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Abgedrehter Roadtrip
Das Jugendstück „Amsterdam“ in den Kammerspielen am Mainfranken
Theater in Würzburg zeigt: Mit Toleranz in Europa ist es nicht allzu weit her


Von Michaela Schneider

Würzburg In Holland geht`s nur um Gras und Sex. Und Serben sind allesamt Schlägertypen. Kosovo, Albanien, Serbien oder Kroatien? Das ist doch alles irgendwie dasselbe... Nichtwissen, Vorurteile und Klischees sind hier wie da – und überall – in den Köpfen ganz tief verankert. Mit ziemlich viel politischer Unkorrektheit und mindestens so viel skurrilem Humor beleuchtet Autorin Marijana Verhoef in ihrem Jugendstück „Amsterdam“, dass es in Europa mit der Toleranz längst nicht so weit her ist, wie mancher gerne Glauben schenken mag. Zu sehen ist die Schauspielproduktion jetzt auch in den Kammerspielen des Mainfranken Theaters Würzburg. Regie führt Ulf Goerke. Seit 2005 arbeitet er als freier Regisseur, „Amsterdam“ ist seine erste Schauspielproduktion in Würzburg.


Zur Geschichte: Journalistikstudent Bojan (Bastian Beyer) und Kameramann Ljuba (Cedric von Borries) aus Serbien reisen nach Holland. Anlass: In dem niederländischen Kuhkaff Altever soll Superman gesichtet worden sein. Den zwei Jungs liegt allerdings weniger an Superman, als an Sex und Magic Mushrooms. Hier sei gleich angemerkt: In dem Jugendstück geht es sprachlich ziemlich derb zur Sache, für sehr junges Publikum ist das Stück nicht geeignet. Doch mit schnellem Spaß und magischen Pilzen ist es in Altever nicht weit her. Stattdessen treffen die beiden Serben auf ziemlich schräge Gestalten wie die blonde Käseverkäuferin Merel und ihren indonesischen Adoptivbruder Bobo. Ein kulturell bedingtes Missverständnis jagt das nächste.


Das Bühnenbild von Anika Wieners ist schlicht mit weißer Bühne und schwarzem Hintergrund  - und dennoch gelungen: Mit projektierten Strichzeichnungen erweckt sie das niederländische Dorf zum Leben, lässt Superman fliegen, wirft clevere Ideen an die Wand. Ein Film mit Szenen aus Europa – von Gewalt bis zu Demonstrationen für den Frieden - führt zum Kern der Geschichte. Nett sind auch die Kostümideen von Veronica Silva-Klug: Hannah Walter in ihren verschiedenen Nebenrollen wird herrlich klischeehaft in tannenbaumförmigen Plastikringen aufs Fahrrad gesetzt oder in Käsekreise gehüllt.

Hannah Walter ist es übrigens auch, die vor allem für Charme, für sprühenden Witz und für feine wie derbe Gags auf der Bühne sorgt - und dabei ihre zwei männlichen Mitstreiter ein Stück weit in den Schatten spielt: Am Mikrofon sorgt sie für abgedrehte Geräuschkulissen während der Bahnfahrt nach Holland; im Dorf mimt sie sämtliche Tiergeräusche; beim Wolkenguss und Gewitter lässt sie es Donnern und Blitzen. Sie tritt als überspannte Postkartenverkäuferin, aus sexy Käsefrau und als haschanbauender Gangster auf.


Mit ziemlich vielen abgedrehten Einfällen bringt  Regisseur Ulf Goerke das Stück „Amsterdam“ auf die Kammerspielbühne des Mainfranken Theater. Der Abend ist unterhaltsam, keine Frage. Allerdings wäre weniger mehr: Durch zu viel Skurriles wird die Kernaussage verwässert. Mit den hervorragenden Jugendstücken in den vergangenen Spielzeiten kann „Amsterdam“ nicht ganz mithalten.  


Dauer: 75 Minuten (keine Pause); weitere Vorstellungen: 20 Uhr:  09.10./ 13.10./ 19.10./ 25.10./ 03.11./ 10.11./ 08.12./ 15.12.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.