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Eisige Kälte und nur eine einzige Leuchte
Ausstellung „Gesichter zwischen den Zeiten“ in Würzburg zeigt den Apostelzyklus
 im Dom zu Halle in mehr als 60 Jahre alten Lichtbildern des Fotografen Eberhard Zwicker


Von Michaela Schneider

Würzburg Es war bitterkalt in den Winternächten 1947. So kalt, dass im Dom zu Halle an der Saale keine Gottesdienste stattfanden. Der Fotograf Eberhard Zwicker (1915 – 1999) nutzte die Chance: Jetzt konnte er ein Gerüst aufbauen, um den steinernen Figurenzyklus im Gotteshaus in vier Metern Höhe zum Leben zu erwecken. Wie man inzwischen annimmt, stammt er von dem Mainzer Bildhauer Peter Schro. „Gesichter zwischen den Zeiten“ ist eine neue Sonderausstellung im Martin-von-Wagner-Museum betitelt mit 35 Lichtbildern des Apostelzyklus sowie verschiedenen Erinnerungen  an den Fotografen Eberhard Zwicker, der drei Jahrzehnte in Würzburg wirkte. 60 Jahre ruhten die Fotografien im Fotoarchiv der Familie. 2013 waren sie erstmals im Stadtmuseum Halle ausgestellt, Würzburg ist nun zweite Station der Ausstellung.


Zwickers Kameraausrüstung war 1947 völlig veraltet, denn seine Leica war ihm ein Jahr zuvor gestohlen worden. Stattdessen arbeitete der Fotograf mit einer 13/18 Holzplattenkamera des ausgehenden 19. Jahrhunderts.  Auch besaß er nur eine einzige „Jupiter“-Leuchte, um die Apostel und Heiligen im finsteren Dom ins rechte Licht zu rücken. Um weiteres Equipment zu finanzieren, versetzte Zwicker die Taschenuhr seines Großvaters. Einen Auftrag hatte er nicht, doch faszinierten ihn die Skulpturen seit seiner Jugend. In den eisigsten Winternächten 1947 sank das Thermometer auf bis zu minus 36 Grad Celsius. Ständige Stromausfälle  erschwerten die Arbeit im Dom zudem, wie sich Katharina Zwicker in Aufzeichnungen erinnert. Sie war nicht nur Ehefrau, sondern auch Assistentin des Fotografen und begleitete ihn während seiner Arbeit im Dom zu Halle.


Trotz widrigster Bedingungen gelang es dem Fotografen nicht nur, außergewöhnliche Arbeiten des beginnenden 16. Jahrhunderts abzubilden. Seine Aufnahmen sind auch für sich genommen ein Kunstwerk.  „Zwicker fotografierte, als hätte er echte Personen vor sich“, sagt der Kunsthistoriker Professor Dr. Damian Dombrowski, Leiter der Neueren Abteilung des Martin-von-Wagner-Museums. Mit Zwickers eigenen Worten ausgedrückt, ging es ihm darum, „das Menschliche der Figuren ans Licht zu bringen“. Und so fotografierte er nicht die kompletten Figuren, sondern fertigte Porträts. Um jedes Streulicht zu vermeiden, wählte er die Nacht. Mit starken Kontrasten, dem Spiel aus Licht und Schatten und in frontaler Perspektive gelang es dem Fotografen, die Gesichter der Apostel und Patrone des Doms zu Halle ausdrucksstark und lebendig abzubilden.


Was aber weiß man über den Figurenzyklus? Er entstand um 1520, Kardinal Albrecht von Brandenburg ließ zu jener Zeit die einstmals schlichte Dominikanerkirche in eine Stiftskirche umbauen. Die bedeutendsten Künstler jener Zeit – Lucas Cranach, Matthias Grünewald und Albrecht Dürer zum Beispiel – wurden beauftragt, Altäre und Kunstwerke für die Domausstattung zu liefern. Mit dem Prachtausbau wollte der Kardinal ein Gegengewicht zur Reformation setzen und den Machtanspruch der alten Kirche visualisieren. Lange Zeit wusste man nicht, wer den Apostelzyklus geschaffen hatte, heute werden die Skulpturen der Werkstatt des Mainzer Bildhauers Peter Schro zugeschrieben.


Was aber hat es nun mit dem Ausstellungstitel „Gesichter zwischen den Zeiten“ auf sich? Peter Schro wirkte am Übergang vom Mittelalter in die frühe Neuzeit. Und auch seine Werke bewegen sich laut Dombrowski zwischen Gotik und Renaissance – und zwar ganz greifbar. Über den Heiligengestalten befanden sich – wie in der Gotik üblich – Baldachine. Die Sockel, auf denen sie stehen, spiegeln indes bereits die Formenwelt der Renaissance wider.  Die Gestalten selbst tragen volles Haar und Geheimratsecken, Glatzen und Vollbärte. Die einen wirken jugendlich-sanft, andere markig-dramatisch. Auch diese Individualität ist ein Zeichen des Zeitalters der Renaissance, als sich der Mensch aus der Anonymität befreite.


Dem Fotografen Eberhard Zwicker ist es vor mehr als 60 Jahren gelungen, diese individuellen Züge und das  Menschlich-Lebendige der Steinskulpturen hervorzuheben und miteinfachster Ausstattung auf faszinierende Art zu interpretieren.   

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Auf Plakaten sind Reproduktion von Zwickers Fotografien zu sehen, einige Originale liegen in einer Vitrine.


Foto: Michaela Schneider


Infokasten: Über die Ausstellung


Die Ausstellung „Gesichter zwischen den Zeiten“ in der Gemäldegalerie der neueren Abteilung Martin-von-Wagner-Museum in Würzburg ist bis einschließlich 27. April zu sehen. Geöffnet ist täglich außer montags zwischen 10 und 13 Uhr. Ausstellungspartner und Leihgeber ist das Ehepaar Zwicker-Berberich aus Gerchsheim im Main-Tauber-Kreis. Ein großformatiger Bildband zum Apostelzyklus im Dom zu Halle und Eberhard Zwickers Fotografien ist in Arbeit.  


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