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Abszesse, Fisteln, Geschwüre und Vernarbungen
Akne inversa ist eine schwere Hauterkrankung, die mit starken Schmerzen sowie großen
Einschränkungen verbunden ist und mit der Akne in der Pubertät nichts zu tun hat


Von Michaela Schneider
Würzburg
Mit Akne verbinden die meisten Menschen in der Regel ein paar Pickel an der Hautoberfläche. Richtig ist: Die so genannte Akne vulgaris oder simplex ist tatsächlich eine recht harmlose Hauterkrankung, von der vor allem Jugendliche in der Pubertät betroffen sind. Doch Akne ist nicht gleich Akne. Die wohl schwerste Form dürfte „Acne inversa“ sein – eine schwere Haukrankheit, die Männer wie Frauen in jedem Alter treffen kann und häufig mit starken Schmerzen, Bewegungs- und Belastungseinschränkungen in Alltag und Beruf sowie psychosozialer Isolation verbunden ist.  Mit ein paar Pickeln und Mitessern hat sie so gut wie nichts zu tun, sondern geht mit sehr schmerzhaften, großflächigen, tief lokalisierten  Hautentzündungen einher.


Tatsächlich leiden aber sehr viele Patienten unter der begrifflichen Ähnlichkeit zur „normalen“ Akne – etwa wenn der Chef mit Unverständnis reagiert, dass ein Mitarbeiter wegen Akne eine Krankmeldung einreicht. Und auch viele Ärzte kennen das Krankheitsbild noch zu wenig, falsche Diagnosen und eine extrem hohe Dunkelziffer sind die Folge: Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Betroffenen zwischen 225000 und 3,1 Millionen Betroffenen. An der Universitätsklinik in Würzburg gibt es inzwischen  eigene Acne-Inversa-Sprechstunden. Mit einem Patienteninformationstag zu der Hautkrankheit in Zusammenarbeit mit der Selbsthilfegruppe Acne inversa (www.akne-inversa.org)  setzte das Team der Hautklinik nun auf weitere Aufklärung.


„Es handelt sich um sehr kranke Patienten, umso bedrückender ist die hohe Dunkelziffer“, sagt Dr. Dagmar Presser, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie,  Venerologie und Allergologie an der Universitätsklinik in Würzburg, ergänzt aber: „Die Krankheit wird nach und nach besser verstanden.“ Man wisse dass es sich um eine Entzündungskrankheit und systemische Erkrankung handle. Das bedeutet: Möchte man Acne inversa in den Griff bekommen, muss der gesamte Organismus behandelt werden. Immerhin gibt es seit April 2015 neue Europäische Leitlinien zur Krankheit. „Damit wurde für Ärzte ein Konzept mit Hand und Fuß geschaffen zur Behandlung“, so die Medizinerin. Neu ist etwa, dass mit Blick auf den Schweregrad nicht nur auf die Zahl der Knoten und Abszesse und die Größe der betroffenen Areale geschaut wird, sondern auch auf die Psyche.


Erste Symptome der chronischen Erkrankung treten meist nach der Pubertät auf. Die Talgdrüsen und äußeren Wurzelscheide der so genannten Terminalhaarfollikel entzünden sich – also jener Einstülpungen der Oberhaut, in die die Haarwurzeln eingebettet sind. Am häufigsten befallen sind die Feuchtzonen des Körpers: Achseln, Gesäß oder Leistenregion zum Beispiel. Eine Schwierigkeit bei der Diagnose ist aber – und so erklärt sich teilweise auch die hohe Dunkelziffer: Es gibt kein einheitliches Krankheitsbild.  Auch Ohren, Brust, Rücken oder Beine und selbst Gefäße  können betroffen sein. Bei einem gesunden Menschen sondern die Talgdrüsen der Terminalhaarfollikel ihr Sekret am Haar entlang zur Hauptoberfläche hin ab. Ist dieser Vorgang gestört, entstehen unter der Haut Entzündungen. Eiterbildung ist die Folge, die sich nach und nach von den Talgdrüsen auf das umliegende Gewebe und auf Schweißdrüsen ausweitet. Aus Abszessen entwickeln sich großflächige, sehr schmerzhafte Geschwüre, abnorme Verbindungen im Körper (Fisteln) und Vernarbungen. Spätfolgen können zudem eingeschränkte Organfunktionen sein. Manche Patienten können kein Wasser mehr lassen, andere nicht mehr sitzen. Als mögliche Begleiterkrankungen nennt Presser entzündliche Darmerkrankungen, Entzündungen in den Gelenken, langfristig auch Tumore, das metabolische Syndrom und Depressionen. Ein gestörtes Körpergefühl führe häufig zum Rückzug der Patienten.


Wo aber liegen die Ursachen der Krankheit? Mediziner vermuten eine Störung im Immunsystem der Patienten. Bekannt ist, dass die Entzündungen von den Haarfollikeln ausgehen. Angenommen wird, dass bestimmte Bakterien bei dem Prozess eine wichtige Rolle spielen. Deshalb wird in der Therapie versucht über Waschmittel und Co. eine Normalflora auf der Haut zu erreichen. Zu den bedeutendsten Triggerfaktoren zählen neben der bakteriellen Besiedlung Nikotin, Übergewicht, psychischer Stress und Irritationen etwa durch Wärme und Schweiß, enge Kleidung und Reibung oder eine Rasur. Als Rasurtipps empfiehlt Hautärztin Presser den Patienten, die Haut vorher und nachher zu desinfizieren, Einmalrasierer  zu verwenden und besser abends zu rasieren, um nicht anschließend gleich Deo aufzutragen. An der Ruhr-Universität Bochum hatte man seit Juni 2010 die positiven Effekte einer Laserepilation befallener Hautareale untersucht. Das Ergebnis betrachtet Presser als nicht schlecht: Immerhin rund der Hälfte der Patienten verschaffte die dauerhafte Haarentfernung Linderung.


Die Behandlung der Acne inversa hängt laut der Medizinerin vom Schweregrad der Erkrankung ab. Einzelne Knoten lasse man abheilen und könne man einzeln herausschneiden.  Auch spezifische Antibiotika werden eingesetzt, um Entzündungsherde runterzufahren.  Bei schwereren Fällen indes ist die großflächige, radikale Operation am effektivsten, um sämtliche Hotspots zu eliminieren, von denen weitere Entzündungen ausgehen. Dabei entfernt der Arzt mit Skalpell oder Laser das gesamte entzündete Areal. Ob eine Operation sinnvoll und möglich ist, hängt von Lokalisation, Ausdehnung und Schweregrad ab sowie individuellen Faktoren wie weiteren Erkrankungen, aber zum Beispiel auch der Arbeit und besonderen Präferenzen des Patienten.


Unterstützende Therapieverfahren kommen nach Bedarf hinzu – von der Schmerztherapie bis zur Psychotherapie. „Jeder bekommt ein eigenes Therapiekonzept“, betont Presser. Und die vielleicht wichtigste Botschaft der Würzburger Hautärztin lautet: „Acne inversa ist eine chronische Krankheit, mit der ich leben muss und leben kann.“


Der Artikel  ist unter anderem  in dem Magazin „Gesundheit!“ erschienen.

Infokasten: Seit Sommer 2015 zugelassen: „Adalimumab“


Seit diesem Sommer neu zugelassen für Erwachsene mit aktiver mittelschwerer bis schwerer Acne inversa ist das Biological „Adalimumab“. Das Medikament bindet den Immunsystem-Botenstoff TNF-alpha, der an der Entstehung von Entzündungen beteiligt ist. Gleichzeitig ist TNF-alpha jedoch die Immunantwort auf bestimmt Bakterien wie Tuberkulose, Viren wie Hepatitis oder auf Tumore. Heißt: Die Behandlung mit Adalimumab macht anfälliger für Krankheiten durch Bakterien, Viren und Pilze, bekanntermaßen steigt das Gürtelrose-Risiko. Hinzu kommt: Das Medikament wirkt bei neuen Entzündungen, nicht aber bei bereits ausgebildeten Fistelgängen und Vernarbungen.  Leidet ein Patient unter bestimmten anderen Erkrankungen scheidet Adalimumab von Vornherein aus.