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Trefflicher Griff in die Klischee-Kiste
Spessartgrotte in Langenprozelten spielt Stefan Vögels Multi-Kulti-Komödie „Achtung Deutsch“


Von Michaela Schneider

Gemünden-Langenprozelten Man nehme eine süße Französin mit drastischem Männerverschleiß, einen heißblütigen, ein bisschen trotteligen Italiener, einen trinkfesten Wiener und einen syrischen Spezialisten mittelhochdeutscher Lyrik. Dann einmal schütteln. Fertig sind die Schlüters – eine typisch deutsche Familie. Die Multi-Kulti-Komödie „Achtung Deutsch!“ aus der Feder des Autors Stefan Vögel hat sich in den vergangenen Jahren an zahlreichen Theatern als Bühnenhit und Publikumsmagnet bewiesen. Jetzt ist der turbulente Spaß auch in der Spessartgrotte in Gemünden-Langenprozelten unter Regie von Helga Hartmann angelaufen. Für Lachkrämpfe im Publikum sorgten bei der Premiere nicht nur Vögels Dialoge, sondern vor allem auch das,motivierte Bühnen-Ensemble.


Wenn es auf Erden ein Bermuda-Dreieck gibt, ist es die deutsche Bürokratie! Durch einen bürokratischen Fehler wird eine Multikulti-WG mit Erasmus-Studenten als deutsche Familie eingestuft. Jochen Reize (Theo Gündling)von der Wohnungsbaugenossenschaft kündigt an, „Familie Schlüter“ - bestehend aus Mutter, Vater und zwei Kindern - zu überprüfen. Der chaotische WG-Haufen fürchtet, des Sozialbetrugs beschuldigt zu werden. Um das Einbürgerungsverfahren des Syrers Tarik nicht zu gefährden, spielen die vier Studenten eine deutsche Familie und greifen tief, aber trefflich in die Klischee-Kiste. Kein leichtes Unterfangen, denn Muslim Tarik beherrscht als einziger akzentfreies Hochdeutsch. Krampfhaft muss eine Geschichte her. Enzo wird zu Tariks Kind aus erster Ehe mit einer italienischen Hure, Virginie macht die aktuelle Ehefrau und der Wiener Rudi (Timo Dassinger) muss als stummes Kind „die Goschen holten“. Das turbulente Spiel um Stereotypen droht zu eskalieren, als der fiese Nachbar Schröder (Michel Schäfer mit wunderbar hessischem Dialekt) Wind von dem Verwirrspiel bekommt…


Das komplette Ensemble nutzt die freche Komödie, um sich auf der Bühne rundum auszutoben.  Vor allem mit Vanessa Fischer  scheint Helga Hartmann dabei ein echter Glücksgriff gelungen. Im Vorjahr hatte Fischer die Ausbildung an der Schauspielschule Koblenz mit Bühnenreife beendet, die französische Studentin Virginie ist ihre erste Rolle in der Spessartgrotte. In Langenprozelten dominiert Vanessa Fischer die Bühne von Beginn an mit viel Charme und Witz: Sie gibt sich als süße Studentin und Eva Braun-Verschnitt; sie spielt die unterwürfige, dauergrinsende deutsch-französische Hausfrau in Kittelschürze; sie verwandelt sich in die sexy Verführerin.


Zweiter Theater-Neuzugang ist Schauspieler Moritz Mühleck. In der Vergangenheit war er unter anderem in verschiedenen Rollen am Theater Chambinzky in Würzburg zu sehen, die Schauspielausbildung hat er an der Akademie für darstellende Kunst in Ulm absolviert. Sehr schön umgesetzt: Tariks Verwandlung vom intellektuellen, eleganten, höflichen Syrer zum prolligen, biertrinkenden Deutschen im Träger-Shirt. Zudem eine echte Überraschung: Paul Seeger, der in wunderbar überzogenem, italienischen Akzent als Enzo Danesi dauerplappert.


Gleich mehrere Blicke wert ist die Fülle an Bühnenbild-Details. Denn um die internationale WG in eine deutsche Wohnung zu verwandeln,  braucht es Medaillen und Pokale, Heimatbilder und Kuckucksuhr, Hirschgeweih und Deutschlandfahne, Couchüberwurf und gruselige Kissen.  


Zugegeben: Alle nur denkbaren Länderklischees zu bedienen, kann eine Gratwanderung sein. Doch die verrückte Komödie „Achtung, Deutsch“ ist ironisch und bissig, pointiert und witzig, so dass der Balanceakt gelingt. Das Publikum in der Spessartgrotte bedankt sich mit viel Gelächter und anhaltendem Applaus.


Dauer: Zweieinhalb Stunden inklusive Pause; Nächste Vorstellungen: jeweils 20 Uhr 8., 21. und 28. Februar, 8. 14. und 28. März, 5. und 17. April; jeweils 19 Uhr 13. und 27. April.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Auf Plakaten sind Reproduktion von Zwickers Fotografien zu sehen, einige Originale liegen in einer Vitrine.


Foto: Michaela Schneider


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