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Von Michaela Schneider

 

Würzburg Während seinen Kollegen im Kirchenkalender alljährlich gedacht wird, taucht der Heilige Hilarius nur alle vier Jahre im Kalender auf. Denn: Das Pontifikat des sardischen Papstes endete im Jahr 468 an einem 28. oder 29. Februar – genaues weiß man nicht. Wörtlich übersetzt bedeutet Hilarius auf lateinisch „der Heitere“. Vielleicht passte ein so fröhlicher Geselle nicht so gut in den Heiligenreigen des Kirchenjahrs – auf jeden Fall wurde der heitere Papa einst kurzerhand zum Heiligen des Schalttags, sprich des 29. Februar, gemacht. Schade für den Heiligen Hilarius. Um den christlichen Jahreskalender wird sich eine Führung im Martin-von-Wagner-Museum in der Gemäldegalerie am 6. Januar drehen.

 

„Antike Feste im Christentum?“ ist sie betitelt und mit einem Fragezeichen versehen, denn Julia Krämer, Studentin für Volkskunde und Kunstgeschichte, will weiter ausholen: Neben der Entwicklung der großen christlichen Feste wie Ostern, Epiphanias und Weihnachten will sie auf Kuriositäten des Kirchenkalenders wie den Heiligen Hilarius ebenso eingehen wie auf heutige Bräuche außerhalb der Liturgie. Über Jahrhunderte habe sich der christliche Jahreskalender entwickelt, betont die 23-Jährige. Dabei lösten nach und nach christliche Feste die bürgerlichen ab – häufig, indem sie verdrängt wurden, ab und an durch eine Umdeutung. Der Kalender sei darauf ausgerichtet, dass Gläubige die Heilsgeschichte miterleben und mitfühlen können – und zwar jedes Jahr aufs Neue.

 

Dabei kennt bereits das Alte Testament drei Festtage: Das Fest zur Aussaat, das Fest zur Ernte – hieraus ging das heutige Erntedankfest hervor – und den Sonntag. „Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht“, verkündete Gott Moses auf dem Berg Sinai. Bis der Sonntag jedoch auch in die weltliche Gesetzgebung Einzug hielt, sollte es eine Weile dauern, und zwar bis ins Jahr 321: Jetzt führte Kaiser Konstantin den Sonntag als gerichtsfreien Tag ein.  

 

Ältestes und wichtigstes Fest der Christen ist laut Krämer das Osterfest. Ursprünglich lagen dabei der Termin des Oster- und Passah-Festes zusammen – eigentlich eine logische Folge, denn Jesus starb laut Bibel während des Passahfestes. Juden feiern an diesem Tag den Auszug der Israeliten aus Ägypten.  Ebenfalls durch Kaiser Konstantin - nämlich beim Konzil von Nicäa im Jahr 325 - wurde das Osterfest dann aber auf den Sonntag nach Passah verlegt. „Immer wieder wurden Feste selbst zu Bußtagen gemacht, um anschließend christlich feiern zu können“, erklärt Julia Krämer.

 

Manche antiken Feste indes waren schwer zu verdrängen, dann deuteten Kirchenväter außerchristliche Feierlichkeiten kurzerhand in ihrem Sinne um. So zum Beispiel geschehen mit Blick auf Maria Lichtmess Anfang Februar. Der historische Ursprung liegt hier in einer heidnischen Lichterprozession, die alle fünf Jahre in Rom abgehalten und nun mittels Umdeutung ins Christentum übernommen wurde. Bis heute wird Maria Lichtmess – oder liturgisch korrekt das „Fest zur Darstellung des Herrn“ – mit Lichterprozession und Kerzenweihe begangen.

 

Und auch das Epiphaniasfest – das heißt die Erscheinung Gottes in menschlicher Gestalt – hat gewisse außerchristliche Ursprünge. An Epiphanias wird Jesu Geburt, der Taufe im Jordan und der Hochzeit zu Kanaan als seinem ersten Wunder gedacht – und zwar einstmals mit dem 6. Januar an einem einzigen Tag. Der antike Bezug:  Schon im hellenistischen Ägypten wurde in der Nacht des 5. Januars die Geburt des Sonnengottes Aion aus der Jungfrau Kore gefeiert mit den Worten „Die Jungfrau hat das Kind geboren. Das Licht wächst.“ Dabei war jedoch kein echtes Kind, sondern das neue Jahr gemeint. „Das war wunderbar umdeutbar und passte ausgezeichnet zu Christi Geburt“, sagt Julia Krämer. Am 6. Januar schöpften die Menschen dann in vorchristlicher Zeit in Alexandria heilbringendes Wasser aus dem Nil. An die Heilkraft des Wasser glaubte man mit der Christianisierung weiter, doch gedachte man fortan Jesu Taufe und der Hochzeit in Kana, bei der der Gottessohn Wasser in Wein verwandelt hatte.

 

Erst später wurde Weihnachten in der westlichen Kirche auf den 25. Dezember verlegt. „An diesem Tag gab es ein heidnisches Fest, an dem der Geburtstag der Sonne mit Ehrenfeuern begangen wurde“, sagt Julia Krämer. Daran hätten auch Christen teilgenommen – dies habe den Kirchenvätern nicht gefallen. Und so legten sie die Geburt Christi auf eben dieses Datum.

 

Vom heiteren Heiligen und römischen Lichterprozessionen

Liturgie Studentin der Kunstgeschichte erzählt, wie sich der christliche Jahreskalender
über die Jahrhunderte entwickelt hat – Führung „Antike Feste im Christentum?“ am 6. Januar

 

 


Forschungsverbund setzt sich mit den Ursachen und Folgen für Mensch und Natur auseinander

          

Anhand verschiedener Kunstwerke in der Gemäldegalerie des Martin-von-Wagner-Museums erzählt Julia Krämer, Studentin der Kunstgeschichte, wie sich der Kirchenkalender entwickelt hat. Im Bild zu sehen mit Luca Giordanos „Kreuzaufrichtung“, einem Werk des 17. Jahrhunderts.

Foto: Michaela Schneider

Dieser kleine Tragaltar im Martin-von-Wagner-Museum zeigt die Heilsgeschichte von Jesu Geburt bis zur Auferstehung. Er entstand wohl um 1330 in Florenz. Auch der Kirchenkalender ist darauf ausgerichtet, dass Gläubige die Heilsgeschichte miterleben können – und zwar jedes Jahr aufs Neue.

 

 

Foto: Michaela Schneider

Der Artikel ist unter anderem in der Tauberzeitung erschienen.

Führungen der Museumsinitiative

 

„Antike Feste im Christentum?“ ist Julia Krämers Führung im Martin-von-Wagner-Museum in Würzburg am 6. Januar betitelt. Treffpunkt ist um 11 Uhr in der Gemäldegalerie. Regelmäßig führen Fachstudenten, Mitglieder der „Museumsinitiative“ und freischaffende Stadtführer unter verschiedenen Gesichtspunkten durch das Museum.

 

Die nächsten Termine 2013 m Überblick, Führungsbeginn ist jeweils um 11 Uhr:

 

13. Januar: Gaben an die Götter (Antikenabteilung)
 

20. Januar: Moderne Meisterwerke alter Schätze: Führung durch die Sonderausstellung Staubraub (Galerie)


17. Februar: Alte Meister in Würzburg – Höhepunkte der Gemäldegalerie


3. März: Ein Streifzug durch die antike Mythologie (Gemäldegalerie)


17. März: Luca Giordano – Wunder und Qual Christi (Gemäldegalerie)

 

14. April: Musik in der Malerei (Gemäldegalerie)

 

28. April: Architektur im Bild (Gemäldegalerie)