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Kleine Nuancen mit großer Wirkung
Alexander-Technik als ganzheitliche Methode der Körperarbeit eignet sich vor allem für Musiker,
Sänger und Schauspieler – Einschränkende Gewohnheiten werden bewusst gemacht und abgelegt


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Nervös ist Anna Mavrommatis nach wie vor, wenn sie auf der Bühne steht. Doch inzwischen kennt die 28-jährige Violinistin Handwerkszeug, um mit Nervosität umzugehen – egal ob schwitzige Hände oder psychischer Stress. Geholfen hat der Musikerin dabei während des „Master of Music“ – Studiums an der Musikhochschule in Würzburg der Unterricht bei Dozentin Uschi Hartberger. Die 57-Jährige arbeitet seit 1993 freiberuflich als Lehrerin für Alexander-Technik -  zunächst in Freiburg, jetzt in der unterfränkischen Stadt am Main. Dabei handelt es sich um eine bei darstellenden Künstlern schon lange bekannte, ganzheitliche Methode der Körperarbeit. Einschränkende Gewohnheiten wie Fehlhaltungen oder psychische Verspannung werden bewusst gemacht und durch Selbststeuerung ersetzt.


Benannt ist die Technik nach ihrem Begründer Frederick Matthias Alexander. Den australischen Schauspieler plagten Ende des 19. Jahrhunderts Stimmprobleme. Weil ihm kein Arzt helfen konnte, suchte er nach Ursachen. Er erkannte, dass er die Schwierigkeiten selbst ausgelöst hatte durch den Umgang mit seinem Körper. Zentrale Bedeutung kommt bei der Alexander-Technik  dem ausbalancierten Verhältnis zwischen Kopf, Hals und Wirbelsäule zu.  


Expertin Uschi Hartberger spielt weder ein Musikinstrument, noch kann sie Noten lesen. Meist erkennt sie aber allein an Ton und Klang – egal ob bei Sänger, Streicher, Bläser oder Pianist – wo die Fehlspannung sitzt. Eine Dysbalance zeige sich im ganzen Organismus, wirke sich aber an spezifischen Körperregionen aus, sagt die Expertin. Nach jahrelanger Berufserfahrung könne sie durch „Miterleben“ erspüren wie der Körper wieder in Balance gelangen kann. Hartberger betont: Es gehe nicht ums Entspannen, sondern um eine angemessene Spannung in der jeweiligen Situation.


Meist sind es nur minimale Bewegungen und feine Nuancen, die den Körper in Balance bringen. Uschi Hartberger berührt Violinistin Mavrommatis sanft am Schlüsselbein, dann an der Hand. Für Laien ist die veränderte Körperhaltung kaum erkennbar. Experten bezeichnen die ganzheitliche Methode als Basistechnik für Musiker, weil sie zum leichteren und ökonomischeren Spiel verhelfen kann.  Oder mit den Worten von Uschi Hartberger: Die Technik eignet sich hervorragend für faule Menschen, weil es darum geht, nicht mehr Kraft aufzuwenden als nötig.


In der Praxis lässt die Würzburgerin Musiker vorspielen, hört und beobachtet, gibt Empfehlungen. Um Klienten zu einem besseren Körperempfinden zu verhelfen, spricht sie über  Anatomie und Physiologie.  Und es wird über Sorgen, Nöte, Wünsche, Bedürfnisse und Ansprüche geredet, denn  die Technik basiert auf der Annahme, dass Körper und Geist eine Einheit bilden. „Empfindet ein Mensch Angst, atmet er unbewusst starr und zieht die Schultern hoch“, veranschaulicht die Expertin.  Unbewusst ist dabei ein entscheidendes Stichwort, denn die Alexander-Technik geht davon aus, dass der Mensch im Laufe seines Lebens einschränkende Körperhaltungen und Gewohnheiten annimmt, ohne dies zu merken. Die Methode macht dies bewusst und die Schüler lernen, auch in Stresssituationen übermäßige Anspannungen selbst zu lösen.


Auch Sänger arbeiten mit der Alexander-Technik. Als Beispiel nennt Hartberger den britischen Rock-Musiker Sting. Die Veränderung seiner Stimme vom Sänger bei „The Police“ bis zur seiner Solokarriere sei deutlich hörbar. „Jede Körperspannung schlägt sich sofort auf die Atmung nieder“, erläutert die Expertin.  Und auch an der Bühnenpräsenz arbeitet Hartberger mit Klienten. „Um Nervosität in den Griff zu bekommen, üben Künstler auf der Bühne Kontrolle aus, das lässt statisch wirken. Darunter leidet die Musik – egal ob beim Instrumentalisten oder beim Sänger“, sagt sie. Die Alternative lautet, Lampenfieber als etwas Positives anzunehmen und den Umgang damit zu lernen.


Violinistin Anna Mavrommatis ist dies gelungen. „Früher habe ich mich auf der Bühne gefangen gefühlt wie in einer Telefonzelle. Jetzt spiele ich viel freier“, sagt die 28-Jährige. Unter anderem kann sie Konzentration besser auf den Punkt bringen – nur ein Aspekt, der ihr Leben im Allgemeinen bereichert. Kein Wunder also, dass zu den Klienten der Alexander-Technik-Lehrer längst nicht mehr nur Schauspieler und Musiker zählen.

Kleine Nuancen mit großer Wirkung: Alexander-Technik-Lehrerin Uschi Hartberger arbeitet mit Schülerin Anna Mavrommatis.


Foto: Michaela Schneider


Der Artikel  ist unter anderem  in „Oper & Tanz“  erschienen.