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„Jeder Gucci-Schuh ist besser präsentiert“
Experten diskutieren in Würzburg über Herausforderungen und Perspektiven von Antikenmuseen


Von Michaela Schneider
Würzburg
Alte Vasen, zerbrochene Teller und Marmorbüsten, die irgendwie alle ähnlich aussehen: So mancher Laie tut sich in der griechischen Abteilung eines Museums schwer, mehr in antiken Objekten zu sehen. Der Experte dagegen weiß: Die mythologischen Szenen auf den Kulturgütern erzählen zum Beispiel von Dramen und Tragödien, Inzest oder Gelagen, Sex und Verbrechen. Und von noch viel mehr. Das Beispiel zeigt: In Antikenmuseen ist es eine Frage der Präsentation, will man nicht nur Experten, sondern das breites Publikum ins Haus locken. Über „Herausforderungen und Perspektiven von Antikenmuseen“ diskutierten jetzt bei einer Fachtagung an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg Akademiker, Museumsmitarbeiter und Studenten aus Deutschland und Ägypten. Und auch am Rande der Tagung gab es Gelegenheit, die Museumslandschaft zu beleuchten.


Was hierzulande für manch einen angestaubt erscheinen mag, erlebt Ali Omar, Professor für griechisch-römische Archäologie an der ägyptischen Helwan University Kairo, erfrischend. In Ägypten seien Museen eine sehr traditionelle Angelegenheit – um das kulturelle Erbe, um die Monumente zu präsentieren. In den Museen arbeiteten bis dato Ägyptologen und Archäologen, Museologen wie in Deutschland gebe es nicht. „Deshalb richten wir mit dem neuen Double-Degree-Master den Blick nach Deutschland“, sagt der Archäologe. Weil hier zum Beispiel schon jetzt mit viel mehr Technologie gearbeitet werde und museumspädagogische Angebote von Kinder- bis Spezialführungen reichten.


Und trotzdem sind die Besucherzahlen in vielen deutschen Museen eher rückläufig. Professor Jochen Griesbach, Direktor der Antikenabteilung des Martin-von-Wagner-Museums in Würzburg, betont in dem Zusammenhang aber: Eine pauschale Aussage sei nicht möglich, schlichtweg, weil die hiesige Museumslandschaft extrem heterogen daher komme. Die einen Museen lockten mit topmoderner Ausstattung oder schlichtweg durch Bekanntheit wie etwa die Museumsinsel in Berlin. Die anderen wirken in der Tat für manchen Besucher angestaubt.


„Ab den 80er Jahren wurden ganz viele neue Museen eröffnet. Aber das ist wie mit einem Wohnzimmer - nach 40 Jahren wäre eine Sanierung dringend nötig“, beschreibt Guido Fackler, Professor für Museologie in Würzburg, den Sanierungsstau in Deutschland. Andere, ältere Antikenmuseen  wurden für das Bildungsbürgertum des 19. Jahrhunderts aufgebaut. „Diese Menschen kannten sich, anders als die breite Bürgerschaft heute, aus in griechischer Mythologie. Was auf einer antiken Vase gezeigt wurde, war für sie selbstverständlich“, nennt Professor Dr. Harald Meller, Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, eine weitere Schwierigkeit.


Und spricht klare Worte mit Blick auf künftige Museumskonzepte. Museen hätten mit Information nur wenig zu tun, wer selbige suche, lese besser ein Buch. Auch die Begegnung mit dem Original allein reiche nicht, um zu überzeugen – zumal dieses in der Regel hinter Glas und schlecht beleuchtet sowieso nicht richtig betrachtet werden könne. Jeder Gucci-Schuh in Mailands Schaufenstern sei besser präsentiert, formuliert er`s überspitzt. Seine Forderung: Museen müssten auf höchstem wissenschaftlichem Niveau Bilder verdichten durch eine entsprechende Inszenierung. Beispielhaft nennt er eine Neandertalerfigur in Denkerpose, wie sie im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu sehen ist. Akademiker könnten das nicht, er arbeite deshalb immer mit Künstlern zusammen, sagt Meller. Als gelungen beschreibt er einen Museumsbesuch, wenn der Besucher drei neue Dinge erfährt, die er vorher nicht wusste – möglichst, ohne dafür Text gelesen zu haben.


Zurück zum Tagungs-Hausherrn Professor Griesbach. Bis dato präsentiert sich das Martin-von-Wagner-Museum als akademisches Museum, gut besucht sind allenfalls museumspädagogische Projekte wie zum Beispiel Kinder- und Familienführungen. „Hier investieren wir schon jetzt bewusst, um die Besucher von Morgen heranzuziehen“, sagt Griesbach. Denn das Haus will sich weiterentwickeln zur Schnittstelle zwischen Universität und Öffentlichkeit und zum Schaufenster der Wissenschaft. „Wollen wir Besucher auf Dauer an Museen binden, müssen wir Spaß und Sinn kombinieren“, sagt er.


Der Beschluss zur Neukonzeptionierung liegt also vor, Gelder macht die Universität allerdings nur zögerlich locker. Sobald die Finanzierung steht, will das Museumsteam über eine zeitgemäße Beleuchtung und neue Vitrinen die Präsentation selbst aufwerten. Im zweiten Schritt braucht es laut Griesbach unterstützende Technik. Den großen Kostenpunkt macht dabei weniger die Hardware aus, sondern der Inhalt. Eine Museums-App sei nicht mal schnell nebenher konzeptioniert, programmiert und befüllt. Das bedeute richtig viel Arbeit und brauche Experten sowie Geld, betont der Leiter der Antikenabteilung.  Sein Kollege Professor Meller stellt die Frage in den Raum: „Was sind uns unsere abendländischen Werte wert?“


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Experten diskutierten in Würzburg über Perspektiven und Herausforderungen von Antikenmuseen. Im Bild von links: Professor Jochen Griesbach, Direktor der Antikenabteilung des Martin-von-Wagner-Museums in Würzburg, Professor Falko Daim, Generaldirektor des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz, Dr. Susanne Wichert, Direktorin der Reis-Engelhorn-Museen in Mannheim, Martin Stadler, Professor für Ägyptologie an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg, Professor Harald Meller, Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie und Ali Omar, Professor für griechisch-römische Archäologie an der ägyptischen Helwan University.


Foto: Michaela Schneider



Foto: Michaela Schneider


Infokasten: Über den Double-Degree-Master „Museum und alte Kulturen“


Die Museologie und die Altertumswissenschaften der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg kooperieren mit der ägyptischen Helwan University in Kairo. Ein Ergebnis der Zusammenarbeit: Im Sommer 2016 wird der neue Double-Degree-Masterstudiengang „Museum und alte Kulturen“ aus der Taufe gehoben. Die Idee: Deutsche und ägyptische Studenten studieren gemeinsam – und zwar ein Semester in Kairo und eines in Würzburg. Ein Abschlusszeugnis gibt es im Anschluss von beiden Universitäten. Zulassungsvoraussetzung ist an der Julius-Maximilians-Universität entweder ein Bachelorabschluss in einem altertumswissenschaftlichen Fach oder in Museologie oder aber der Nachweis grundlegender museologischer Kompetenzen sowie Museumspraxis.