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Inselhüpfen im Museum
 
Sonderausstellung „Ans Werk“ heißt es zum 100. Geburtstag des
Mainfränkischen Museums – Team setzt damit bewusst Akzente in den Dauerausstellungen


Von Michaela Schneider

Würzburg Auch 100-Jährige können jugendlich-frisch daher kommen. Den besten Beweis liefert das Mainfränkische Museum in Würzburg. Mit einer Galanacht wurde am Freitag sein runder Geburtstag gefeiert und die Sonderausstellung „Ans Werk“ eröffnet. Ein geschickter Schachzug im Jubiläumsjahr: Statt in eigene Räumlichkeiten ausgegliedert erstreckt sich die Jubiläumsausstellung über das gesamte Museumsareal, setzt Akzente in den Dauerausstellungen von Mainfränkischem Museum und Fürstenbaumuseum und zeigt, was mit kreativen Ideen, aber auch Geld möglich ist und wäre.  


Musik, Literatur, Kleinkunst und Theater in den Ausstellungsbereichen lässt die Besucher in der Galanacht Kunst einmal anders erfahren. Zwischen alten Künstler-Portraits sitzt auf der Museumsinsel „Wahrnehmung, Werbung, Wettbewerb“ ein Karikaturist und zeichnet Festungsbesucher, zwischen den Fayencen tönen Klarinettenklänge, durch Greiffenclauhof und Schönbornhalle stelzen Jongleure. Geschmacksache ist sicherlich die ungewöhnliche Festungs-Illumination in quietschendem Bunt. Doch die Botschaft vom Erlebnismuseum und alter Kunst in moderner Inszenierung kommt rüber.


Welche Idee steckt nun aber hinter der Museumsausstellung „Ans Werk“? Laut Museumsleiterin Dr. Claudia Lichte steht der Ausstellungstitel als Synonym für „ans Original“: Barrieren zwischen Museumsobjekten und Besuchern sollen abgebaut werden, Kunst wird erleb- und erfahrbar. Mit kreativen Methoden hat das Museumsteam dafür auf bislang zwölf Museumsinseln – erkennbar am schwarzen Hintergrund und großen Textfahnen - einzelne Objekte gezielt in Szene gesetzt. Die Mitarbeiter haben Inszenierungen geschaffen, um Leihgaben angereichert und um moderne Präsentationsmethoden wie Apps auf dem iPad oder Filme ergänzt. Dazu einige Insel-Beispiele.


Die Fayencensammlung auf der Festung gilt als eine der bedeutendsten überhaupt. Doch fällt es dem Laien oftmals schwer, zwischen den zahlreichen Objekten die echten Kostbarkeiten zu entdecken. Deshalb wurden die Vitrinen nun zum Teil mit matten Folien abgeklebt, verschiedene Kunstwerke sind nur nach schemenhaft zu erkennen, der Blick wird gezielt auf Raritäten gelenkt. Spannend auch:  Eine große Informationswand, die erklärt, wie die edle Porzellankunst einst gefertigt wurde.


Auf die wohl bedeutendste Leihgabe im Jubiläumsjahr treffen Besucher nicht weit entfernt ums Eck im Riemenschneider-Saal. „Herkunft und Ausstellung ungewiss…“  lautet hier das Insel-Motto. Zwölf Apostelfiguren aus der Werkstatt Tilmann Riemenschneiders sind für 100 Tage aus dem Bayerischen Nationalmuseum in München auf die Festung umgezogen. Angeblich stammen sie aus der Würzburger Marienkapelle – doch Genaues weiß man nicht. Per iPad können Besucher tief eintauchen in die Riemenschneidersche Zeit, unter anderem Vergleiche zwischen hölzernen Aposteln und seinen steinernen Kunstwerken ziehen und der Frage nachspüren, wo die Figuren gestanden haben könnten.  


Auch eine dunkle Seite der eigenen Historie hat das Museumsteam fürs Jubiläumsjahr aufgearbeitet, die Insel befindet sich in der stadtgeschichtlichen Abteilung des Fürstenbaumuseums. Die leuchtende Silhouette einer Frau im schwarzen Holz zieht den Blick an, ein Tablet-PC, eine Vitrine und eine Textfahne erzählen von der tragischen Geschichte der Maria Mühlfelder. Das Einzelschicksal steht dabei exemplarisch für viele Juden im Nationalsozialismus, die entrechtet, beraubt und ermordet wurden. Maria Mühlfelder starb vermutlich im Vernichtungslager Sobibor. Zuvor war ihre Familie von den Nationalsozialisten enteignet worden – ins Mainfränkische Museum wanderten verschiedene Kunstobjekte aus dem Besitz der Familie.


Weitere Museumsinseln drehen sich um die Museumsgeschichte, um Künstler-Selbstporträts, um die Würzburger Künstlerfamilie Geist, um den Hofschreiner Carl Maximilian Mattern, um den Gnadenstuhl aus dem Bürgerspital, um prächtige Wagengespanne aus der Bronzezeit, um Kindheit, Erziehung und Bildung im Mittelalter, um Julius Echter von Mespelbrunn und um Würzburger Zünfte in der Barockzeit.


 Fotos: Michaela Schneider




Der Artikel ist unter anderem in Main-Echo erschienen.

Sonderausstellung und Rahmenprogramm


Sonderausstellung: Die Jubiläumsausstellung „Ans Werk“ ist bis zum 6. Oktober zu den Öffnungszeiten des Museums Dienstag bis Sonntag zwischen 9 und 18 Uhr geöffnet. Ein spezielles Kombiticket fürs Mainfränkische Museum und Fürstenbaumuseum ermöglicht den Besuch sämtlicher Museumsinseln zum ermäßigten Preis. In den kommenden Monaten soll die Sonderausstellung übrigens um weitere Museumsinseln ergänzt werden – es lohnt sich also, das Museum im Jubiläumsjahr mehrfach zu besuchen.


Inselbroschüren: Eine nette Idee: Statt eines umfassenden Museumskatalogs bietet das Mainfränkische Museum pro Museumsinsel informative Broschüren an, so dass die Ausstellungsbesucher ganz gezielt entscheiden können, in welche Thematiken sie tiefer eintauchen möchten.    


Rahmenprogramm: Ergänzt wird die Sonderausstellung um das Rahmenprogramm „100 Jahre – 100 Tage“. Immer mittwochs um 18 Uhr Feierabendführungen mit Fachwissenschaftlern bei einem Glas Wein, Sonntagsführungen zu bestimmten Themen jeweils um 11 Uhr, Familienführungen jeden zweiten Sonntag im Monat, Spezial-Kunstsprechstunden sonntags ab 14 Uhr, Konzerte und mehr. Die genauen Termine und Themen unter www.mainfraenkisches-museum.de/veranstaltungen  


Söder: Mehr Geld nach Würzburg, weniger nach München


Die Finanzen spielten beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Mainfränkischen Museums vor der Galanacht eine zentrale Rolle, denn: Im Vorfeld des Geburtstags hatte die Landesregierung dem Museum eine finanzielle Unterstützung bei der Generalsanierung in Aussicht gestellt, die Rede war von 30 Millionen Euro, Gespräche laufen. Zum Festakt war nun Bayerns Finanzminister Dr. Markus Söder angereist, machte sich für eine „große Lösung“ stark und sprach von einem mehrstelligen Millionenbetrag, der in den nächsten zehn Jahren investiert werden solle. Die klare Forderung des bekennenden Franken: Mehr Geld nach Würzburg, weniger nach München.


„Von außen wundervoll, von innen könnten wir noch mehr machen“.

(Finanzminister Dr. Markus Söder über das Mainfränkische Museum)


Das Museum auf der Festung Marienberg brauche nicht nur ein bisschen Reparatur, sondern habe die Sanierung dringend nötig. Söder sprach sich für eine Neuordnung der Einrichtungen auf dem Festungsgelände aus. Derzeit befinden sich dort nicht nur das Mainfränkische Museum und das Fürstenbaumuseum, sondern auch das Staatsarchiv. Der Finanzminister warb für eine Verlegung des Staatsarchivs, einen um 30 bis 40 Prozent vergrößerten Ausstellungsbereich und ein geschlossenes Museumsareal.


In seinem Rückblick auf 100 Jahre Museumsgeschichte betonte Würzburgs Oberbürgermeister Dr. Georg Rosenthal: Mit einem bayerischen Landesmuseum mit tiefer fränkischer Prägung würde der Kreis geschlossen zum Fränkischen Landesmuseum. Dann nämlich würde es endlich die Rolle spielen, die dem Museum vor 100 Jahren vom Königshaus eigentlich zugedacht war.  


Der Weg sei oft steinig und von finanziellen Engpässen gepflastert, sagte auch Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel als Vorsitzender des Zweckverbands Mainfränkisches Museum Bezirk Unterfranken beim Blick auf die Museumsgeschichte. Aber: Er lohne sich.