter, nahezu nebenwirkungsfreier Therapiemöglichkeiten, haben viele
Patienten die Krankheit nicht unter Kontrolle – Experte fordert vor allem eine gute Aufklärung


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Gräser wachsen, Pollen fliegen. Vor allem das Frühjahr ist für viele Asthmatiker eine echte Horrorzeit. Doch kann Asthma auch durch eine Vielzahl anderer Reize ausgelöst werden, ganz zu schweigen von nichtallergischen Formen.  In Deutschland sind zwischen vier und acht Millionen Patienten betroffen, Tendenz steigend.  Jedes Jahr am  5. Mai ruft die Global Initiative für Asthma (GINA) den Welt-Asthma-Tag aus, mit dem Ziel, die breite Öffentlichkeit über die Krankheit und ihre Behandlung zu informieren. Wie wichtig Aufklärung ist, betont auch  Prof. Dr. Berthold Jany, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und Chefarzt  Innere Medizin an der Missionsärztlichen Klinik Würzburg. Eine aktuelle Studie belegt, dass von 8000 untersuchten Patienten in Europa, höchstens 50 Prozent ihr Asthma tatsächlich kontrolliert haben.


Zwischen vier und acht Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Asthma, das ist eine recht wage Aussage. Woher kommt`s?

Prof. Dr. Berthold Jany: Wir haben tatsächlich bislang eine sehr schlechte Epidemiologie. Das wird sich aber bald ändern, um konkretere  Zahlen bemüht sich derzeit das Robert-Koch-Institut in  einer Asthma-Prävalenz-Studie. Eine Rolle spielt vermutlich, dass in der Vergangenheit Asthma und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, kurz COPD, nicht sauber getrennt wurden. Beides sind Volkskrankheiten, die die Atemwege betreffen, allerdings unterscheiden sich die Krankheitsbilder in Diagnose, Behandlung und auch Prognose, wie wir heute wissen.  Und selbst hinter dem Begriff Asthma verbergen sich ganz unterschiedliche Krankheiten (siehe Infokasten).


Was bedeutet es für einen Patienten, mit Asthma zu leben?

Jany: Asthma hat heute bei guter Behandlung seinen Schrecken für viele Patienten verloren. Früher wurden Cortison und Wirkstoffe wie Theophyllin gespritzt. Das hatte Auswirkungen auf den ganzen Körper. Das hat sich verändert, seit Asthma-Sprays auf dem Markt sind, denn dadurch landet das Medikament exakt dort, wo es wirken soll: in den Atemwegen. Nebenwirkungen auf den übrigen Körper hat das „inhalierte Cortison“ kaum. Die Inhalation selbst ist denkbar einfach: Dafür braucht es zweimal am Tag einen Sprühstoß oder Atemzug.  Behandelt wird neben Cortison zudem mit einem bronchial-erweiternden Medikament.


Und trotzdem hat eine aktuelle Studie ergeben, dass viele Patienten das Asthma nicht unter Kontrolle haben. Wie kommt das?

Jany:  Tatsächlich definieren wir Asthma heute nicht anhand der Schwere der Krankheit, sondern daran, wie gut der Patient das Asthma im Griff hat. In einer aktuellen Studie wurden europaweit 8000 Patienten untersucht,  50 Prozent litten unter einem nicht oder nur teilweise kontrollierten Asthma. Das Traurige ist: Vor 15 Jahren sahen die Zahlen nicht viel anders aus. Das Problem ist: Patienten hören vielfach mit der Behandlung auf, wenn die Symptome verschwinden. Das ist ein Fehler, denn Cortison wirkt nicht akut, sondern kausal. Die scheinbar schnelle Linderung bringt das bronchial-erweiternde Medikament.  Dauerhaft in Griff aber bringt man Asthma mit dem inhalierten Cortison. Wissen muss man: Asthma ist nicht heilbar. Die gute Nachricht aber ist: Die Entzündung lässt sich in vielen Fällen drastisch reduzieren. Ziel einer Therapie ist es, dass der Patient Sport treiben kann, voll belastbar ist, ohne Einschränkung schlafen kann und auf eine normale Lebenserwartung blicken darf.


Provokativ gefragt: Liegt der Fehler in Sachen unkontrolliertes Asthma nicht in erster Linie bei jenen Ärzten, die die Patienten nicht entsprechend aufklären?

Jany: Ja, so ist es leider. Ärzte müssen zum einen sehr gut aufklären über die Natur der Krankheit. Zum anderen braucht es für jeden Patient einen individuell erarbeiteten Asthma-Kontrollplan.  Wir beobachten auch, dass Symptome zu oft bagatellisiert werden. Das ist leider immer noch der häufigste Grund für Sterblichkeit. 2014 starben immer noch rund 1000 Patienten in Deutschland an Asthma.


Die Zahl der Asthmatiker steigt. Woran liegt das eigentlich?

Jany: Da gibt es verschiedene Theorien. Zwar kommt Asthma in bestimmten Familien gehäuft vor, die Forschung konnte jedoch kein Gen identifizieren bisher. Recht plausibel erscheint mir dagegen die so genannte Hygienehypothese. Nach der Wende machte man eine Studie in beiden Teilen Deutschlands, Asthma war damals im Westen viel verbreiteter als in der DDR. Nach kurzer Zeit schon kam es allerdings zu einer Anpassung. Die Auseinandersetzung des Immunsystems der Kinder mit bestimmten Bakterienbestandteilen in der frühen Kindheit vermindert offenbar die Häufigkeit von Asthma. So ist auch Asthma bei Kindern, die auf einem Bauernhof aufwachsen deutlich seltener. Für den Nachwuchs ist es wohl besser, auch einmal im Dreck zu spielen, statt dreimal am Tag geschrubbt zu werden. Praktischer Tipp für Eltern: Ständig zu desinfizieren ist nicht unbedingt gut, lieber sollte man Kinder ohne Bedenken im Sandkasten toben lassen.


Ein Blick noch auf die Pharmaindustrie: Woran wird hier zurzeit geforscht?

Jany: Wir können viele Formen des Asthmas inzwischen sehr gut behandeln, aber eben gerade die schweren Fälle bringen wir trotz inhalierbaren Cortisons nicht in den Griff. Und genau diese zehn Prozent der Asthmatiker verursachen heute 80 Prozent der Kosten. Hier arbeitet die Pharmaindustrie inzwischen auf Hochtouren. Inzwischen gibt es ein gut wirksames Immuntherapeutikum, das spezifische Antikörper abfangen kann. Man sagt nicht mehr: Asthma ist gleich Asthma. Entwickelt werden stattdessen Medikamente, die gezielt in die überschießende Immunreaktion des Asthmatikers eingreifen.. Die ersten neuen Arzneien dürften in den nächsten fünf Jahren auf den Markt kommen.


Prof. Dr. Berthold Jany ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und Chefarzt  Innere Medizin an der Missionsärztlichen Klinik Würzburg. Im Bild zeigt er einen Inhalator für Asthmatiker.


Foto: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Asthma bronchiale


Unter Asthma versteht man heute eine chronische Entzündung der Atemwege. Durch die Entzündung wird besonders die Ausatmung behindert durch verengte Atemwege. Das kann anfallsweise Atemnot auslösen, weitere Symptome sind Husten, eine verringerte Belastbarkeit und Brustenge. Alle Symptome können auch nachts auftreten. Auslöser können Allergien sein, diese Form von Asthma tritt meist schon im Kindesalter auf. Werden bestimmte Dinge eingeatmet – Pollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben zum Beispiel – löst dies Immunreaktionen aus, die bronchialen Muskeln ziehen sich zusammen, es wird verstärkt Schleim produziert.  Asthmatiker im Erwachsenenalter indes sind nur zu 30 bis 50 Prozent Allergiker. Das nicht-allergische Asthma verläuft meist schwerer, seine Ursache ist bislang unbekannt.