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Advent mit allen Sinnen

 

von Michaela Schneider

 

Es schien Helga, als habe die Alufolienarmee aus Schokonikoläusen ihr aufgelauert. Grimmig grinsten sie ihr aus dem Supermarktregal entgegen, als seien sie die persönlichen Vorboten der hektischen Adventszeit. Schon im September hatte Helga die Lebkuchenberge längst satt gehabt. Schlimmer noch war’s geworden, als Werbung und Prospektmaterial allerorts propagierten: Nur ein überdekoriertes LED-Heim ist in der Weihnachtszeit ein schönes Heim. Wer „in“ sein will, greift dann bei den Christbaumkugeln zu den Saisonfarben. Pink, Lila oder Türkis mussten es heuer sein. Die Müllers von gegenüber waren sicherlich schon dabei, die winterliche Außenbeleuchtung auf Teufel komm raus aufzurüsten – schließlich galt’s ja die Hubers beim Weihnachtshaus-Wettkampf zu überbieten. Helga schüttelte sich und war heilfroh, dem adventlichen Einkaufsirrsinn hinter der rettenden Kasse zu entkommen.

 

Daheim war sie gerade dabei, Lebensmittel in den Kühlschrank zu räumen, als Töchterchen Nele aus der Schule kam. „Maaaaama!“ rief die Kleine, drückte Helga einen dicken Kuss auf die Backe und ließ sich dann auf die Küchenbank plumpsen. „Wie war’s in der Schule, mein Schatz?“, fragte Helga. „Toll! Wir haben heute was über den Advent gelernt. Und weißt Du was, da soll man sich besinnen, hat die Lehrerin gesagt. Ich hab ja erst gar nicht gewusst, was das ist. Aber sie hat dann erklärt, das kommt von den fünf Sinnen – und die kenn ich schon. Und dann hat sie gesagt, wir sollen als Hausaufgabe in den nächsten Tagen mal ganz genau gucken, wo wir Adventsboten hören, sehen, fühlen, riechen und schmecken. Und zwar solche, die’s im Supermarkt nicht zu kaufen gibt. Und jetzt brauch ich Deine Hilfe“, blubberte es aus dem Mädchen in einem einzigen Atemzug heraus.

 

Helga schluckte erst ratlos. Dann hatte sie eine Idee. Sie packte am Spätnachmittag ihr Töchterchen warm ein und fuhr mit ihr in den nahen Forst. Als sie den Waldrand erreichten und aus dem Auto stiegen, begann es sanft zu schneien. Nele jauchzte. „Und mein Schatz, kannst Du den Schnee auf Deinen Händen spüren?“, fragte Helga. Ihre Tochter nickte. „Weißt Du, der Schnee breitet sich jetzt wie ein schützender Mantel über die Natur. Der Advent bereitet auf die Ankunft von Jesus Christus vor – und der kam ebenfalls auf die Erde, um die Menschen zu beschützen.“

 

Plötzlich legte Nele ihren Zeigefinger auf die Lippen. „Pst, Mama, sei mal leise, ich glaube, ich kann den Advent auch hören“, wisperte das Mädchen aufgeregt. Als Mutter und Tochter in die Dämmerung lauschten, war diese plötzlich gar nicht mehr so still. Da zwitscherte, knackte und knirschte es. All die Waldbewohner schienen plötzlich von einer Schöpfung zu erzählen, die unendlich viel Leben schenkt.  Beim Spaziergang durch den Wald schnupperten Helga und Nele ganz kräftig an den würzigen Weißtannen. Viel intensiver war ihr Duft, als ihn ein gefälltes Bäumchen in die Stube tragen könnte. Gemeinsam schmeckten die Beiden anschließend an einer leckeren Adventsluft-Mischung aus Moos, Holz und Winterkälte.

 

Als Mutter und Tochter wieder aus dem Wald heraustraten, begann am Himmel das erste Sternchen zu funkeln. Ganz still war Nele beim Blick in ein Universum, dessen Licht den Menschen auch in der dunkelsten Zeit den richtigen Weg leuchtet.

 

 

Die Kurzgeschichte ist im Liboriusblatt erschienen