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„Schon wieder krank!?“
Studien zeigen: Ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen weltweit leidet an
psychischen Erkrankungen – Was Lehrer tun können, wenn Schüler betroffen sind


Von Michaela Schneider

Würzburg Etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen weltweit leidet Studien zufolge an psychischen Problemen. In der Schule klagen die Kinder immer wieder über Kopf- und Bauschmerzen, Übelkeit oder Schwindel, doch der Hausarzt findet keine körperliche Ursache. Lehrer stehen hier vor schwierigen Entscheidungen: Ist das Kind ernsthaft krank und sollte nach Hause geschickt werden? Oder simuliert es und verpasst wichtigen Unterricht? Ärzte, aber auch Lehrer sprechen über psychische Erkrankungen in der Schule.


Wie häufig psychische Störungen schon im Kindesalter vorkommen können, belegt laut Dr. Roland Metzner, niedergelassener Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Würzburg, eine Studie aus dem Jahr 2010. Untersucht wurde dafür der Geburtsjahrgang 2004 in der südbrasilianischen Stadt Pelotas. Heraus kam: 13  Prozent der 3585 untersuchten Kinder litten im Alter von sechs Jahren bereits unter psychischen Störungen – am häufigsten unter Angststörungen (8,8 Prozent), gefolgt von Phobien (5,4 Prozent). Andere Studien belegen: Buben und Mädchen plagen auch Essstörungen, gestörtes Sozialverhalten oder Depressionen. Zu Risikofaktoren zählen unter anderem Familienkonflikte, elterliche psychische Belastungen, ein niedriger sozioökonomischer Status und auch chronische Erkrankungen der Eltern. Betroffen sind oft auch Opfer von Gewalterfahrungen. Die Auslöser können vielfältiger Natur sein: Angefangen bei Problemen im Elternhaus, über Leistungsdruck in der Schule bis hin zum Mobbing durch Klassenkameraden.


Dabei geraten die Betroffenen in einen schwer aufzubrechenden Teufelskreis, denn: Die Probleme, die auf die psychische Grunderkrankung zurückgehen, bereiten im Alltag mehr und mehr Schwierigkeiten. Die Kinder sind überfordert und stehen ständig unter Stress. Dies führt zur körperlichen Symptomatik. Hellhörig werden Schule, aber auch Eltern oft erst jetzt. In den seltensten Fällen werden Bauchschmerzen und Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schwindel gleich mit einer psychischen Störung in Verbindung gebracht. Und so durchlaufen die Betroffenen häufig einen zehrenden  Untersuchungsmarathon - vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt, zum Kieferorthopäden und Augenarzt bis hin zu Klinikaufenthalten mit Untersuchungen wie Kernspintomographien, Magen-Darm-Spiegelungen und mehr. „Ein psychisch Erkrankter bekommt im Schnitt nach sieben Jahren erst die Therapie, die er braucht“, sagt Andreas Reichert, Leitender Psychologe der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Diakonischen Werks in Würzburg – zumal auch nach einer Diagnose die Wartezeit auf einen Therapieplatz lang ist. Ein belastender Leidensweg, der eine hohe Kompetenz der Familie fordert und Eltern an ihre Grenzen bringen kann.


Reichert schildert den Fall eines Zwölfjährigen. Bereits diagnostiziert war eine Legasthenie, der Junge besuchte die Mittelschule. Plötzlich war er kaum mehr in der Schule – und falls doch plagten ihn Bauch- und Kopfschmerzen, Übelkeit, er war stets kreidebleich und sprach nur noch mit leiser Stimme. Teils übergab er sich plötzlich auf dem Schulweg. Nach etlichen Besuchen bei Haus-, Kinder- und Fachärzten wurde die Familie auch in der Uniklinik vorstellig. Weitere Untersuchungen folgten, unter anderem wurden Gespräche mit dem Kinder- und Jugendpsychiater geführt. „Die Diagnostik psychischer Störungen ist extrem komplex, um die Behandlung sieht es nicht anders“, sagt Reichert.  Der Schüler wurde in die Tagesklinik der Jugendpsychiatrie aufgenommen – schon nach kurzer Zeit war er völlig entlastet. Auch kristallisierte sich ein Symptommuster heraus: Die Beschwerden stiegen nach jedem Wochenende sowie nach den Ferien drastisch an. „Irgendwann sagte er: Ich les halt langsamer andere“, so Reichert.  Heraus kam, dass der Teenager auf dem Schulweg – von Lehrern unbemerkt – gemobbt wurde und sich ständig gehänselt fühlte.


Ein Fall, der die Frage aufwirft, ob die Schule nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt hätte aufmerksam werden können. Welche Handlungsmöglichkeiten aber hat ein Lehrer, wenn er bei einem Schüler eine psychische Erkrankung vermutet? Angela Langenstein, Rektorin der Wichern-Schule in Würzburg, und Professor Dr. Marcel Romanos, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Würzburg, empfehlen ein durchdachtes Vorgehen statt blindem Aktionismus. Zunächst einmal sollte der Lehrer dem Schüler seine Wahrnehmung mitteilen, nachfragen ohne zu dramatisieren und offen über ein weiteres Vorgehen sprechen. Als nächstes sollte er Informationen einholen bei Kollegen, Eltern und, falls möglich, bei behandelnden Ärzten. Hierfür allerdings müssen die Eltern den behandelnden Arzt von seiner ärztlichen Schweigepflicht entbinden. Heißt: Ohne das grüne Licht der Eltern sind die Hände gebunden – entsprechend wichtig sei sowohl in der Arztpraxis als auch in der Schule ein vertrauensvolles Verhältnis.  Auch empfehle sich die Hinzunahme eines Schulpsychologen und die Rücksprache mit der Schulleitung. Im nächsten Schritt sollte der Lehrer die Situation für sich analysieren, erneut das Gespräch mit dem Schüler und den Eltern suchen, seine Beobachtungen wertfrei und ohne Schuldzuweisungen schildern, gegebenenfalls eine ärztliche Abklärung empfehlen und über Hilfsangebote von Ärzten, Jugendamt & Co. Informieren.


Das allerdings liest sich einfacher, als die Realität aussieht. Gerade, wenn es um psychische Erkrankungen geht, blocken Eltern häufig ab aus Angst vor Stigmatisierung. Diese Erfahrung macht immer wieder auch Dr. Roland Metzner, niedergelassener Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. „Das Wort Psycho bedeutet eine riesige Hemmschwelle für Eltern“, sagt er. Er selbst allerdings reagiert hellhörig, wenn ein Kind zum dritten Mal in kürzerer Zeit mit der gleichen Symptomatik in die Praxis kommt - lässt sich ein Zeugnis mitbringen und fragt zum Beispiel nach, wann das Kind zuletzt zu einem Geburtstag eingeladen war. Dabei ist eine rasche Behandlung sinnvoll, denn viele psychische Störungen im Erwachsenenalter beginnen laut Metzner bereits in der Jugend.  


Was aber kann die Schule tun, wenn die Familie zu keiner Zusammenarbeit bereit ist? Tatsächlich können bayerische Schulen wegen häufiger Fehlzeiten und bei Zweifeln an hausärztlichen Krankschreibungen eine amtsärztliche Attestpflicht anordnen. Für den Schüler bedeutet dies: Er muss zur Untersuchung zum Amtsarzt.  Auch hat der Lehrer prinzipiell die Möglichkeit, sich bei einem Hausbesuch ein Bild von den persönlichen Verhältnissen der Familie zu machen – in der Schulpraxis allerdings greifen Lehrkräfte sehr selten zu diesem Mittel.


Gefragt ist die Schule nicht nur vor, sondern auch nach einer ärztlichen Behandlung. Dann so die Empfehlung der Experten, sollte die Rückführung gut geplant werden – unter anderem durch Gespräche mit den Eltern, mit dem Lehrpersonal der Schule für Kranke und mit behandelnden Ärzten. Auch den Rückführungsprozess können Schulpsychologen mit vorbereiten und begleiten.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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